Ärzte Zeitung, 20.10.2010

PID - kein Kompass für den Gencheck in Sicht

Seit Jahren wird sie im Ausland praktiziert, in Deutschland dagegen galt die Präimplantationsdiagnostik (PID) als verboten. Ein anderslautendes Urteil des Bundesgerichtshofs hat das politische Berlin aufgescheucht. Jetzt rächt sich, dass der Gesetzgeber wiederholt um bioethische Grundsatzfragen einen weiten Bogen gemacht hat.

Von Florian Staeck

PID - kein Kompass für den Gencheck in Sicht

Abbildungen zur Embryonalentwicklung nach einer künstlichen Befruchtung: Wohin die Reise bei der PID künftig gehen soll, scheint auch die Politik noch nicht genau zu wissen.

© dpa

BERLIN. Die Glückwünsche zum 20-jährigen Geburtstag in der kommenden Woche dürften sich in Grenzen halten: Das Embryonenschutzgesetz, das der Bundestag am 24. Oktober 1990 verabschiedet hat, schien über Jahre hinweg "in Bronze gegossen", sagt Wolf-Michael Catenhusen, Mitglied des Deutschen Ethikrats. "Man traut sich nicht mehr, regelmäßig den Stand der Dinge zu reflektieren", sagte Catenhusen der dpa.

Die Richter am Bundesgerichtshof (BGH) haben das am 6. Juli 2010 schlagartig geändert. Das Gericht befand, dass ein Arzt, der eine Präimplantationsdiagnostik an pluripotenten Zellen im Zuge einer IvF vorgenommen hat, nicht gegen Wortlaut und Sinn des Embryonenschutzgesetzes verstoßen hat.

Das "‘Stehenlassen' der Embryonen mit positivem Befund (d. h. einer genetischen Auffälligkeit, die Red.) verletzt nicht das Verbot, einen extrakorporal erzeugten menschlichen Embryo zu einem nicht seiner Erhaltung dienenden Zweck zu verwenden".

Aus den Gesetzesmaterialien leitet der BGH lediglich ab, dass der Gesetzgeber die Zucht von Embryonen zu Forschungszwecken verbieten wollte. Die PID wurde erstmals 1991, also nach der Verabschiedung des Gesetzes, in Großbritannien etabliert.

"Die unlogische Diskrepanz zwischen den Möglichkeiten der Pränataldiagnostik und der Präimplantationsdiagnostik ist durch das Urteil des Bundesgerichtshofs endlich aufgehoben worden", kommentierte Bundesärztekammer-Präsident Professor Jörg-Dietrich Hoppe erfreut.

Das Urteil schaffe Rechtssicherheit für Ärzte und betroffene Eltern. Allerdings müsse die Koalition schleunigst das Embryonenschutzgesetz "nachbessern", so Hoppe.

BÄK will "Matrix" für ein Gesetz erarbeiten

Das Urteil löste im politischen Berlin hektische Betriebsamkeit aus. Denn mit "Nachbessern" ist es nicht getan. Das Embryonenschutzgesetz von 1990 bildet ebenso wie das Gendiagnostikgesetz oder die Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch und zur künstlichen Befruchtung nur eine "Gesetzesinsel" - ein übergreifendes Fortpflanzungsmedizin-Gesetz fehlt.

Deshalb votiert die Bundesärztekammer auch für ein Moratorium bei der Anwendung der PID. "Wir wollen Zeit gewinnen", sagte BÄK-Vize Dr. Frank Ulrich Montgomery der "Ärzte Zeitung", "um eine Matrix für ein Fortpflanzungsmedizin-Gesetz zu entwickeln, an der sich die Politik dann abarbeiten kann". Er warnte vor einer "weiteren inkonsistenten Regelung nur für die PID".

Wissenschaftliche Expertise leistet den Politikern dabei nur begrenzte Hilfe. Die frühere Enquete-Kommission "Recht und Ethik der modernen Medizin" empfahl im Mai 2002 mit einer Mehrheit von 16 gegen drei Stimmen, "die PID in Deutschland nicht zuzulassen".

Kaum ein Jahr später votierte der Nationale Ethikrat mit 15 zu 7 Stimmen für die "eng begrenzte Zulassung der PID". Einen Katalog von Ausnahmen benennt der Ethikrat nicht.

"Ausnahmsweise" erlaubt sein solle die PID für Paare, "die ein hohes Risiko tragen, ein Kind mit einer schweren und nicht-wirksam therapierbaren genetisch bedingten Erkrankung oder Behinderung zu bekommen" und die beim Austragen des Kindes "in einen existenziellen Konflikt" geraten würden.

Außerdem soll die PID gestattet sein für Paare, die "ein hohes Risiko tragen, eine Chromosomenstörung zu vererben, die dazu führt, dass der Embryo das Stadium der extra-uterinen Lebensfähigkeit nicht erreichen würde". Kürzlich hat auch das Nachfolgegremium, der Deutsche Ethikrat, angekündigt, bis Sommer 2011 eine Expertise zum Thema PID vorzulegen.

Kritiker dieser Diagnostik warnen, dass die PID - einmal zugelassen - nicht mehr einzugrenzen ist. Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung (TAB) beim Deutschen Bundestag hat bereits 2004 in einer Studie die Etablierung der PID in mehreren Ländern untersucht.

Fazit: Unabhängig von der jeweiligen nationalen Regulierung wird "mit jeder neuen medizinischen Option zum Einsatz der PID die Frage der Sinnhaftigkeit und Legitimität einer Einschränkung erneut gestellt", schreibt das TAB.

Über 100 Indikationen stehen auf der Liste

Ein Beispiel ist Großbritannien, wo mittlerweile ein Katalog von über 100 Indikationen - von Adrenoleukodystrophie bis Zystische Fibrose - bei der zuständigen Human Fertility and Embryology Authority (HFEA) existiert.

Die Behörde entscheidet, für welche Indikation, die "ein signifikantes Risiko für eine schwere genetische Erkrankung oder Störung" bedeutet, die PID zugelassen wird. Ihre Zahl hat ständig zugenommen, zehn weitere Indikationen stehen auf der Begutachtungsliste der HFEA.

Allerdings: Von einer uferlosen Ausweitung der PID kann nach Angaben der Behörde keine Rede sein: Im Jahr 2007 wurde bei 169 Patientinnen eine PID vorgenommen - bei über 37 000 künstlichen Befruchtungen. Die Zahl der PID nahm von 65 (im Jahr 2000) auf 125 (2002) zu und erreichte 2004 den Höchststand von 285.

Montgomery hält Potenzial der PID für überschätzt

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Ärzte Zeitung, Redaktion Gesundheitspolitik
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E-Mail: gp@aerztezeitung.de
Faxnummer: 06102/506266

Diese Daten sind Wasser auf die Mühlen der FDP. In einem fraktionsintern noch nicht abgestimmten Arbeitspapier der Liberalen, das der "Ärzte Zeitung" vorliegt, erwägen die Abgeordneten drei Regelungsoptionen: Erstens die Entwicklung eines Katalogs von Indikationen für die PID-Anwendung durch die Bundesärztekammer.

Zweitens könnte die Entscheidung über Einpflanzung oder Verwerfen des Embryos nach "eingehender Beratung" allein den Paaren überlassen werden. Dritte Option laut FDP wäre eine Rechtsverordnung, in der zugelassene Anwendungsfälle für die PID vom Ministerium bestimmt werden.

Die Bundesärztekammer lehnt einen Indikationenkatalog ab. BÄK-Vize Dr. Frank Ulrich Montgomery warnt vor einer Überschätzung des Potenzials der PID durch betroffene Paare. Bei den Tests ergäbe sich "eine Unzahl von Diagnosen, die einen Graubereich darstellen", so Montgomery.

Selten könne man vorhersagen, wie ausgeprägt eine Erkrankung später sein werde. Frauen würden mit den Testergebnissen alleingelassen und sich im Zweifel gegen den Embryo entscheiden, fürchtet Montgomery.

Zudem habe sich das Behandlungsspektrum bei vielen Erkrankungen im Laufe der Zeit stark verändert. Eine Regelungsoption für die PID sieht der BÄK-Vize nur in "Einzelfallentscheidungen". Diesen müssten viele Gespräche mit den Betroffenen und die Einschaltung von Ethikkommissionen vorausgehen.

Lesen Sie dazu auch:
PID: Untersuchungen mit PCR und Gensonden

[25.10.2010, 14:09:24]
Denis Nößler 
Stellungnahme von Prof. Dr. med. Volker von Loewenich
Per E-Mail erreichte uns diese Stellungnahme von Prof. Dr. med. Volker von Loewenich, dem ehemaliger Leiter der Abteilung für Neonatologie am Uniklinikum Frankfurt am Main:

Die BÄK liegt sicher richtig, wenn sie die Aufstellung eines Indikationskataloges für die PID ablehnt. Die medizinischen Kenntnisse mehren sich viel zu schnell, als dass ein Katalog einigermassen angemessen aktualisiert werden könnte. Es kann auch nicht per Katalog festgelegt werden, was von genetisch bedingten Gesundheitsstörungen bedrohte Paare ertragen könne oder nicht, bzw. richtiger: ertragen zu können glauben. Ferner erscheinen immer wieder neue Therapiemöglichkeiten, die in einem solchen Katalog nicht rechtzeitig berücksichtigt werden könnten.
Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) hat bereits 2002 ein Positionspapier zur PID herausgebracht, das als pdf über die website der DAKJ allgemein zugänglich ist. In diesem Papier wird die PID aus pädiatrischer Sicht mit Vorsicht befürwortet. Wesentlich dabei ist die Forderung, daß vor jeder einzelnen PID eine Beratung stattfinden soll, bei der pädiatrischer Sachverstand einzubeziehen ist. Damit kann der immer wieder vorgetragenen Sorge, die PID könne unverantwortbar ausgedehnt, unsinnig eingesetzt oder sogar missbraucht werden, wirksam gesteuert werden. Es gibt hierfür inzwischen ein Beispiel: Die Einbeziehung pädiatrischer Kompetenz in die obligatorische Beratung im Rahmen der Pränataldiagnostik (PND) hat auf Initiative der DAKJ bereits eine gesetzliche Grundlage erhalten: § 2 a des Gesetzes zur Änderung des Schwangerschaftskonfliktgesetzes schreibt seit dem 1. Januar 2010 eben dies vor. Von sich spät manifestierenden Gesundheitsstörungen abgesehen liegen nur in der Kinder- und Jugendmedizin Erfahrungen vor mit der Schwere der zur Debatte stehenden Gesundheitsstörungen, mit deren Prognose und auch mit eventuellen Therapiemöglichkeiten. Nur mit diesem aus eigenem Tun erworbenen Erfahrungs-Hintergrund ist eine fundierte Beratung möglich, die vor nicht zu rechtfertigenden Entscheidungen im Rahmen der PID wirksam schützen kann.
Prof. Dr.med. Volker von Loewenich, Frankfurt a.M.
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[21.10.2010, 13:34:58]
Denis Nößler 
Stellungnahme von Dr. Gunter Pollanz
Per E-Mail erreichte uns folgende Stellungnahme von Dr. Gunter Pollanz:

Die Diskussion um medizinische Ethik in den 80er Jahren war die Triebfeder für das Embryonenschutzgesetz und begleitende Gesetze. Ziel war der Schutz des Bürgers, aber auch der Schutz der Gesellschaft. Die vorsichtigen, wenngleich für eine Änderung der PID Gesetzeslage votierenden Ausführungen der Spitzenrepräsentanten der BÄK sind nur zu unterstützten. Wenn selbst der Ethik-Rat hier zu neuen Überlegungen rät, dann soll dies in professioneller, öffentlich geführten Diskussion erarbeitet werden.

Einzubeziehen sind in diese neuen Überlegungen jedoch auch Veränderungen im Informations- und Kommunikationsumfeld, dem heute jeder Bürger ausgesetzt ist. 1990, dem Jahr in dem das Embryonenschutzgesetz im Bundestag ratifiziert wurde, war das geklonte Schaf ‚Dolly‘ (1996) noch nicht geboren. Doch die Zeit nach ‚Dolly‘ hat die Welt wieder einmal verändert. Es war die Zeit vor Google, Wikipedia, Facebook und Twitter. Heute kann sich jedoch jeder Bürger informieren – auch über seine Chancen, über PID Bestimmung Gewissheit zu erfahren. Allein die Eingabe von ‚Präimplantationsdiagnostik‘ in Google erzeugt binnen 0,06 Sekunden mehr als 1 Million Hits.

Die Kommunikationsexplosion, gepaart mit einer weltweiten Mobilität von Menschen, bringt heute Bürger in unseren Einflussbereich, die von Gegenden stammen, die über Jahrhunderte, bedingt durch deren Isolation, genetisch bedingte Krankheiten mit sich tragen, die vorherbestimmt zu Missbildungen bei Kindern führen können. Diese Menschen haben ein Recht durch Anwendung von PID prüfen zu lassen, ob Gefahr für Ihre Kinder besteht. In vielen Ländern (UK, USA, Israel, andere) konnten Gen-Marker für spezifische Bevölkerungsgruppen identifiziert werden, die auf eine hohe Wahrscheinlichkeit von Missbildungen hinweisen, insbesondere wenn sich Paare aus derselben Bevölkerungsgruppe ein gemeinsames Kind wünschen. Neue Techniken erlauben es nun, diese Marker aus einer Eizelle oder dem frühen Embryo zu entfernen. Wollen wir wirklich diesen Menschen die Option verweigern, durch kontrollierte Gen- und PID Bestimmung gesunde Kinder zu gebären und die Gefahren für Ihre Kinder und Kindeskinder zu vermeiden?

Die weltweite Kommunikation und Mobilität öffnet diesen Menschen die Möglichkeit, mit geringen Aufwand das Land zu wechseln und PID Bestimmungen dort vornehmen zu lassen, wo dies erlaubt ist. Die internationale Gesetzeslage stellt solch eine Ortswechsel nicht unter Strafe. Wir erinnern uns, dass noch vor weniger als 15 Jahren Irland seine Frauen, die zu einem Schwangerschaftsabbruch nach England oder Holland reisten, strafrechtlich verfolgten. Das kann nicht unser Ziel sein – in Zukunft sollen auch deutsche Bürger die Möglichkeit haben, Gen-Tests zur Bestimmung möglicher, das Embryo schädigenden, ‚Marker‘ im eigenen Land erstellen zu lassen. Hier endet die humanistische Schutzfunktion die sich der Staat angeeignet hat.

Viel wichtiger erscheint mir in dieser Diskussion, dass die zu erstellenden Gen-Tests einem rigorosen Patienten-Daten-Schutz unterworfen werden um zu verhindern, dass die genetischen Daten der Großeltern, Eltern, Kinder und Enkel im Rahmen der Kommunikationsvorgänge im Gesundheitswesen fahrlässig Dritten zugängig gemacht werden, was dazu führen könnte, dass z.B. eine Generationenreihe von Familienmitgliedern keine Lebens- oder erweiterte Krankenversicherung abschließen könnten. Arbeitgeber, die diese Informationen fahrlässig oder bewusst manipuliert bekämen, würden solche Bürger nicht anstellen und ganze Berufsgruppen würden diesen Personen verschlossen bleiben.

In der Diskussion um die EPA in der Hand des Patienten werden derzeit Diskussionen mit Vertretern der deutschen Ärzteverbände geführt. Wie kann und soll man mit dem Dilemma umgehen, nach dem ein Bürger selbstverständlich Kenntnis haben sollte, ob er genetische Gefahrenmomente mit sich trägt und zugleich der Schutz nach fahrlässiger oder bewusster Manipulation ausgeschaltet wird? Wenn wir dieses Thema nicht in den Griff bekommen, haben wir in wenigen Jahrzehnten eine Gesellschaft, die fordern wird, ‚genetische Schadkörper‘ von ihr fern zu halten.

Dies greift schon heute in die tägliche Arbeit der Ärzte ein. Ärztevertreter formulieren die Gefahr des ‚genetischen Verrates‘ schon wenn die Frage gestellt wird, ob in Deiner Familie Fälle von Schizophrenie, Krebs oder anderen Erbkrankheiten aufgetreten sind. Wie weit dies geht zeigt die kürzlich erstellte statistischen Befragung von Schulanfängern, in dem 6-jährige gefragt wurden, welche (Erb-) Krankheiten es in der Familie gibt? Natürlich plauderten diese Kinder, im Eifer dem neuen Lehrer zu gefallen, alles aus was es in der Familie so gibt: Krebs, Schizophrenie, der noch gar nicht so alte Opa mit Alzheimer, etc. Und diese Daten versinken im Moloch der staatlichen Statistik oder werden im Gesundheitsbogen der Schule verwahrt. Wer glaubt wohl, dass diese in den Schulen oder auf den Servern des Staates sicher liegen? Wer hat Zugriff? Wer gibt uns die Sicherheit, dass unser Staatssystem auf Immer so demokratisch bleibt? Ein Beispiel stellt die in den Jahren 33/34 mit der damals neuen Hollerith-Lochkarten-Technik (IBM) vorgenommenen statistische Aufarbeitung der Daten des Bevölkerungszensus von Bismark und des zweiten Zensus aus den 20er Jahren. Die neue Regierung wusste binnen einem Jahr, wer in der Bevölkerung ‚wertvoll‘ und wer ‚unwert‘ ist. Gen-Daten würden dieser Gedankenwelt, die auch in modernen Demokratien immer wieder aufgezeigt werden, eine neue Dimension der ‚Wertigkeit‘ repräsentieren. Selbst das Verfassungsgericht argumentiert hierzu: Wehret den Anfängen, keine Daten beim Staat! Auch der ‚Medizinische Dienst‘ könnte heute diese Informationen unwissentlich in einer Weise verwenden, die den Status des Patienten und aller dessen Angehörigen massiven Schaden bereiten könnten. Es ist das Schutzbedürfnis des Patienten auf Nicht-Veröffentlichung solcher Daten, das hier primär zu diskutieren ist, nicht aber das Recht des Patienten auf Information.

Ob die Lösung der Installation eines hoch-sicheren, in der Hand des Bürgers liegenden und nur gemeinsam mit einem vom Patienten bestimmten ‚Trustee-Arzt‘ zu öffnenden ‚Daten Tresor‘ die endgültige Lösung für die Aufbewahrung von hoch-sensiblen Gesundheitsdaten eines Patienten ist, wird derzeit zwischen Vertretern des BMG, der Selbstverwaltung, des Fraunhofer Instituts, der Ärzteschaft und Anbietern von Patientendaten-Speicher-Systemen in der Hand des Patienten diskutiert. Neue Technologien werden in Zukunft neue, noch bessere Schutzmechanismen anbieten. Doch ein Prinzip, basierend auf dem verfassungsrechtlich verfügten Recht des Bürgers auf seine Daten, wird und muss erhalten bleiben: Sensible Daten haben beim Bürger zu liegen und dürfen niemals innerhalb der täglich aufrufbaren Gesundheits-Kommunikation gespeichert werden. Ärzte, Krankenhäuser und Gesundheitsorganisationen dürfen niemals Kenntnis von diesen Daten erlangen, es sei denn, der Patient legt diese freiwillig, gemeinsam mit seinem Trustee-Arzt, offen. Dieses Verfahren stärkt die Position des Vertrauensarztes des Patienten und erlaubt diesem, dem Patienten die Folgen einer Offenlegung zu erläutern. Wer wüsste es besser denn der Arzt, was mit diesen Daten alles angestellte werden könnte. Danach liegt die ultimative Entscheidung beim Patienten. Es muss aber auch eine neue Gesetzesregelung erarbeitet werden, der jene Institute, die Gen-Test und PID Untersuchungen durchführen, explizit und unter Strafandrohung verpflichtet, diese Testergebnisse nur und ausschließlich dem betroffenen Bürger (Patienten) auszuhändigen.

Dr. Gunter Pollanz zum Beitrag »
[20.10.2010, 19:33:15]
Dr. Nabil Deeb 
Bei der Präimplantationsdiagnostik ( P I D ) müssen die medizinischen Indikationen und die Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg berücksichtigt werden . !





In the pre-implantation diagnosis ( P I D ) , the medical indications and the decisions of the European Court of Human Rights (ECHR) in Strasbourg are considered.!


Die Präimplantationsdiagnostik up2date in userer Wissensgesellschaft .!

Preimplantation genetic diagnosis up2date in our knowledge society !



Nabil DEEB
Arzt – Physician – Doctor
PMI-Registered Doctors'Association
53140 Bonn / GERMANY



Die Präimplantationsdiagnostik zur Entdeckung schwerergenetischer Schäden des extrakorporal erzeugten Embryos ist bis heute noch nicht strafbar in unsrem Rechtsstaat .


CGH , Comparative Genomic Hybridisation :

Die CGH - Comparative Genomic Hybridisation (vergleichende genomische Hybridisierung) - ist eine Methode um genetische Veränderungen festzustellen. Sie erlaubt es numerische Unterschiede, Deletionen und Amplifikationen einzelner Chromosomen oder Chromosomenabschnitte festzustellen und ist daher als Screeningmethode geeignet.

Durch vergleichende Hybridisierung verschiedenfarbig markierter Genome auf eine Kontrollmetaphase können genomische Imbalancen zwischen zwei Genomen detektiert werden. Deletionen und Amplifikationen werden durch Unter- bzw. Überrepräsentation einer Hybridisierungssonde auf den betreffenden Chromosomenregionen sichtbar.

Die CGH bedient sich der in situ Hybridisierung mit Painting-Sonden, die ein spezifisches Chromosom in seiner Gesamtheit markieren, und ist eine Sonderform des reverse painting.

Hierbei wird die komplette genomische DNA als Hybridisierungssonde verwendet. Auf diese Weise können in einem einzigen Hybridisierungsvorgang alle Veränderungen innerhalb eines Genoms detektiert werden, die mit einem Zugewinn oder Verlust von DNA-Sequenzen einhergehen.


Einsatzgebiete der „ CGH „ Comparative Genomic Hybridisation :-

Die CGH wird eingesetzt bei Tumoren, wo sich nach der Kultivierung keine keine Metaphasen finden, oder bei Fällen, wo nur Zugewinne und Verluste interessant sind (für solide Tumoren).

Weiters ist der Einsatz der CGH für Paraffinpräparate interessant, wenn z.B. bei einem Elternpaar der Verdacht auf eine balanzierte Translokation besteht, aber alle Aborti der Frau bereits in Paraffin eingebettet sind. In diesen Fällen ist vom Paraffin nachträglich eine CGH möglich .


Verschiedene Entwicklungen in der Reproduktionsmedizin streben die Verbesserung der Effizienz und die Reduktion der Behandlungsbelastung an. Dazu gehören unter anderem die Herstellung von lang wirksamem FSH, die Polkörperdiagnostik und die Identifizierung von Faktoren, welche die Implantationsfähigkeit des Endometriums optimieren.

Die Kryokonservierung von Ovarialgewebe ermöglicht die Erhaltung der Fertilität bei Tumorpatientinnen.


Die neue Technologie in Array-CGH testet alle 23 Chromosomenpaare in der Zelle, und nicht nur eine begrenzte Anzahl .


Polkörperdiagnostik (PKD ) :-

Die Polkörperdiagnostik (PKD) ist eine Untersuchung, die Rückschlüsse auf das Erbgut der mütterlichen Eizelle erlaubt.

Ähnlich wie bei der Präimplantationsdiagnostik (PID) können mit der Polkörperdiagnostik Fehlverteilungen von Chromosomen auf mütterlicher Seite und Anlagen für bestimmte erbliche Erkrankungen mit großer Wahrscheinlichkeit festgestellt oder ausgeschlossen werden.


Der erste Polkörper wird noch vor dem Eisprung, der zweite sechs Stunden nach dem Eindringen des Spermiums von der Eizelle ausgestoßen. Die Polkörper enthalten eine Kopie des mütterlichen Erbguts. Eine Analyse der Polkörper erlaubt deshalb indirekt Schlüsse, ob das Erbgut der Eizelle intakt ist .


Risiken ?
Risiken dieser Untersuchung sind nicht bekannt.

Nachteilig ist, dass durch dieses Verfahren nur Rückschlüsse auf das mütterliche Erbmaterial möglich sind. Außerdem kann nur indirekt auf das in der Eizelle verbelibende Erbmaterial geschlossen werden. Die Analyse anderer genetischer Veränderungen ist nur bedingt möglich .

Die PKD ermöglicht keine Untersuchung des väterlichen Erbguts.


Polkörperdiagnostik (PKD) ist eine Methode zur indirekten genetischen Analyse von Eizellen. Polkörper sind Nebenprodukte des meiotischen Zellzykluses.

Die Biopsie der Polkörper kann durch mechanisches Zonadrilling oder durch laserassistierte Zonaeröffnung .



Die Präimplantationsdiagnostik zur Entdeckung schwerergenetischer Schäden des extrakorporal erzeugten Embryos ist bis heute noch nicht strafbar in unsrem Rechtsstaat . :-


Im Hinblick auf die Gefahrenlage und dem Wunsch seiner Patienten entsprechend führte ein Berliner Gynäkologe ( = Angeklagter !! ) jeweils eine sog. Präimplantationsdiagnostik (im Folgenden: PID) an pluripotenten, d.h. nicht zu einem lebensfähigen Organismus entwicklungsfähigen Zellen durch. Die Untersuchung diente dem Zweck, nur Embryonen ohne genetische Anomalien übertragen zu können. Dies geschah in allen Fällen. Embryonen mit festgestellten Chromosomenanomalien wurden hingegen nicht weiter kultiviert und starben in der Folge ab.



Bei der Präimplantationsdiagnostik ( P I D ) müssen die medizinischen Indikationen und die Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg berücksichtigt werden .


Der 5. (“Leipziger”) Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat das freisprechende Urteil des Landgerichts bestätigt und die Revision der Staatsanwaltschaft demgemäß verworfen. Der Senat ist in Übereinstimmung mit dem Landgericht zu der Auffassung gelangt, dass der Angeklagte §1 Abs. 1 Nr. 2 ESchG (missbräuchliche Anwendung von Fortpflanzungstechniken) und §2 Abs. 1 ESchG (missbräuchliche Verwendung menschlicher Embryonen) nicht verletzt hat.

Aus den genannten Strafbestimmungen kann nicht mit der im Strafrecht erforderlichen Bestimmtheit (Art. 103 Abs. 2 GG) ein Verbot der bei Erlass des Embryonenschutzgesetzes im Jahr 1990 erst im Ausland entwickelten PID abgeleitet werden, die den Embryo nach derzeitigem medizinisch-naturwissenschaftlichem Kenntnisstand überdies nicht schädigt. Das Vorgehen des Angeklagten verstößt weder gegen den Wortlaut noch gegen den Sinn des Gesetzes. Dem bei jeder Gesetzesauslegung zu würdigenden Willen des historischen Gesetzgebers lässt sich ein Verbot einer solchen PID, die der Gesetzgeber nicht ausdrücklich berücksichtigt hat, nicht entnehmen.

Dem mit dem Gesetz verfolgten Zweck des Schutzes von Embryonen vor Missbräuchen läuft die PID nicht zuwider. Das Embryonenschutzgesetz erlaubt die extrakorporale Befruchtung zur Herbeiführung einer Schwangerschaft ohne weitere Einschränkungen. Ein strafbewehrtes Gebot, Embryonen auch bei genetischen Belastungen der Eltern ohne Untersuchung zu übertragen, birgt hohe Risiken in sich; vor allem ist zu besorgen, dass sich die Schwangere im weiteren Verlauf nach einer ärztlicherseits angezeigten und mit denselben Diagnosemethoden durchgeführten Pränataldiagnostik, hinsichtlich derer eine ärztliche Aufklärungspflicht besteht, für einen Schwangerschaftsabbruch entscheidet. Die PID ist geeignet, solch schwerwiegende Gefahren zu vermindern. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass der Gesetzgeber sie verboten hätte, wenn sie bei Erlass des Embryonenschutzgesetzes schon zur Verfügung gestanden hätte. Dagegen spricht auch eine Wertentscheidung, die der Gesetzgeber in § 3 Satz 2 des Embryonenschutzgesetzes getroffen hat. Dort ist eine Ausnahme vom Verbot der Geschlechtswahl durch Verwendung ausgewählter Samenzellen normiert worden. Mit dieser Regelung ist der aus dem Risiko einer geschlechtsgebundenen Erbkrankheit des Kindes resultierenden Konfliktlage der Eltern Rechnung getragen worden, die letztlich in einen Schwangerschaftsabbruch einmünden kann. Eine gleichgelagerte Konfliktlage hat in den zu beurteilenden Fällen bestanden.

Der Bundesgerichtshof hat betont, dass Gegenstand seiner Entscheidung nur die Untersuchung von Zellen auf schwerwiegende genetische Schäden zur Verminderung der genannten Gefahren im Rahmen der PID sei. Einer unbegrenzten Selektion von Embryonen anhand genetischer Merkmale, etwa die Auswahl von Embryonen, um die Geburt einer “Wunschtochter” oder eines “Wunschsohnes” herbeizuführen, wäre damit nicht der Weg geöffnet.


Aus BGH – Urteil – Begründung Nr . 29 :

Die durch den Senat vorgenommene Interpretation führt nicht zur Zulässigkeit einer "unbegrenzten Selektion anhand genetischer Merkmale" (vgl. Middel aaO S. 45 m.w.N.). Entscheidungsgegenstand ist der Wille zur Durchführung der Untersuchung auf schwerwiegende genetische Schäden zur Verminderung der genannten gewichtigen Gefahren im Rahmen der PID. Diese Zwecksetzung stellt keine die Strafbarkeit begründende Alternativabsicht dar. Beispielsweise für die Absicht der Selektion von Embryonen zum Zwecke der Geschlechtswahl gilt dies aber nicht. Die Geschlechtswahl wird vom Embryonenschutzgesetz - ausgenommen die in § 3 Satz 2 ESchG bezeichneten Fälle - eindeutig verurteilt (§ 3 Satz 1 ESchG). Dies muss auf die Auslegung des § 1 Abs. 1 Nr. 2 ESchG durchschlagen. Entsprechendes gälte etwa für eine gezielte Zeugung von Embryonen mit bestimmten Immunitätsmustern (vgl. Kaiser aaO Einf Rdn. A 199; Steinke/Rahner aaO S. 30). Ob angesichts der Wertung des - nicht auf die PID anwendbaren (siehe oben) - § 15 Abs. 2 GenDG das Gleiche für die Absicht gälte, genetische Eigenschaften des Embryos für eine Erkrankung festzustellen, die nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft und Technik erst nach Vollendung des 18. Lebensjahres ausbricht, hat der Senat nicht zu entscheiden. Dies lässt unberührt, dass eine eindeutige gesetzliche Regelung der Materie wünschenswert wäre.



Aus BGH Urteil – Begründung Nr . 34:

Mit dem Verbot des § 2 Abs. 1 ESchG wollte der Gesetzgeber ausweislich der amtlichen Überschrift der missbräuchlichen Verwendung von Embryonen entgegenwirken. Die Vorschrift soll gewährleisten, dass "menschliches Leben grundsätzlich nicht zum Objekt fremdnütziger Zwecke gemacht werden darf" (Regierungsentwurf aaO S. 10). Vorrangig gedacht war an die Embryonenforschung (vgl. Kabinettsbericht aaO S. 8 unter lit. c; siehe auch den Vorschlag des Bundesrates unter Nr. 4a und die Stellungnahme der Bundesregierung hierzu in Regierungsentwurf aaO S. 14, 18). Ferner sollte die Abspaltung totipotenter Zellen zum Zweck der Diagnostik untersagt werden, "weil sich eine Schädigung des nach der Abspaltung verbleibenden und zum Embryo-Transfer bestimmten Embryos bisher nicht mit Sicherheit ausschließen" lasse (vgl. Kabinettsbericht aaO S. 8 unter lit. d; ähnlich Regierungsentwurf aaO S. 11 f.). Vergl. ; BGH - Urteil vom 6. Juli 2010 – 5 StR 386/09 .


Zur Information :

§ 1 Abs1 Nr. 2 ESCHG lautet:

(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer .es unternimmt, eine Eizelle zu einem anderen Zweck künstlich zu befruchten, als eine Schwangerschaft der Frau herbeizuführen, von der die Eizelle stammt, …
§ 2 Abs.1 ESchG lautet:
(1) Wer einen extrakorporal erzeugten oder einer Frau vor Abschluss seiner Einnistung in der Gebärmutter entnommenen menschlichen Embryo veräußert oder zu einem nicht seiner Erhaltung dienenden Zweck abgibt, erwirbt oder verwendet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft .


Die Präimplantationsdiagnostik up2date in userer Wissensgesellschaft !!!

Preimplantation genetic diagnosis up2date in our knowledge society !

up2date diagnostic génétique préimplantatoire dans la société les connaissances des utilisateurs !

Preimplantatorisk genetisk diagnostik up2date i användarnas kunskapssamhället !

Preimplantation genetisk diagnose up2date i brukerens kunnskapssamfunn !


Bei der Präimplantationsdiagnostik müssen die medizinischen Indikationen und die Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg berücksichtigt werden .

In the pre-implantation diagnosis, the medical indications and the decisions of the European Court of Human Rights (ECHR) in Strasbourg are considered..

Dans le diagnostic pré-implantatoire, les indications médicales et les décisions de la Cour européenne des droits de l'homme (CEDH) à Strasbourg sont considérées.

I preimplantatorisk diagnostik, är de medicinska indikationer och besluten från Europeiska domstolen för mänskliga rättigheter (ECHR) i Strasbourg beaktas.

I pre-implantasjon diagnose, er de medisinske indikasjoner og avgjørelser fra Den europeiske menneskerettighetsdomstolen (EMD) i Strasbourg vurdert .



Literatur beim Verfasser



Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Ihr

Nabil DEEB
Arzt – Physician – Doctor

PMI-Ärzteverein e.V.
Palästinamedico International Ärzteverein – ( P M I ) e.V.
Palestine Medico International Doctors Association ( P.M.I.) registered association .

Department of Medical Research
Département de la recherche médicale

P.O. Box 20 10 53
53140 Bonn – Bad Godesberg / GERMANY

&

Nabil DEEB
Arzt – Physician – Doctor

PMI-Ärzteverein e.V.
Palästinamedico International Ärzteverein – ( P M I ) e.V.
Palestine Medico International Doctors Association ( P.M.I.) registered association

Department of Medical Research
Département de la recherche médicale

P.O. Box 10 01 35
53439 Bad Neuenahr / GERMANY

e.mail: doctor.nabil.deeb.pmi.germany@googlemail.com

or

e.mail: doctor.nabilabdulkadirdeeb@googlemail.com
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