Ärzte Zeitung online, 03.06.2016

Neues Zentrum in Bochum

Im Kampf gegen HIV, Syphilis & Co

Anlaufstelle für Menschen mit sexuell übertragbaren Krankheiten will das Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin in Bochum sein. Ihre Versorgung sei häufig unzureichend.

Von Ilse Schlingensiepen

BOCHUM. In Bochum wollen Ärzte gemeinsam mit Partnern aus dem Gesundheits- und Sozialwesen die Versorgung von Patienten mit sexuell übertragbaren Krankheiten (STI) verbessern. Das neue Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin bietet einen niedrigschwelligen Zugang zu Aufklärung, Diagnose und Therapie. Das Bundesgesundheitsministerium sieht die neue Einrichtung als Modell und finanziert für drei Jahre die wissenschaftliche Begleitung.

Das Zentrum, das unter dem Motto "Walk In Ruhr" arbeitet, ist am Elisabeth-Hospital des Katholischen Klinikums Bochum (KKB) angesiedelt und befindet sich im Zentrum der Ruhrgebietsstadt. "Wir haben beschlossen, in die Stadt zu gehen, damit wir das Tabu brechen können", sagte der Medizinische Geschäftsführer der KKB Dr. Christoph Hanefeld bei der Eröffnung.

Zwar habe in den vergangenen Jahren das Thema HIV und Aids im Fokus der Öffentlichkeit und der medizinischen Versorgung gestanden, die anderen sexuell übertragbaren Krankheiten seien aber trotz ihrer Bedeutung immer noch tabuisiert.

Kooperation mit niedergelassenen Ärzten

In dem Bochumer Zentrum arbeiten Ärzte, Pflegekräfte, Sozialarbeiter, Psychologen und speziell ausgebildete Berater zusammen. Beteiligt sind die Interdisziplinäre Immunologische Ambulanz der Universitätshautklinik im St. Josef Hospital, die Aidshilfe Bochum, das Gesundheitsamt Bochum, pro Familia sowie die Organisationen Rosa Strippe und Madonna. Das Zentrum arbeitet mit den niedergelassenen Haus- und Fachärzten der Region zusammen.

Mit seinem interdisziplinären Ansatz passe die Einrichtung genau in die neue Strategie der Bundesregierung zum Thema HIV/Aids und SIT, sagte Ines Perea, Referatsleiterin im Bundesgesundheitsministerium. "Sexuell übertragbare Infektionen kann man nur bedarfsorientiert, integriert und systemübergreifend angehen." Die wissenschaftliche Begleitung solle zeigen, welchen Mehrwert der Ansatz bringt und ob und wie er sich auf andere Regionen übertragen lässt. "Alles unter ein Dach zu bringen ist eine hervorragende Leistung", lobte Perea.

In der Versorgung von Patienten mit STI gibt es erhebliche Versorgungsdefizite, betonte Professor Norbert Brockmeyer, der Ärztliche Leiter des Zentrums. Zum einen würden gerade junge Menschen häufig nicht durch die diagnostischen und therapeutischen Angebote erreicht. Auch Sexarbeiter und Männer, die Sex mit anderen Männern hätten, benötigten zielgerichtete Angebote. "Zudem sehen wir bei den Ärzten einen riesigen Fortbildungsbedarf", sagte Brockmeyer, der Präsident der Deutschen STI-Gesellschaft ist. Deshalb haben die Initiatoren ein Curriculum für Ärzte erarbeitet.

Das Zentrum Sexuelle Gesundheit und Medizin wird mit aufsuchenden Angeboten und speziell ausgebildeten Fachkräften, sogenannten Health Advisors, arbeiten, kündigte er an. "Wir bieten nicht nur neue Quantitäten, sondern eine neue Qualität."

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