Antibiotikaresistenzen

Hausärzteverband kritisiert neue Labor-Leistungen

Als praxisfern bezeichnet der Deutsche Hausärzteverband die Beschlüsse zur erweiterten Antibiotika-Diagnostik ab Juli.

Veröffentlicht:

NEU-ISENBURG. Um Antibiotika-Verordnungen zu reduzieren, werden zum dritten Quartal 2018 neue Laborleistungen in den EBM eingeführt (wir berichteten). Der Deutsche Hausärzteverband kritisiert den entsprechenden Beschluss des Bewertungsausschusses scharf.

"Die neu in den EBM eingeführten Laborleistungen zur Reduktion der Antibiotikaverordnungen sind im normalen Praxisbetrieb faktisch nicht handhabbar", kommentiert Ulrich Weigeldt, Chef des Deutschen Hausärzteverbandes den Beschluss zu den neuen Laborleistungen.

Den Willen des Gesetzgebers, Vertragsärzten mehr Diagnostika zur schnellen Antibiotikatherapie an die Hand zu geben, findet Weigeldt an sich "sehr sinnvoll". Denn in der Tat gebe es bei der Zielgenauigkeit der Antibiotikaverschreibung in Deutschland Nachholbedarf. Für den Beschluss hat Weigeldt aber nur ein vernichtendes Urteil parat: "Was jetzt jedoch unter Mitwirkung der KBV beschlossen wurde, ist davon meilenweit entfernt."

Was sich schön und gut anhört, sei in der hausärztlichen Praxis kaum hilfreich. Denn die neuen Leistungen könnten nur im Labor erbracht werden, auf das Ergebnis müssten Ärzte und Patienten mehrere Tage warten. So lange könnten Hausärzte ihre akut erkrankten Patienten nicht vertrösten.

Es sei "absurd" zu glauben, so Weigeldt weiter, dass Hausärzte während einer Grippesaison 50 Patienten am Tag Blut abnehmen könnten, um diese dann allesamt ins Labor zu schicken." All dies hätte eigentlich auch der KBV bewusst sein müssen, meint Weigeldt.

Fraglich sei auch, wieso nicht eine deutlich günstigere Alternative gewählt worden ist. Der quantitative CRP-Test etwa, der Hausärzte bei der Therapieentscheidung unterstützen könne, dauere nur wenige Minuten und könnte in der Praxis direkt durchgeführt werden. Diverse Untersuchungen hätten bereits gezeigt, dass sich mithilfe der CRP-Tests die Zahl der Antibiotikaverordnungen reduzieren lasse.

Statt diesen Weg zu gehen, sei die KBV "vor der Laborlobby eingeknickt", vermutet der Deutsche Hausärzteverband. (ato)

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