Ärzte Zeitung, 30.12.2013

"Made in Germany"

Vehementer Kampf um Qualität

Nicht nur der deutschen Medizintechnikindustrie graut es vor Brüsseler Bestrebungen, die Herkunftsbezeichnung von Produkten zu reformieren. Auch Verbraucher sind skeptisch.

Von Matthias Wallenfels

NEU-ISENBURG. "Made in China" statt "Made in Germany"? Wenn es nach der Europäischen Union (EU) geht, so könnten schon bald viele deutsche Hersteller hochwertiger Medizintechnik gezwungen sein, das Reich der Mitte als Ursprungsland zum Beispiel des Computertomografen oder Blutdruckmessgerätes anzugeben - statt wie bisher das Heimatland als Ausweis der intellektuellen Provenienz einer medizintechnischen Lösung.

Bereits im September hat der Deutsche Industrieverband für optische, medizinische und mechatronische Technologien (Spectaris) ein Positionspapier veröffentlicht, das vor einem bevorstehenden Imageverlust für die deutsche Medizintechnikbranche warnt, sollte die EU ihre Überlegungen unmodifiziert in Gesetzesform gießen.

Rückenwind bekommt Spectaris mit seinem Warnruf nun von der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ), die die Folgen der geplanten EU-Reglementierung in einer Fünf-Punkte-Übersicht zusammengestellt hat. Die DGQ warnt: "Das Gütesiegel ‚Made in Germany‘ muss unangetastet bleiben. Es gilt als das drittwertvollste Ländersiegel der Welt."

Die Marktforscher von Global Market Insite hatten seinen Wert laut DGQ auf 4,1 Milliarden Euro beziffert. Das spiegele sich in der Haltung der Verbraucher zum Siegel wider: Rund 70 Prozent der Deutschen vertrauen, so die DGQ, auf das Label, da es für hohe Qualitäts- und Sicherheitsstandards stehe. Das habe eine repräsentative Umfrage der DGQ ergeben.

Diese Premiumposition deutscher Unternehmen sei in Gefahr: Die aktuellen Bemühungen der EU-Kommission, die Kennzeichnungsregeln für die Herkunft eines Produktes zu ändern, könnten einen immensen Schaden für die deutsche Wirtschaft bedeuten. Konkret heißt dies laut DGQ:

"Made in Germany" sei keine reine Herkunftsbezeichnung. Mit dem Gütesiegel verbänden Verbraucher und Geschäftskunden nachhaltig gute Qualität, Sicherheit und einen hohen technischen Standard.

Der reine Fokus auf den Herstellungsort würde Kauf-Faktoren, die bisher mit Produkten "Made in Germany" verbunden wurden, relativieren - die Verbraucher verlieren das Vertrauen in Made in Germany.

Viele Produkte wie Kleidung, Automobile oder Elektronik-Artikel werden heute in unterschiedlichen Ländern produziert. Eine Herkunftskennzeichnung, die sich an Zollvorschriften orientiert, greife zu kurz.

Hieraus könne sich der Verbraucher keine Schlüsse in Bezug auf Sicherheits- oder Qualitätsmerkmale oder auf die Produktverantwortung ziehen. Eine Herkunftsangabe sei dann speziell für den Verbraucher nichtssagend.

Eine Reglementierung von Herkunftskennzeichnungen würde zu erheblich mehr Bürokratie führen. Denn bei Produktionsstandorten im Ausland oder Kooperationen mit externen Zulieferern wäre die Klärung, welches Land als Ursprungsort zu definieren ist, sehr aufwändig. Das koste Zeit und Geld, was gerade der Mittelstand zu spüren bekäme.

Das geplante EU-Herkunftsreglement könnte dazu führen, dass sich Handelspartner außerhalb der EU diskriminiert fühlen und ihre eigenen Importbedingungen zu Ungunsten deutscher Exporteure ändern. Dies erschwere es europäischen Produkten, auf den Markt von Drittstaaten zu gelangen.

"Made in Germany" gelte im in- und ausländischen Markt grundsätzlich als Qualitätssiegel. Gerade Mittelständlern, die in Drittstaaten nicht so bekannt seien, werde die EU-Reglementierung schaden.

Denn: Made in Germany sei ein Verkaufsargument und biete Orientierung zugunsten Qualität, Sicherheit und Zuverlässigkeit. Dies könnte Umsatzeinbußen und wirtschaftliche Schäden für deutsche Unternehmen zur Folge haben.

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