Ärzte Zeitung online, 14.08.2017

Trauma-Bewältigung

Flüchtlinge: Selbsthilfe per App

Das Programm Help@APP für traumatisierte Geflüchtete wird im Rahmen des Innovationsfonds gefördert.

LEIPZIG. Die Entwicklung und Evaluation einer Selbsthilfe-App für traumatisierte Flüchtlinge wird mit 925.000 Euro aus dem Innovationsfonds gefördert. Das teilt die Universität Leipzig mit, deren Forscher die arabischsprachige App aktuell entwickeln. Sie soll bei der Bewältigung von traumatischen Kriegs- und Fluchterfahrungen helfen und bei positiver Wirkung 2020 für digitale Geräte kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.

Die verhaltenstherapie-basierte, interaktive App ist aus mehreren Modulen aufgebaut: Die zentralen Inhalte stellen die Bewältigung von psychischen Problemen und der Umgang mit Trauma-Auslösern dar. Mit Selbsttests sollen die Betroffenen eine spezifische Rückmeldung auf ihre jeweilige individuelle Problemkonstellation erhalten. "Die Selbsthilfe-App ist für den Nutzer jederzeit und an jedem Ort individuell verfügbar und kann damit ein gutes zusätzliches Angebot zur medizinischen Grundversorgung darstellen", hofft Projektkoordinator Dr. Tobias Luck vom Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP) der Medizinischen Fakultät Leipzig.

Dazu gibt die App Informationen und Empfehlungen zu professioneller Hilfe im deutschen Versorgungssystem – etwa Notfallnummern und Anlaufstellen. Nach der Entwicklung der Inhalte soll die Wirksamkeit der Selbsthilfe-App in einer randomisiert-kontrollierten Studie mit syrischen Geflüchteten überprüft werden. Das Gemeinschaftsprojekt "Help@APP – Entwicklung und Evaluation einer Selbsthilfe-App für traumatisierte syrische Geflüchtete in Deutschland" ist bis 2020 angelegt.

Die App-Entwicklung erfolgt in der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, die Evaluation wird vom ISAP gemacht. Die Leipziger Einrichtungen arbeiten mit dem Institut für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung in Hamburg unter Leitung von Professor Hans-Helmut König zusammen. (jk)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Hunde im MRT hygienischer als bärtige Männer

Ist es hygienisch, Hunde in MRT-Scanner zu legen, mit denen primär Menschen untersucht werden? Ja, legt eine Studie nahe: Bärtige Männer bergen höhere Kontaminationsrisiken. mehr »

Starke Konzentration wird im Fall Valsartan zum Klumpenrisiko

Noch ist die Risikobewertung im Fall Valsartan nicht abgeschlossen. Aber der Vorgang zeigt die Risiken der starken Marktkonzentration. mehr »

Die Gesundheit der Bombenkinder

Seit Jahrzehnten berichten viele Hibakusha – so nennt Japan seine Atombombenopfer – regelmäßig vor Schülern und Interessierten aus dem In- und Ausland von dem Grauen, das sie und ihre Angehörigen erlebten. mehr »