Ärzte Zeitung online, 20.03.2019

Studie

Rauchen ist das Laster der Pflegekräfte

Jede dritte Pflegekraft in Deutschland raucht bis zu einer Schachtel Zigaretten während der Arbeit. Der Grund ist oft Stress – und das Wissen um risikoreduzierte Produkte gering.

Von Anno Fricke

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Raucherpause: Junge Pflegekräfte entspannen bei einer Kippe vom stressigen Arbeitsalltag.

© Image Source IS2 / Fotolia

BERLIN. Pflegekräfte rauchen häufiger als der Durchschnitt der Bevölkerung. 31 Prozent der Alten- und Krankenpflegekräfte in Deutschland greifen regelmäßig zur Zigarette, im Schnitt rund 19 Mal je Arbeitstag. Unter den Pflegeschülerinnen und -schülern raucht derzeit sogar jeder zweite.

Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstituts Psyma Health & Care im Auftrag des Tabakkonzerns Philip Morris hervor.

Als Hauptgrund für das Rauchen während der Arbeitszeit gaben mehr als ein Drittel der Befragten (35 Prozent) den kollektiven Gang mit Kollegen in die Raucherzonen der Kliniken und Pflegeeinrichtungen an, gefolgt vom Gefühl, zur Bewältigung von Stress- und Belastungssituationen rauchen zu müssen (28 Prozent).

Nur jede sechste befragte Pflegekraft (15 Prozent) bezeichnete ihre Arbeitsbedingungen als „absolut in Ordnung“, 53 Prozent stellten einen Zusammenhang zwischen Beruf und Rauchen her.

Bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse am Rande des Pflegetags in Berlin rechnete eine Krankenschwester vor, dass rauchende Kollegen im Schnitt eine Schicht je Woche wegen des Rauchens vor der Tür ihrer Station verbrächten.

In der Gesamtbevölkerung liegt die Rauchprävalenz ausweislich des Mikrozensus von 2017 zwischen 22,4 Prozent bei Frauen und 29 Prozent bei Männern.

Mangelndes Wissen über die Schädlichkeit des Rauchens

In den Pflegeberufen sind Frauen deutlich überrepräsentiert, was nach Ansicht von Studienleiterin Stephanie Hollaus die Diskrepanz der Rauchprävalenz zwischen den Pflegeberufen und der Gesamtbevölkerung sogar noch verstärke.

Trotz der Tätigkeit in einem Gesundheitsberuf ist das Wissen um die Schädlichkeit des Rauchens unter den Befragten nicht allzuweit verbreitet.

57 Prozent der Befragten haben noch nie versucht, mit dem Rauchen aufzuhören. 77 Prozent hatten im Jahr vor der Umfrage keinen Versuch zum Rauchstopp unternommen.

Lediglich 39 Prozent schätzten korrekt ein, dass in erster Linie die Schadstoffe, die bei der Tabakverbrennung entstehen Gesundheitsrisiken auslösen, weniger das im Tabak enthaltene Nervengift Nikotin.

94 Prozent der Befragten konnten zunächst mit dem Begriff der Schadensminimierung (harm reduction) nichts anfangen. Nach Aufklärung gab rund ein Viertel der Befragten (27 Prozent) an, sie könnten sich einen Umstieg auf risikoreduzierte Produkte vorstellen.

Der wissenschaftliche Sprecher der Philip Morris GmbH, Dr. Alexander Nussbaum, verwies darauf, dass die breite Verfügbarkeit des Kautabaks Snus und die Popularität von E-Zigaretten in Großbritannien dazu geführt habe, dass diese beiden Länder mit sieben Prozent und 17 Prozent die niedrigsten Raten an Zigarettenrauchern in der EU aufwiesen.

Für die Umfrage wurden 120 examinierte Pflegekräfte, darunter 30 in leitenden Funktionen, befragt.

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[21.03.2019, 10:53:28]
Kurt-Michael Walter 
Rauchen ist tödlich!

Rauchen ist tödlich: Das können selbst die Zigarettenhersteller, wie z. B. Philip Morris, nicht mehr leugnen. Also haben sie einen milliardenschweren Plan entwickelt, um ihr Image zu retten - und ihre Gewinne.

Damit dieser Plan aufgeht und in Kampagnen umgesetzt wird hat die Philip Morris GmbH,Hamburg, Herrn Dr. Alexander Nussbaum zum Senior Manager Scientific & Medical Affairs ernannt und mit der Planumsetzung betraut.

So ist auch die fragwürdige o. b. Studie (Umfrage) des Marktforschungsinstituts Psyma Health & Care entstanden. Über die gesundheitsschädlichen Aussagen der Studie muss hier nicht gestritten werden denn die sind seit Jahrzehnten bekannt.

Gestritten werden muss aber über die "Art und Weise" wie der Philip Morris Konzern seine neuen Produkte bewirbt. Tabakerhitzer (E-Zigarette) und Kautabak sind mit nichten risikoreduzierende Produkte sondern genauso gesundheitsschädlich wie die Tabakprodukte (z. B. Zigaretten) des Tabakkonzerns!

Die Aussage, dass bei staatlich ausgebildeten Pflegern und Krankenschwestern "mangelndes Wissen über die Schädlichkeit des Rauchens" vorliege ist dümmlich und falsch ohne einen reproduzierbaren journalistischen Nachweis die lediglich auf einer fragwürdigen Umfrage stammt.

Fazit: "Schlecht gemachte Studien sind schädlich fürs Image, Herr Dr. Nussbaum".

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[20.03.2019, 14:13:21]
Dr. Andreas Schnitzler 
Zeit zum Umdenken?
(Vorab: man kann ziemlich geteilter Meinung darüber sein, was ausgerechnet Tabakhersteller da aus welchen Gründen auch immer so feilbieten.)

ABER:

»Die Anzahl der Fehltage durch psychische Erkrankungen steigt weiter an und erreichte letztes Jahr den Wert von 11,2 Fällen pro 100 Mitglieder.« (https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/praevention/article/970880/aok-fehlzeiten-report-2018-beruf-mag-seltener-krank.html)

Hingegen:

»Aus Tierversuchen könnte abgeleitet werden, dass Nikotin Gedächtnisleistungen fördert und das aggressive Verhalten vermindert [46]. Auch Raucher bestätigen, dass es durch die ersten am Tage gerauchten Zigaretten zu einer allgemeinen Relaxation, insbesondere in Stresssituationen, kommt [76].« (Haustein KN: Tabakabhängigkeit. Deutscher Ärzte-Verlag Köln, 2001.)

Wäre also vorstellbar, "Rauchverhalten" (quasi als Mittel zur "Entschleunigung") auch einmal unter nicht rein somatischen Aspekten zu betrachten?

Oder was könnte man – allem voran in "didaktischer" Hinsicht – alternativ zu (offensichtlich nicht durchgreifend wirksamen) abgenutzten Horrorszenarien, Verboten und Schikanen anbieten?

Ich erinnere da die "AIDS-Kampagne": anstelle den Menschen mit Begriffen wie "Homosexuellen-Seuche" (DER SPIEGEL 23/1983) und ähnlichem zu begegnen, wurde meines Erachtens konsequent auf

- MENSCHLICHE WERTSCHÄTZUNG und

- SACHLICHE Aufklärung

gesetzt...


Ich MEINE, dass die Erfolge da nicht ganz schlecht waren. Zeit zum Umdenken?
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