Ärzte Zeitung, 24.02.2015

Wearables & AAL

Defizite bei Konzepten?

Ein Branchenverband sieht Technikhürden bei assistierenden Technologien in Pflege und Prävention.

FRANKFURT/MAIN. Flankierenden (medizin-)technischen Assistenzlösungen wird ein großes Potenzial vor allem bei der Prävention und in der Pflege zugetraut.

Doch gibt es bis zu einem flächendeckenden Einsatz solcher Lösungen im Sinne eines Ambient Assisted Living (AAL) noch eine Reihe von Hürden zu überwinden, wie der Verband der Elektrotechnik Elektronik und Informationstechnik (VDE) warnt.

Für eine schnelle Verbreitung aktiv-assistierender Technologien müsse laut VDE der Ausbau von Breitbandverbindungen vorangetrieben werden. Denn Vitalwertüberwachung, Anomalieerkennung zum Beispiel eines Sturzes und andere Sicherheitsfunktionen setzten eine leistungsfähige und betriebssichere Datenübertragung voraus.

Ebenso gebe es Nachholbedarf an Standards. Vernetzte Geräte und Systeme müssen, so der VDE, über geeignete Schnittstellen flexibel und sicher miteinander kommunizieren können.

Weiterhin bedürfe es geeigneter Mensch-Maschine-Schnittstellen für nutzerfreundliche Technologien. Eine weitere Hürde sei der branchen- und fachübergreifende Charakter aktiv-assistierender Technologien. Gegenwärtig seien die Bereiche Gesundheit, Pflege, Wohnen, Arbeit oder Mobilität durch eigenständige Branchen, Märkte und Akteure gekennzeichnet.

Fehlende Marktkenntnisse angemahnt

"Bei den Akteuren fehlen branchenübergreifende Marktkenntnisse, Geschäftsmodelle oder auch gemeinsame Marketing-, Finanzierungs- oder Erstattungskonzepte", moniert Dr. Cord Schlötelburg von der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE.

Technologische Umbrüche hätten in der Vergangenheit oft dazu geführt, dass Firmen Entwicklungen außerhalb tradierter Marktsegmente verpasst und den Anschluss verloren hätten. "Aktiv-assistierende Technologien könnten ähnliche Entwicklungen nach sich ziehen", warnt Schlötelburg.

Wie der VDE hervorhebt, seien die Übergänge von komfortorientiert-unterstützender zu medizinisch-kurativer Anwendung bei den neuen Technologien fließend. Bestes Beispiel dafür seien "Wearables" - vernetzte Kleidungsstücke -, insbesondere Uhren und Fitness-Tracker.

Wearables, die über Beschleunigungs- und Pulssensoren sowie über GPS, Bluetooth oder empfindliche, berührungssensitive Displays verfügten, ließen Telemedizinanwendungen zu.

Auf dem 8. AAL Kongress des VDE am 29. und 30. April in Frankfurt stehen Technologien und Vernetzung für Gesundheit, Selbstständigkeit und Komfort in den Lebensräumen Wohnung, Haus, Pflegeheim, Klinik und öffentlicher Raum im Fokus. (maw)

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