Ärzte Zeitung online, 11.10.2019

Gesundheits-App

Hat Symptom-Checker Daten weitergegeben?

Bei vielen Betreibern von Gesundheits-Apps scheint es erheblichen Nachholbedarf in Sachen Datenschutz zu geben. Das zeigt ein aktueller Bericht in der Computerzeitschrift „c‘t“.

Hat Symptom-Checker Daten weitergegeben?

Die App Ada ist ein Symptom-Checker, der Nutzer nach Symptomen befragt, daraus Wahrscheinlichkeiten für mögliche Erkrankungen ermittelt. Nun ist sie in die Kritik von Datenschützern geraten.

©Ada Health

NEU-ISENBURG. Hat die Symptom-Checker-App Ada Health personenbezogene Daten an Tracking- und Analyse-Dienstleister wie Amplitude, Adjust und Facebook weitergegeben, und das sogar, bevor ein Einblick in die Datenschutzerklärung für den Nutzer möglich war?

Darauf deutet ein Bericht im aktuellen Computermagazin „c‘t“ hin, wonach bei Ada Health Datenschutzerklärung und tatsächliche Datenströme bei der App-Nutzung untersucht worden sein sollen. Der App-Anbieter Ada Health GmbH bestreitet die Vorwürfe allerdings energisch.

Die App Ada ist ein Symptom-Checker, der Nutzer nach Symptomen befragt, daraus Wahrscheinlichkeiten für mögliche Erkrankungen ermittelt und gegebenenfalls rät, einen Arzt aufzusuchen.

Bekannt wurde die kostenlose App unter anderem, weil die Techniker Krankenkasse mit dem Unternehmen kooperiert. In den App-Stores von Google und Apple gehört Ada Health zu den populärsten Gesundheits-Apps.

Daten vor dem Klick aufs Kästchen versendet?

In der Datenschutzerklärung weise die App zwar auf die Nutzung der Analyse- und Tracking-Dienste hin, heißt es in dem Beitrag der „c‘t“. Allerdings seien sowohl an Facebook als auch an Amplitude Daten versendet worden, bevor die App dem Nutzer AGB und Datenschutzerklärung präsentiert habe und ihn um die Akzeptanz derselben gebeten habe, so die Recherche des IT-Sicherheits-Experten Mike Kuketz.

„Selbst wenn der Nutzer die Zustimmung verweigerte und die App beendete, waren nach Kuketz‘ Erkenntnissen bereits Daten an Facebook und Amplitude abgeflossen“, erklärt dazu laut Mitteilung von Heise Medien, dem Verlag der „c‘t“, Sylvester Tremmel, Redakteur beim „c’t“-Magazin. Nach der Datenschutzgrundverordnung sei eine solche Übertragung äußerst zweifelhaft. Unter anderem soll der Name der Krankenkasse übertragen worden sein.

Ada Health wehrt sich gegen „irreführende Anschuldigungen“

Die Ada Health GmbH sieht in dem Beitrag der „c‘t“ „irreführende Anschuldigungen“ und bestreitet die Vorwürfe. Das Unternehmen werde „eine sofortige und formelle Richtigstellung verlangen“ und ziehe „weitere rechtliche Schritte in Erwägung“.

„Der Schutz der Privatsphäre und die Sicherheit unserer Nutzer ist für uns von größter Bedeutung und absolut grundlegend für die Art und Weise wie wir unsere Technologien sowie unsere Produkte entwickeln und unser Unternehmen führen“, heißt es in einer Stellungnahme.

Darüber hinaus habe das Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin (LaGeSo) die Ada-App geprüft und „dabei keine Verstöße gegen Qualitätsstandards und geltendes Recht festgestellt“. Das Unternehmen erfülle „selbstverständlich“ sämtliche Anforderungen der DSGVO.

Dritte hätten ohne die ausdrückliche Zustimmung der Nutzer keinen Zugang zu persönlichen Gesundheitsinformationen. „Facebook oder Amplitude erfahren folglich nicht, ob ein User beispielsweise angibt, Bluthochdruck zu haben, oder wo er versichert ist.“ Die falschen Anschuldigungen und Ungenauigkeiten werde Ada Health „im Detail herausarbeiten“.

Auf Nachfrage der „Ärzte Zeitung“ war am Freitagvormittag von der Techniker Krankenkasse keine Stellungnahme zu bekommen. Laut Heise Medien habe die TK erklärt, dass „zu keiner Zeit Daten zwischen Ada und der TK ausgetauscht“ würden. (ger)

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