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Ärzte Zeitung, 31.07.2014

Praxisalltag

In Thüringen tickt die Uhr anders

Mehr Patienten als im Bundesvergleich verzeichnen niedergelassene Ärzte in Thüringen. Auch bei anderen Kennziffern des Ärztemonitors zeigen sich Besonderheiten: So delegieren Ärzte etwa überdurchschnittlich häufig Aufgaben.

Von Robert Büssow

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Tickt nicht anders: Rostbratwurst aus Thüringen.

© Alexandra Schuler / dpa

WEIMAR. Thüringens Ärzte arbeiten mehr als im Bundesdurchschnitt - und sie haben auch noch Spaß dabei. Der Befund des aktuellen Ärztemonitors zeigt im deutschlandweiten Vergleich gravierende Unterschiede bei der Arbeitsbelastung.

Der Umfrage zufolge behandeln niedergelassene Ärzte in Thüringen am Tag 47 Patienten, Hausärzte rund 58. Der bundesweite Schnitt liegt bei 40 Patienten. Auch bei Hausbesuchen liegen Thüringens Ärzte mit vier Stunden pro Woche deutlich über dem Bundesmittel von 2,8 Stunden.

Trotz des hohen Aufwands sind laut Ärztemonitor neun von zehn Thüringer Ärzten mit ihrer Arbeit zufrieden. Damit sind sie nicht unzufriedener als Kollegen in anderen Bundesländern - 94 Prozent sagen: "Meine Arbeit macht mir Spaß."

Allerdings gehen die Ärzte in Thüringen auch offener mit dem Thema Delegation um: Mehr als die Hälfte der Niedergelassenen überträgt nicht-ärztliche Leistungen wie Medikations- und Wundmanagement an Praxisassistentinnen - bei Hausärzten sind es 69 Prozent.

Das liegt weit über dem Bundesdurchschnitt von 41 Prozent. Auch mit Hausbesuchen, bei denen nicht-ärztliche Leistungen anfallen, werden in Thüringen deutlich häufiger Praxisassistenten betraut.

KV-Chefin Annette Rommel findet das Ergebnis nicht selbstverständlich: "Entgegen mancher Klischees denken unsere Ärzte nicht vordergründig an sich, sondern vor allem an das Wohl ihrer Patienten." Sie wünsche sich deshalb mehr Unterstützung und Würdigung durch Politik und Gesellschaft. Etwa indem Landes- und Kommunalpolitik stärker bei der Niederlassung behilflich sind.

Das könnte bitter nötig sein. Denn etwa jeder vierte Praxisinhaber plant laut Umfrage in den nächsten fünf Jahren seinen Ruhestand. Rund 64 Prozent der betroffenen Ärzte gehen deshalb selbst aktiv auf die Suche nach einem Nachfolger. Bundesweit sind es nur 48 Prozent.

Die Entscheidung vieler Ärzte für die Arbeit in einem Medizinischen Versorgungszentrum dürfte laut Ärztemonitor für manche ernüchternd enden: Dort müssen Ärzte mit im Schnitt 7,5 Stunden pro Woche nur eine halbe Stunde weniger für Verwaltungsaufgaben aufbringen als in der Niederlassung. Die Anstellung erspart Ärzten also nicht die Büroarbeit.

Wenig geändert hat sich der Ost-West-Unterschied auch bei Privatpatienten und individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL). Sie spielen in Thüringen noch immer eine untergeordnete Rolle. Der Anteil erreicht nur 9,6 Prozent des Umsatzes, etwa halb so viel wie im Bundesvergleich.

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