Ärzte Zeitung online, 14.10.2013

Kommentar zur Boombranche Gesundheitswesen

Zwischen Freude und Frust

Die Gesundheitsbranche boomt, doch das muss nicht für alle zum Vorteil sein.

Von Christiane Badenberg

Die Zahl ist beeindruckend. Laut EU-Arbeitskräftemonitor haben 2012 eine Million Menschen im Gesundheitswesen einen neuen Job gefunden. Zwischen 2008 und 2012 lagen die Zuwachsraten in der EU durchschnittlich bei zwei Prozent. Das Gesundheitswesen - eine Boombranche.

Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Die alternde Gesellschaft, medizinischer Fortschritt, die Menschen investieren mehr in Vorsorge.

Der zuständige EU-Kommissar mahnt mehr Investitionen in die Ausbildung an - auch, weil in einigen Staaten 40 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitswesen zwischen 50 und 64 Jahre alt sind.

Im Prinzip ist die Entwicklung erfreulich, wenn es nicht immer noch große Unterschiede bei der Bezahlung und den Arbeitsbedingungen geben würde. Es macht wenig Sinn in Bulgarien, Polen oder Litauen mehr Pflegekräfte auszubilden, wenn es diese anschließend nach Westeuropa zieht.

Gesucht sind Strategien, wie die Westeuropäer ihren Bedarf an Pflegekräften wieder verstärkt selbst decken können. Gleichzeitig müssen die Bedingungen in den ärmeren Staaten so geändert werden, dass die Menschen von ihrer Arbeit anständig leben können.

Alles andere ist keine Perspektive, sondern für hilfsbedürftige Menschen vor ort ein Horrorszenario.

Lesen Sie dazu auch:
EU: Million neuer Jobs in Gesundheit und Pflege

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Nutzen Antibiotika bei Dentaleingriffen?

Patienten mit Herzklappen-Ersatz haben nach zahnärztlichen Eingriffen womöglich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Doch wie groß ist es und schützen Antibiotika? mehr »

"Die Haltung der Kassen ist irrational"

Die Vertragsärzte kauen schwer am schwachen Ergebnis der Honorarverhandlungen für 2018. Es sei fraglich, ob der aktuelle Mechanismus auf Dauer ein geeignetes Preisfindungsinstrument sei, so KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. mehr »

Medizin vor Ökonomie - Kodex soll Prioritäten klarmachen

Medizinische Fachgesellschaften treten gegen die Ökonomisierung der Medizin an – mit einem Kodex. mehr »