Ärzte Zeitung online, 10.10.2018

Intersektorale Gesundheitszentren

Ambulante Versorgung 2.0

Ein Kommentar von Wolfgang van den Bergh

vdb

Schreiben Sie dem Autor vdb@springer.com

sie sollen eine Art Scharnier zwischen Klinik und Praxis bilden: intersektorale Gesundheitszentren, die heute noch als defizitäre Klein-Krankenhäuser ihr Leben fristen und am Tropf mancher Kommune hängen.

Die KBV findet ihre Idee toll und hat sie von Gesundheitsökonomen der Uni Bayreuth und der Oberender AG durchrechnen lassen. Am Ende kam man auf über 70 Häuser, für die ein solches Projekt infrage käme.

Das sind Krankenhäuser mit 51 bis 150 Betten, die mit den Schwerpunkten allgemeinmedizinische, internistische und chirurgische Grundversorgung ausgestattet werden sollen.

Facharztstandard ist Pflicht! Nur ein Teil der Betten soll den Patienten dienen, die nach kleineren Eingriffen bis zu 72 Stunden eine Rund-um-Versorgung benötigen. Das klingt plausibel, womit der Druck auf die DKG steigen wird.

Deren Argument, die KBV fordere immer nur die Schließung von Häusern, ist mit dem Gutachten widerlegt. Das Problem ist nur, eine "erweiterte ambulante Versorgung" (EAV) steht rechtlich, politisch und honorartechnisch auf sehr wackeligen Füßen. Will heißen: Da sind noch dicke Bretter zu bohren.

Lesen Sie dazu auch:
KBV-Idee: Landarztpraxen als Zentren mit Bettenstation?
Studie Uni Bayreuth: So könnte die Medizinversorgung auf dem Land künftig aussehen

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[25.11.2018, 06:30:25]
Thomas Horn 
Praxiskliniken sind IGZ
[–] Praxiskliniken sind IGZ
Dr. med. Thomas Horn - 22.10.2018 05:06 - 5
Anästhesiologie
Das “Oberender-Gutachten“ versteht sich als differenziertes Gutachten über die Möglichkeiten, kleine Krankenhäuser in peripher ländlichen Gebieten in tragfähige Gesundheitszentren zu überführen. Der Schwerpunkt, den Erhalt der Versorgung der Bevölkerung als Ziel in den Vordergrund zu stellen, ist begrüßenswert.

Das GA benutzt für die zu entstehenden Gesundheitszentren den Begriff „IGS“-intersektorale Gesundheitszentren.

Versorgungstechnisch seien diese zu betrachten als eine erweiterte ambulante Versorgung.

Diese Begriffe zeigen die Schwierigkeiten, wenn es darum geht, Versorgungsstrukturen zu bezeichnen, die die Sektorengrenzen überwunden haben.

„Intersektoral“ – also zwischen den Sektoren?- scheint als Begriff nicht geeignet. Sektorverbindend wäre da schon zutreffender.

Erweiterte ambulante Versorgung – „EAV“- das sind Einrichtungen, in denen Patienten über Nacht betreut werden und nach Schilderung im GA übertrifft diese Versorgung den „Hotelstandard“. Es handelt sich somit mitnichten um eine ambulante Versorgungseinrichtung, sondern um eine stationäre (Urteil des BSG 2004: https://lexetius.com2004,2455; https://aerzteblatt.de/archiv/46386). Die Meinung des BVA zu einer Übernachtung von > drei Tagen wäre zu diesem Thema ebenfalls wichtig.

Betriebswirtschaftlich wurde das GA bereits anderenorts „betrachtet“ : (https://www.aend.de/forum/topic/96786#893878)

Letztendlich beschreibt das Gutachten das Modell der Praxisklinik: ambulante und stationäre Versorgung durch Vertragsärzte, allerdings ohne die hohen Qualitätskriterien zu übernehmen, denen sich PK unterworfen haben.

Da sollten die Gutachter den Mut haben, diese Versorgungszentren auch Praxiskliniken zu nennen.

Praxiskliniken sind keineswegs, wie es das GA beschreibt, fachlich begrenzt auf Anästhesisten und Operateure, sind keineswegs ausschließlich OP-Zentren mit angeschlossener Bettenstation (s.a. http://www.potolidis.de/; https://pkgev.de/praxisklinik/praxisklinik-kardiologie/)

Kein Zweifel, die große Zahl von PK, wie sie in der Deutschen Praxisklinikgesellschaft vereinigt sind, sind amb./stat. OP-Zentren. Dies hat seine Ursachen einerseits in der Profession der Gründer der PKG, andererseits v.a. in den finanziellen Rahmenbedingungen (IV-Verträge), die für die in der PK angebotenen Leistungen bestehen und die eine wichtige Finanzierungsgrundlage für PK darstellen. Also genau so, wie es das GA auch für das eigene Model des IGZ beschreibt.

Nachdem PK bereits i SGB V verankert sind, wäre es – wenn der politische Wille vorhanden wäre – ein Leichtes, durch Einführung einer Schiedsamtregelung, in den §122 Bewegung in das Thema zu bringen.

Wie die PK sind auch die IGZ, wie sie im GA genannt werden, abhängig vom politischen Willen und der Finanzierung durch die KK.

Der Leistungskatalog der PK wurde der GKV- Spitzenverband vor Jahren vorgelegt auf einer Vergütungsgrundlage DRG-X, wie es auch das Oberender-GA vorsieht. Der GKV-Spitzenverband bearbeitet diesen Leistungskatalog aber seit Jahren nicht.

Die Verhandlungserfahrungen der KBV mit dem GKV-Spitzenverband weisen nicht darauf hin, dass das IGZ hier leichter die notwendigen Vergütungsstrukturen erhält.

Eine Bündelung aller Kräfte, die sich für die kurzzeitstationäre Versorgung von Patienten durch Vertragsärzte einsetzen, wäre wünschenswert.

Dr. Thomas Horn / Präsident Deutsche Praxisklinikgesellschaft

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