Ärzte Zeitung, 31.05.2010

Rabattverträge bleiben, Innovationen werden neu geordnet

BERLIN (fst). Die Neuordnung des Arzneimittelmarktes nimmt Konturen an. In einem "Diskussionspapier" hat das Bundesgesundheitsministerium erstmals seine Reformpläne ausformuliert. Damit würde der Markt für Generika und patentgeschützte Arzneien zum Teil völlig neu geregelt:

  • Die herausragende Bedeutung der Rabattverträge im Generikamarkt wird nicht angetastet. Allerdings sollen bei künftigen Anpassungen der Festbeträge die Zuzahlungsbefreiungen berücksichtigt werden. Damit soll dem Drängen mittelständischer Hersteller Rechnung getragen werden, die vor einer Preisspirale nach unten warnen.
  • Neu geschaffen werden soll für Versicherte die Option, ein anderes als das rabattierte Arzneimittel in der Apotheke zu kaufen. Dabei müssen sie in Vorleistung treten, erhalten später von der Kasse die Kosten nur in Höhe des Preises für die Rabattarznei erstattet.
  • Kassen sollen beim Abschluss von Rabattverträgen vollständig dem Wettbewerbsrecht, also auch dem Kartellverbot, unterliegen. Ausgenommen vom Wettbewerbsrecht sind Selektivverträge, die Kassen schließen müssen, also zum Beispiel Hausarztverträge.
  • Weitgehend neu geregelt wird der Rechtsrahmen für patentgeschützte Arzneimittel. Künftig muss jedes erstattungsfähige Arzneimittel mit neuem Wirkstoff, das erstmals in Deutschland in Verkehr gebracht wurde, eine Nutzenbewertung durchlaufen. Dabei muss der Hersteller dem Gemeinsamen Bundesausschuss ein Dossier zu Nutzen und Kosten vorlegen. In einer Nutzenbewertung soll dann binnen drei Monaten entschieden werden, ob dieses Präparat einen Zusatznutzen im Vergleich zu anderen Präparaten hat. Ist das nicht der Fall, wird ein Festbetrag festgelegt. Ist ein Zusatznutzen belegt, müssen Hersteller binnen eines Jahres mit dem GKV-Spitzenverband einen Direktvertrag schließen.

Lesen Sie dazu auch:
Bonus-Malus, Zweitmeinung und Richtgrößen fallen
Schlechte Aussichten für Röslers Pläne
Röslers neues Verwirrspiel irritiert die schwarz-gelbe Koalition
Rabattverträge bleiben, Innovationen werden neu geordnet
Die PKV will auch ein Arzneimittel-Sparschwein haben

Lesen Sie dazu den Kommentar:
Gesundheitsreform als Parteipolitik

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »