Ärzte Zeitung, 25.09.2012

Kommentar zum Demenz-Programm

Unerledigte Hausaufgaben

Von Christoph Fuhr

Die pflegenden Angehörigen von Demenzpatienten tragen die Hauptlast der Betreuung, es ist sinnvoll, dass immer wieder neue Modelle erprobt werden, um sie effizient zu unterstützen. Hier kann das vom GKV-Spitzenverband finanzierte "Entlastungsprogramm bei Demenz" in der NRW-Region Minden-Lübbecke eine wichtige Wegmarke setzen.

Bei allem Respekt vor diesen Bemühungen wird allerdings allzu oft eine Gruppe von Patienten übersehen, bei denen pflegende Angehörige ohne Bedeutung bleiben, weil es sie gar nicht gibt. Immer mehr Demenzkranke leben allein zu Hause, isoliert, ohne Freunde und Bekannte.

Wer signalisiert hier wem, dass Handlungsbedarf besteht, weil die Krankheit zunehmend fortschreitet? Eine immense Herausforderung für die Zukunft, der sich auch Kommunen nicht entziehen dürfen.

Wie können Hilfskonzepte für diese Menschen aussehen? Auf die Solidarität von Nachbarn bauen, auf Polizei, Feuerwehr, Bank- oder Supermarktangestellte? Der Aufbau von Versorgungsstrukturen steckt in den Kinderschuhen, und wieder einmal bleibt das schale Gefühl, dass die Politik Hausaufgaben auf die lange Bank schiebt, die längst hätten erledigt werden müssen.

Lesen Sie dazu auch:
Demenz: Beratung soll Angehörige entlasten

Topics
Schlagworte
Pflege (5071)
Demenz (1959)
Krankheiten
Demenz (3185)
Personen
Christoph Fuhr (396)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Blick ins Gehirn offenbart beste Therapie-Option

Einige Depressive sprechen besser auf Verhaltenstherapien an, andere auf Antidepressiva. Ein Blick ins Hirn per fMRT zeigt, welcher Ansatz den meisten Erfolg verspricht. mehr »

Ein steiniger Weg nach Deutschland

Ob geflohen vor Krieg oder eingewandert aus anderen Teilen der Welt: Wer als ausländischer Arzt in einer deutschen Klinik oder Praxis arbeiten will, muss Ausdauer haben – und gutes Deutsch können. mehr »

Milliarden für die Versicherten – Kassen bleiben skeptisch

Erster Aufschlag des neuen Gesundheitsministers: Jens Spahn will gesetzlich Versicherte per Gesetz entlasten. Aus Richtung Kassen weht scharfer Gegenwind. mehr »