Ärzte Zeitung, 18.11.2004

"Der ehrliche Jim": ein Genomforscher als Literat

In einer Ausstellung in der Berliner Charité wird James D. Watson als Schriftsteller vorgestellt

Von Angela Mißlbeck

"Ich bewegte mich orthogonal weg vom molekularbiologischen Rattenrennen, um - so hoffte ich - ein ernstzunehmender Buchautor zu werden"
James D. Watson
in seinem Essay "Striving for Excellence"

Weil er an der Entdeckung der Doppelhelixstruktur der DNA beteiligt war, zählt ihn das "Time Magazine" zu den 100 einflußreichsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhundert. James D. Watson selbst soll gesagt haben, auf seine Bücher sei er stolzer als auf die Leistung, für die er 1962 zusammen mit Francis Crick mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Einblick in Leben und Wirken des Genomforschers und Schriftstellers James D. Watson gewährt jetzt eine Ausstellung im Museum der Charité.

"Ich bewegte mich orthogonal weg vom molekularbiologischen Rattenrennen, um - so hoffte ich - ein ernstzunehmender Buchautor zu werden", schrieb Watson 1981 in seinem Essay "Striving for Excellence". Er hat sein Ziel erreicht, meinen die Ausstellungsmacher in Berlin.

Seine Karriere als Schriftsteller startete Watson mit naturwissenschaftlichen Texten. 1968 folgte mit "Die Doppelhelix" eine etwas persönlichere Schilderung der Entdeckung der DNA-Struktur.

Erst dieser Buchtitel gab dem Watson-Crick-Modell der DNA den Namen Doppelhelix. Zugleich verschaffte das Buch Watson einiges Ansehen als Autor. Der Biochemiker hat bis dato acht Bücher vorgelegt, weitere sind in Arbeit.

Sehr viel Persönliches verrät Watson in seinem Buch "Gene, Girls und Gamow" von 2001. Darin schildert er die Jagd nach dem Gen-Code (dabei auch George Gamow, ein russisch-amerikanischer Physiker und Genetiker) und erzählt gleichzeitig offen von glücklosen Liebschaften.

"Honest Jim" - "der ehrliche Jim" - hieß dementsprechend das amerikanische Original der Ausstellung, die für das Charité-Museum übersetzt worden ist.

Entdecker der Doppenhelix: James D. Watson und Francis Crick im Jahre 1952.
Bei der Nobelpreis-Verleihung 1962. Fotos (3): Mediencenter Charité

Mit Fotografien und Manuskripten wird Watsons wissenschaftliche Karriere ebenso dargestellt wie seine ethisch umstrittene Einstellung zur Genomforschung. Als überzeugter Befürworter angewandter Gentechnik, bezog er gegen ethisch-moralische Bedenken immer wieder Position. Auch wichtige persönliche Ereignisse aus dem Leben des 76jährigen finden in der Ausstellung Raum.

Die Ausstellung im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité ist bis zum 20. Februar 2005 zu sehen. Eine englischsprachige Internetausstellung gibt es unter: http://library.cshl.edu/honestjim/

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