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Ärzte Zeitung, 22.07.2012

Jetzt wird nach schärferen Kontrollen gerufen

GÖTTINGEN (dpa). Im Skandal um mögliche Manipulationen bei Organtransplantationen wird der Ruf nach besseren Kontrollen lauter. Mehrere Politiker forderten am Wochenende ein Vier-Augen-Prinzip bei der Übermittlung von Daten.

"Ich verfolge die Idee, dass ein Laborarzt die Daten, die Eurotransplant geschickt werden, noch einmal prüfen sollte", sagte der Chef der Ständigen Kommission Organtransplantation, Professor Hans Lilie, der "Welt" (Samstagsausgabe).

Für ein Vier-Augen-Prinzip sprach sich auch der ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Essen und Mitglied des Ethikrates, Professer Eckhard Nagel aus. Er schlug vor, weniger Transplantationszentren zu haben, die besser überprüfbar seien.

Auch der Ärztliche Direktor von Eurotransplant, Dr. Axel Rahmel, forderte im "heute-journal" des ZDF schärfere Kontrollen.

Der Präsident der Organvermittlungsstelle Eurotransplant, Professor Bruno Meiser, befürwortete stichprobenartige Kontrollen der Transplantationszentren. "Jedes postmortal gespendete Organ ist einmalig, ein Akt der Nächstenliebe über den Tod des Spenders hinaus", sagte Meiser der "Welt am Sonntag". "Mit diesem kostbaren Gut müssen wir nach höchsten ethischen Grundsätzen umgehen."

Windhorst gegen Vier-Augen-Prinzip

Gegen ein Vier-Augen-Prinzip wandte sich hingegen der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Theodor Windhorst. "Das ist für manche Entscheidungen nicht günstig und praktisch auch nicht immer machbar", sagte er der "Welt". Windhorst ist als Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer auch Mitglied der Kommission Organtransplantation.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) rief dazu auf, sich in Sachen Organspenden nicht von den Skandal-Vorwürfen abschrecken zu lassen. "Ich appelliere an die Bürger, aus den Vorwürfen keine voreiligen Schlüsse zu ziehen", sagte er der "Welt am Sonntag". "Die Organspende rettet Leben."

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig erwartet mehrmonatige Ermittlungsarbeiten in dem Skandal.

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