Ärzte Zeitung, 18.02.2015

Kommentar zu Krankschreibung

Ein abwegiger Vergleich

Von Helmut Laschet

Warum nehmen Norweger 4,7mal im Jahr einen Arzt in Anspruch, die Deutschen jedoch fast viermal so häufig? Obgleich Morbidität und Mortalität vergleichbar sind.

Dieser Frage sind Gesundheitsökonomen der Uni Magdeburg nachgegangen und haben - noch vor Veröffentlichung der kompletten Studie - eine öffentliche Debatte darüber ausgelöst, dass Patienten in Deutschland spätestens am dritten Krankheitstag eine AU-Bescheinung ihres Arztes vorlegen müssen, während sich der norwegische Patient für einen längeren Zeitraum selbst krankschreiben kann.

Was kann man daraus lernen? Eigentlich nichts! Denn mit Ausnahme der Agglomeration Oslo ist Norwegen ein riesiges, unwegiges Land mit extrem dünner Infrastruktur.

Das genaue Gegenteil von Deutschland mit einem im internationalen Vergleich überdurchschnittlich gut erreichbaren medizinischen Leistungsangebot.

Und vielleicht gehört es auch zur skandinavischen Tugend, Vertrauen in verantwortungsvoll handelnde Bürger zu praktizieren, schon allein deshalb, weil sie in hohem Maße auch auf Selbsthilfe angewiesen sind.

Auch das unterscheidet Norwegen von Deutschland, in dem der Bürger und mit ihm die Medien gern nach staatlicher Kontrolle rufen.

Lesen Sie dazu auch:
Magdeburger Studie: Hitzige Debatte um Krankmeldung entbrannt

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Blick ins Gehirn offenbart beste Therapie-Option

Einige Depressive sprechen besser auf Verhaltenstherapien an, andere auf Antidepressiva. Ein Blick ins Hirn per fMRT zeigt, welcher Ansatz den meisten Erfolg verspricht. mehr »

Ein steiniger Weg nach Deutschland

Ob geflohen vor Krieg oder eingewandert aus anderen Teilen der Welt: Wer als ausländischer Arzt in einer deutschen Klinik oder Praxis arbeiten will, muss Ausdauer haben – und gutes Deutsch können. mehr »

Milliarden für die Versicherten – Kassen bleiben skeptisch

Erster Aufschlag des neuen Gesundheitsministers: Jens Spahn will gesetzlich Versicherte per Gesetz entlasten. Aus Richtung Kassen weht scharfer Gegenwind. mehr »