Ärzte Zeitung online, 23.06.2018

Prävention

Sicheres Fundament für die Frühen Hilfen

BERLIN. Mit der Gründung der Bundesstiftung Frühe Hilfen im Oktober 2017 und deren Finanzausstattung mit 51 Millionen Euro jährlich ist nun eine dauerhaft gesicherte Grundlage dafür geschaffen, dass Frauen und Familien in sozialen und psychischen Problemlagen frühzeitig nach der Geburt ihres Kindes umfassende Unterstützung etwa durch einen Babylotsen erhalten. Das Projekt wurde am Freitag im Vivantes-Klinikum Berlin-Neukölln von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und der Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (beide SPD) vorgestellt.

Damit handelt es sich nicht um ein befristetes Projekt, sondern um die dauerhafte Einrichtung eines Netzwerks präventiver, medizinischer und sozialer Leistungen durch Babylotsen. Derzeit existieren bereits 50 solcher Anlaufstellen an Schwerpunktkliniken wie etwa in Neukölln.

Das Ziel sei es, so Giffey und Kolat, an jedem Krankenhaus mit Geburtshilfe Anlaufstellen für Mütter in Problemlagen zu schaffen, das wären bundesweit mehr als 170. Getragen und fachlich unterstützt wird die Stiftung vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und dem Deutschen Jugendinstitut.

Um die Existenz der Anlaufstellen bekannt zum machen, investiert der Bund eine Million Euro in eine Informationskampagne, in Berlin beispielsweise großflächige Werbung auf den Stadtbussen. Allein damit werden 700.000 Menschen monatlich erreicht.

Mehr als 500 Frauen in Neukölln beraten

Als "Erfolgsmodell" bezeichnete Gesundheitssenatorin Kolat die Frühen Hilfen. Allein im Klinikum Neukölln seien in den vergangenen Monaten mehr als 500 Frauen beraten worden. Babylotsen können schon vor der Geburt angefordert werden und stehen im Bedarfsfall nach der Geburt für eine sozialmedizinische Betreuung durch geschulte Fachkräfte zur Verfügung.

Der Berliner Senat fördert Babylotsen in diesem Jahr mit 750.000 Euro, von 2019 an mit dann dauerhaft 1,5 Millionen Euro. Das Ziel ist, dass von 2020 an grundsätzlich jede schwangere Frau ein Beratungsgespräch angeboten bekommt, derzeit ist dies noch auf soziale Problemgruppen konzentriert.

Frühe Hilfen bringt zwei Systeme zusammen, so die Präsidentin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzGA), Heidrun Thaiss: medizinische Leistungen des Gesundheitssystems und die Kinder- und Jugendhilfe. Von der BzGA werden auch thematische Schwerpunkte gesetzt, gegenwärtig ist dies die Aufklärung über die Folgen des Schüttelns. (HL)

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