Ärzte Zeitung, 07.11.2008

"GKV muss sinnvolle Therapien bezahlen"

Als eine gute Möglichkeit, Patienten den Zugang zu innovativen Medikamenten zu ermöglichen und die ärztliche Therapiefreiheit zu sichern, sieht Dr. Stephan Kewenig vom Polikum Friedenau in Berlin den Abschluss integrierter Versorgungsverträge zwischen Ärzten, Kassen und Industrie. Am Polikum haben sich über 40 Ärzte verschiedener Fachrichtungen zusammengeschlossen. Der Kontakt zwischen Ärzten und Herstellern ist am Polikum dabei klar geregelt: Pharmareferenten haben nur zu einer Ärztekommission Zugang, nicht zum einzelnen Arzt. Später entschieden die Ärzte des Polikums gemeinsam, ob eine neue Arznei verordnet werden soll. In letzter Konsequenz bleibe es aber bei der Therapiefreiheit des Arztes. Gerechtfertigte Regressforderungen muss dieser aber selbst verantworten.

Erklärtes Ziel der Ärzte am Polikum sei es, künftig nur noch Wirkstoffe zu verordnen, so Kewenig. Dass Kassen sinnvolle Therapien aus Kostengründen nicht bezahlen, hält Kewenig für inakzeptabel. Dabei hätten es Ärzte als Einzelkämpfer schwer, ihr Recht auf Therapiefreiheit auch durchzusetzen. "Das kann die Einzelpraxis nur sehr viel schwieriger leisten als ein größerer Verbund", sagt Kewenig. In einem großen MVZ seien Ärzte besser vor Regressen geschützt.

Lesen Sie dazu auch:
Wie viele Fesseln erträgt die ärztliche Therapiefreiheit?
Ärzte fürchten um Qualität der Versorgung in der GKV
Innovationen und IGeL verbessern die Versorgung von Kassenpatienten
"Koalition hat Arbeit der Ärzte erleichtert"
"Krankheiten mit und ohne Lobby"
"Nur 50 Euro für Problempatienten"
"Druck macht Ärzten das Leben sauer"

Topics
Schlagworte
Arzneimittelpolitik (7260)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Diabetikern wird der HbA1c-Wert nicht oft genug kontrolliert

Eigentlich sollten Ärzte mindestens zweimal im Jahr den HbA1c-Wert bei Typ-2-Diabetikern bestimmen. Bei jedem vierten Patienten messen sie ihn aber nur einmal oder gar nicht. mehr »

Weg frei für GroKo-Gespräche und Nachverhandlungen

Es war eine Zitterpartie: Weniger als 60 Prozent der SPD-Delegierten auf dem Parteitag stimmten Gesprächen zur Bildung einer große Koalition zu. Nun soll weiterverhandelt werden – auch in Sachen Gesundheit. mehr »

Beunruhigend hohe Zahlen in der Altenpflege

Altenpflegekräfte fehlen fast doppelt so oft wegen psychischer Erkrankungen wie andere Beschäftigte, heißt es im länderübergreifenden Gesundheitsbericht für Berlin und Brandenburg. mehr »