Ärzte Zeitung online, 04.09.2019

1. Halbjahr 2019

Krankenkassen fahren sattes Minus ein

Rote Zahlen hat die GKV im ersten Halbjahr 2019 geschrieben. Während Bundesgesundheitsminister Spahn sich darüber erfreut zeigt, sehen Kassenvertreter die Entwicklung eher skeptisch.

Von Florian Staeck

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Das Finanzergebnis der GKV dreht sich ins Minus: Politisch gewollt ist, dass einige Kassen ihre hohen Reserven abbauen.

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BERLIN. Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) hat das erste Halbjahr mit einem Defizit von 544 Millionen Euro geschlossen. Das teilte das Bundesgesundheitsministerium (BMG) am Mittwoch mit.

Im gleichen Vorjahreszeitraum stand noch ein Überschuss von rund 720 Millionen Euro in der Bilanz (siehe nachfolgende Grafik).

Doch dass die Finanzergebnisse ins Minus drehen, hat nicht nur mit dem politisch erwünschten Abbau von hohen Finanzreserven bei einigen Kassen zu tun. Obwohl die Einnahmen der Kassen weiter von einer robusten Konjunktur getragen werden und um 3,6 Prozent gestiegen sind, zogen die Ausgaben mit 4,7 Prozent deutlich stärker an.

Beeinflusst wurde die Einnahmeentwicklung auch durch den um 0,1 Punkte gesunkenen durchschnittlichen Zusatzbeitrag, der im Juli genau 0,99 Prozent betrug.

Aus Sicht von Ressortchef Jens Spahn (CDU) zeigen die Kassenzahlen „in die richtige Richtung“, da nunmehr Leistungsverbesserungen bei den Versicherten ankämen – namentlich durch das Pflegepersonalstärkungs- und das Terminservicegesetz (TSVG).

AOK erwartet weitere Kostenschübe

Bei Kassenvertretern hört sich die Interpretation der Zahlen anders an. Für Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbands geben die Ausgabenanstiege einen Vorgeschmack auf die künftige Entwicklung.

Er erwartet im zweiten Halbjahr weitere Kostenschübe vor allem bei Heilmitteln. Hintergrund ist auch die wiederum politisch gewollte bessere Vergütung für die Therapeuten. Mit GKV-weit fast 13 Prozent fiel der Ausgabenanstieg quer durch alle Kassenarten überdurchschnittlich stark aus.

Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Verbands der Ersatzkassen (vdek), verlangte ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung bei Arzneimitteln. Denn von neuen Medikamenten gehe eine „starke Kostendynamik“ aus. Tatsächlich variiert die Veränderungsrate für Arznei- und Verbandmittel je nach Kassenart beträchtlich: Sie reicht von plus 3,3 Prozent (AOK-System) bis 8,3 Prozent (Innungskrankenkassen).

Groß ist die Spanne auch bei der Entwicklung der Ärztehonorare im ersten Halbjahr. Bei den Ortskassen beträgt der Zuwachs nur 1,4 Prozent, bei den Ersatzkassen hingegen 4,9 Prozent. Im Schnitt aller 109 Kassen legten die Ausgaben für die ärztliche Behandlung um 3,96 Prozent zu.

20,9 Milliarden Euro an Kassen-Reserven

Die Finanzreserven der Kassen werden aktuell mit 20,8 Milliarden Euro angegeben, 700 Millionen Euro mehr als zur Halbjahresbilanz 2018. Der Gesundheitsfonds schloss das erste Halbjahr mit einer Liquiditätsreserve von 9,7 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es 9,1 Milliarden Euro gewesen (siehe nachfolgende Grafik).

Im Oktober wird sich der Schätzerkreis beim Bundesversicherungsamt mit der zu erwartenden Finanzentwicklung 2020 beschäftigen. Die Ergebnisse des Expertenkreises bilden dann die Basis für die Festlegung des durchschnittlichen Zusatzbeitrags im kommenden Jahr. Diese erfolgt zum 1. November durch das Bundesgesundheitsministeriums.

Lesen Sie dazu auch:
Defizit: Wofür die Kassen mehr Geld ausgaben

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