Kommentar zum Upcoding

Die Spitze des Eisbergs?

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:

Die Unschuldsvermutung gilt auch für die gesetzlichen Krankenkassen. Nicht jeder statistische Ausreißer in den von den Kassen an das Bundesversicherungsamt übermittelten Datensätzen deutet auf ein Vergehen hin.

Das lässt sich am Beispiel der Betriebskrankenkasse ablesen, die 2009 von einem Jahr auf das andere bei Herzinfarkten einen Anstieg um 280 Prozent verzeichnete, in absoluten Zahlen von fünf auf 19. Die Mitglieder sind halt älter geworden.

Für einen dauerhaften Freispruch der Kassen reicht diese Anekdote nicht. Immerhin hat die Aufsichtsbehörde im Jahr 2010 massive Verstöße gegen die Regel festgestellt, Diagnosen der Ärzte nicht mehr anzufassen, bevor sie dem BVA übermittelt werden.

Diese Regel ist keine Schikane. Der Morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich enthält Anreize, an den Diagnosen zu drehen. Eine der 80 Krankheiten auf der Morbi-RSA-Liste kann einer Kasse mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds einbringen. Sie kann aber auch zur Unterdeckung führen, wenn Komorbiditäten im Spiel sind.

Es ist also trotz aller Dementis aus Kassenkreisen noch nicht ausgemacht, ob die Aufsicht in den Daten der folgenden Jahre nicht weitere Versuche von RSA-Datenoptimierungen nachweisen wird.

Lesen Sie dazu auch: Morbi-RSA: Haben Kassen Patienten "kränker" gemacht?

Schlagworte:
Mehr zum Thema

Kommentar zu Forderungen der Liberalen

FDP vor der Wende? Diesmal eher nicht

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Wo lang im Gesundheitswesen? Der SVR Gesundheit und Pflege empfiehlt mehr Richtungspfeile für alle Akteure.

© StefanieBaum / stock.adobe.com

Sachverständigenrat Gesundheit und Pflege

Gesundheitsweise empfehlen Primärversorgung für alle – und Quotierung der Weiterbildung

„Wenn die Politik Wissenschaftlern sagen würde, wir wollen dieses oder jenes Ergebnis, ist das Propaganda.“ Klaus Überla – hier im Treppenhaus seines Instituts – über Einmischungen aus der Politik.

© Patty Varasano für die Ärzte Zeitung

Interview

STIKO-Chef Überla: RSV-Empfehlung kommt wohl bis Sommer

Dr. Iris Dötsch Fachärztin für Innere Medizin, Diabetologin und Ernährungsmedizinerin hat die Hauptstadtdiabetologinnen, eines neues Netzwerk für Frauen in der Diabetologie, gegründet.

© snyGGG / stock.adobe.com

Hauptstadtdiabetologinnen

Ein Netzwerk für Diabetologinnen