Ärzte Zeitung online, 29.05.2018

Erster Hybrid

Sauberer Rettungswagen trotz(t) Diesel-Fahrverbot

Zwar sind Rettungswagen in der Regel von drohenden Diesel-Fahrverboten ausgenommen. Warum sollten sie nicht dennoch sauberer werden? Magdeburger Ingenieure haben nun den ersten Hybrid-Rettungswagen gezimmert.

Von Matthias Wallenfels

Sauberer Rettungswagen – Erstes Hybrid-Modell am Start

Der Magdeburger Hybrid-Rettungswagen soll bald in die Serienproduktion gehen.

© Ambulanz Mobile GmbH & Co. KG

MAGDEBURG. Hamburg macht am Donnerstag Ernst: In einem Teilbereich Altonas müssen Dieselmotoren, die der Euro-Norm 6 nicht genügen, draußen bleiben. Den Weg für Diesel-Fahrverbote hatte das Bundesverwaltungsgericht Ende Februar freigemacht. Wie berichtet, trifft das auch Arztpraxen beziehungsweise deren Patienten, die nur über entsprechend alte Fahrzeuge verfügen.

Für Rettungsdienste und Kliniken besteht in puncto Rettungswagen derzeit eigentlich kein Handlungsdruck, diese sind von den Diesel-Fahrverboten regelhaft ausgenommen. Trotzdem trieb Ingenieure des Maschinenbaus und der Verfahrenstechnik der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg die Frage um, ob sie nicht die Nuss knacken und einen Rettungswagen (RTW) mit Hybridantrieb entwickeln könnten.

Kooperation mit RTW-Spezialisten

Im Rahmen einer Kooperation mit dem Schönebecker Unternehmen Ambulanz Mobile wird der hybride Antrieb nach Universitätsangaben durch eine Kombination aus Dieselmotor im Frontbereich und einem an der Hinterachse liegenden Elektromotor realisiert.

Zusätzliche Batteriebänke versorgen demnach den Elektromotor mit ausreichend Energie. Damit könne der Anwender sowohl mit dem herkömmlichen Antrieb als auch rein elektrisch fahren.

Der elektrische Antrieb besitze eine Leistung von 60 kW. Damit sei das System in der Lage, den Krankentransportwagen auf 90 Stundenkilometer zu beschleunigen. Die Maximalgeschwindigkeit könne, wie es heißt, je nach Kundenwunsch oder Einsatzzweck konfiguriert werden.

Die maximale Reichweite des Elektroantriebs liege bei 70 Kilometern – und ist damit für den Regelbetrieb nur im E-Modus recht begrenzt. Ein Prototyp des Hybrid-RTW wurde dem Fachpublikum im Mai in Fulda bei der RETT, der internationalen Leitmesse für Rettung und Mobilität, präsentiert.

Kein Neuland für Ingenieure

Die Ingenieure der Magdeburger Uni haben mit dem Hybrid-RTW kein Neuland betreten, da sie bereits an verschiedenen Projekten im Bereich Fahrzeugaufbauten bei Krankentransportwagen, Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeugen beteiligt gewesen waren.

"Noch sind achsverzweigte Hybride eher selten. Die mechanische Entkopplung des Antriebsstranges stellte die größte Herausforderung bei der Entwicklung des E-Drive-Moduls dar", verdeutlicht der Ingenieur Gerd Wagenhaus vom Institut für Arbeitswissenschaft, Fabrikautomatisierung und Fabrikbetrieb der Universität Magdeburg.

"Dadurch ist eine exakte Auslegung des Elektroantriebs möglich geworden, geeignet für verschiedene Einsatzszenarien im intralogistischen Bereich, also zum Beispiel Kliniktransporte, sowie im Überlandtransport", ergänzt Wagenhaus.

"Bisher gibt es seitens der Hersteller von Basisfahrzeugen im Bereich Krankentransportwagen noch keine Hybridfahrzeuge. Diese Lücke wollen wir schließen, unsere Kunden sollen im Klinikbereich wie auch auf längeren Krankentransporten emissionsfrei unterwegs sein können", erläutert Hans-Jürgen Schwarz, Geschäftsführer von Ambulanz Mobile. Eine Serienzulassung des Prototyps sei geplant.

Fördergelder aus EU-Töpfen

Die Arbeiten entstanden im Rahmen des Verbundprojektes "COMO – Competence in Mobility", das mit Geldern des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Sachsen-Anhalt gefördert wird.

Wie eine Umfrage der "Ärzte Zeitung" bei Klinikbetreibern im Vorfeld des "Nationalen Forums Diesel" im August vergangenen Jahres ergab, feilen Klinikkonzerne als Alternative zu Diesel-Mobilen an E-Strategien – soweit dies geht.

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