Ärzte Zeitung, 21.01.2013

Modellprojekt im Norden

Diagnostikmobil statt Doc-Mobil

Seit fünf Jahren wird in Schleswig-Holstein über Arztbusse diskutiert. Jetzt soll tatsächlich ein solches Projekt beginnen - bloß etwas anders als zunächst gedacht.

Von Dirk Schnack

KIEL. Seit 2008 diskutiert man im Norden über ein Docmobil - nun soll es Realität werden. Allerdings wird aus dem Doc- wohl ein Diagnostikmobil. Denn der Arzt wird voraussichtlich getrennt von der Medizintechnik in die unterversorgten Regionen kommen.

Dies deutete sich auf der Konferenz Vernetzte Gesundheit in Kiel an, wo Ministerium und Ärzte aus der Modellregion Dithmarschen ihre Vorstellungen zum mobilen Einsatz von Ärzten erläuterten. Dass das Mobil nach langer Diskussion doch noch auf die Straße kommt, verdankt es wohl auch den fehlenden Alternativen.

Denn weder Delegation noch Zweigpraxen sind nach Ansicht von Burkhard Sawade, Netzvorstand im Medizinischen Qualitätsnetz Westküste (MQW), geeignet, die Probleme zu lösen.

Qualifizierte Fachkräfte, an die Ärzte delegieren könnten, gibt es nicht in ausreichender Zahl. Und gegen Zweigpraxen sprechen die Vorhaltekosten sowie die fehlende Zeit der Praxisinhaber.

Mobilität ist nichts Neues

Damit niedergelassene Ärzte dem Mobil zustimmen, müssen aus Sicht Sawades aber Bedingungen erfüllt sein. Dazu zählen feste Stundensätze für das Personal, keine Regresse und extrabudgetäre Bezahlung.

Sawade wie auch Dr. Renée Buck, Abteilungsleiterin im Kieler Gesundheitsministerium, können sich vorstellen, dass die Kommunen für die Behandlung und die Wartezeit Räume zur Verfügung stellen.

Qualitätsbedenken hält Buck nicht für gerechtfertigt. Sie verwies auf die hohe Qualität etwa von Notarzteinsätzen. Auch Netzvorstand Dr. Stefan Krüger sieht darin keine Hürde: "Mobilität ist im ärztlichen Bereich nichts Neues."

Dies funktioniere auch zum Beispiel beim Mammamobil. Krüger kann sich vorstellen, dass die niedergelassenen Ärzte der Region einen Dienstplan erstellen, der den Patienten einen ärztlichen Ansprechpartner ermöglicht.

Fest steht für die Ärzte, dass das Modell nicht länger abgelehnt werden darf: "Keine Lösung darf tabuisiert werden", sagte Sawade.

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