Ärzte Zeitung online, 18.12.2018

Nach heftigen Protesten

Neuer Gesprächsanlauf zur Psychotherapie

Die Regierung nimmt die Kritik der Psychotherapeuten am Terminservice- und Versorgungsgesetz auf. Und verweist zugleich: Der Protest gegen eine „gestufte Versorgung“ sei verfrüht.

BERLIN. Man sehe die Proteste und Sorgen, die damit verbunden seien, hieß es am Dienstagnachmittag aus Regierungskreisen. Im Januar werde es zu Gesprächen kommen, bei denen Vertreter aller Positionen dazu an einem Tisch sitzen sollen, wurde angekündigt.

Die Proteste der Psychotherapeutenverbände und die Botschaft von knapp 200.000 Zeichnern einer Petition gegen den Gesetzentwurf, hat man in der Koalition zur Kenntnis genommen. Sie seien aber verfrüht, hieß es am Dienstag. Was unter der „gestuften Steuerung der Versorgung“ zu verstehen sei, müsse laut Gesetzentwurf ja erst vom Gemeinsamen Bundesausschuss festgelegt werden.

Wörtlich heißt es im Entwurf: „Er (der GBA, d. Red.) hat Regelungen für eine gestufte und gesteuerte Versorgung für die psychotherapeutische Behandlung einschließlich der Anforderungen an die Qualifikation der für die Behandlungssteuerung verantwortlichen Vertragsärzte und psychologischen Psychotherapeuten zu treffen.“

Bei den Verbänden der Psychotherapeuten hat diese Formulierung die Sorge ausgelöst, der Zugang zur Versorgung solle von vorgeschalteten Gutachtern erschwert werden. Mit der Einführung der psychotherapeutischen Sprechstunde gebe es bereits ein ausreichendes Steuerungsinstrument, argumentierte der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer Dr. Dietrich Munz.

Der Sachverständigenrat (SVR) habe in seinem aktuellen Gutachten, veröffentlicht im Juli 2018, die Notwendigkeit einer besseren Koordination und Steuerung in der psychotherapeutischen und psychosomatisch-psychiatrischen Versorgung beschrieben, argumentiert dagegen die Regierung. Der SVR hatte vorgeschlagen, der Hausarzt solle eine entscheidende Rolle bei der Steuerung in die psychotherapeutische Versorgung spielen. Das sei derzeit aber nicht geplant, hieß es dazu am Dienstagnachmittag.

Die psychotherapeutische Sprechstunde habe bereits Entlastung gebracht, aber es gebe immer noch nicht die Steuerung für diejenigen, die schnell Behandlung brauchten. Mit Interesse werde ein vom Innovationsfonds gefördertes Projekt der KV Nordrhein zur besseren Steuerung in die psychotherapeutische Versorgung verfolgt. Dort gebe es einen vorgeschalteten „Koordinator“, der die Aufgabe übernehme, Patienten in die richtige Behandlungsebene zu steuern. Die Verbände der Psychotherapeuten seien daran beteiligt. (af)

Lesen Sie dazu auch:
TSVG: Psychotherapeuten werfen der Koalition Diskriminierung vor

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