Ärzte Zeitung, 16.02.2005

Nach einer Mosaikplastik heilt der Knorpel gut

Daten von 96 Leistungssportlern bewertet / Die meisten trainieren nach der Therapie auf dem früheren Niveau weiter

BUDAPEST (ner). Leistungssportlern mit Knorpelschäden in verschiedenen Gelenken kann mit der Mosaikplastik rasch geholfen werden, meint Professor László Hangody aus Budapest. Die meisten Athleten könnten danach auf demselben Niveau weitertrainieren.

Hangody hat 1991 als erster die Mosaikplastik beschrieben. Dabei werden kleine Knochen-Knorpel-Zylinder von 4 bis 12 Millimeter Durchmesser und mit einer Länge von 15 bis 25 Millimeter aus nichttragenden Gelenkflächen gestanzt und sofort in den Knorpeldefekt verpflanzt. Der Eingriff erfolgt arthroskopisch oder durch eine Mini-Inzision. Nach etwa zwei bis drei Monaten sind die Knorpelstücke eingeheilt und die Entnahmestellen verwachsen.

Der ungarische Traumatologe hat gemeinsam mit Dr. Gábor K. Ráthonyi vom Uzsoko Hospital in Budapest 96 Leistungssportler mit Knorpelschäden im Knie (79 Athleten), im Talus (15 Athleten) und im Ellenbogen (zwei Athleten) per Mosaikplastik behandelt. 44 Prozent der Patienten wiesen zudem erste Zeichen einer Arthrose auf. Die meisten Patienten mit Läsionen im Knie unterzogen sich zugleich weiteren operativen Eingriffen wie Kreuzbandplastiken oder Osteotomien (Sportorthopädie.Sporttraumatologie 20, 2004, 159).

Nach einer durchschnittlich viermonatigen Behandlungsphase trainierten 67 der 96 Sportler nach Hangodys Angaben wieder auf dem gleichen Niveau wie vor der Operation. Die anderen reduzierten ihre sportliche Aktivität oder gaben den Sport ganz auf.

Auch nach durchschnittlich vierjähriger Nachbeobachtung ging es den meisten Sportlern gut, einige nahmen an nationalen und internationalen Wettkämpfen teil. Acht Prozent der Sportler klagten nach der Behandlung über eine Verschlechterung der Beschwerden.

Hangody folgert aus seinen Ergebnissen, daß selbst bei vorliegender Arthrose und relativ großen Knorpeldefekten von bis zu 5,5 cm2 die Mosaikplastik eine bewährte Therapieoption sei. Allerdings sei bei Sportlern die Inzidenz postoperativer Beschwerden an der Knorpel-Entnahmestelle mit sechs Prozent doppelt so hoch wie bei Nichtsportlern.

Als Grenzen der Methode werden in Deutschland Defektgrößen von 3 bis 4 cm2 angesehen. Bei größeren Schäden erfolgt die autologe Chondrozytentransplantation (ACT). Bei Kindern und Jugendlichen sowie bei kleinen Knorpelschäden ist auch die Mikrofrakturierung (wir berichteten) eine Option.

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