Digitalisierung

Regionale Projekte haben die Nase vorn

Im Kleinen ist Deutschland bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens ganz groß. Gesundheitsnetze sind der Politik und der Selbstverwaltung um Jahre voraus. Das zeigt der 12. Kongress für Gesundheitsnetzwerker.

Julia FrischVon Julia Frisch Veröffentlicht:
Für das Projekt „MyDoks“ erhielt „Gesundes Kinzigtal“ einen Preis der Gesundheitsnetzwerker. Im Bild (v.l.): Ingo Meyer (Gesundes Kinzigtal), Dr. Helmut Hildebrandt (Optimedis) und Professor Tobias Esch (Uni Witten-Herdecke).

Für das Projekt „MyDoks“ erhielt „Gesundes Kinzigtal“ einen Preis der Gesundheitsnetzwerker. Im Bild (v.l.): Ingo Meyer (Gesundes Kinzigtal), Dr. Helmut Hildebrandt (Optimedis) und Professor Tobias Esch (Uni Witten-Herdecke).

© Optimedis

BERLIN. Wie innovativ, zukunftsweisend, aber auch der Zeit voraus sektorenübergreifende Projekte sein können, führte der mit insgesamt 20.000 Euro dotierte Preis der Gesundheitsnetzwerker, der am Mittwoch auf dem 12. Kongress der Netzwerker in Berlin verliehen wurde, der Selbstverwaltung vor Augen.

Den Preis für die beste Idee im Feld der integrierten Versorgung erhielt das Konzept "MyDoks" des Versorgungsnetzes "Gesundes Kinzigtal". Es ermöglicht den Patienten, direkt elektronisch auf ihre praxisübergreifend geführte Patientenakte zuzugreifen. Sie können so die Befunde, Medikation und Therapieplanung einsehen. Das Ziel: ein besseres Selbstmanagement.

Geriatrie im Verbund

Den Preis für schon erfolgreich umgesetzte Versorgungsnetze bekam der Qualitätsverbund Geriatrie Nord-West-Deutschland. In elf Regionen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, in den Grenzregionen zu Belgien und den Niederlande arbeiten niedergelassene Ärzte, Kliniken, Pflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienste und sogar Vereine zusammen, um die Versorgung alter, multimorbider Menschen bestmöglich zu gestalten.

Einen Sonderpreis gab es in diesem Jahr für den Impfbus der Charité, der in Berlin Flüchtlingsunterkünfte anfährt, um dort den Menschen ein niedrigschwelliges Angebot zur Immunisierung zu unterbreiten. Das Projekt, das den Medibus der Deutschen Bahn nutzt, überzeugte die Jury nach den Worten von Gudrun Schaich-Walch, ehemals Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, deshalb, "weil wir in Zukunft vermutlich immer weiter solche Projekte für Menschen benötigen, die aus fernen Ländern zu uns kommen".

Druck von unten ist wichtig

Als lobenswerte Bottom-up-Initiative, die "von unten Druck in den Kessel bringt", bezeichnete Dr. Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrates das "Gesunde Kinzigtal". Solche lokalen Projekte, welche die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen, seien wichtig. Gleichzeitig sah Dabrock aber die Gefahr, dass in Deutschland zu wenig die globalen Chancen für die Wirtschaft betrachtet werden. "Die Innovationskraft und Fähigkeiten, die es hier gibt, werden nicht konstruktiv genutzt", so Dabrock.

Zu wenig Engagement in Sachen Digitalisierung warf Bart de Witte von IBM Deutschland den Akteuren im Gesundheitswesen vor. Die Krankenhäuser investierten beispielsweise nur 1,8 Prozent ihres Budgets in die IT. In Dänemark seien dies dagegen sechs Prozent. Deutsche Banken gäben sogar acht Prozent des Budgets für Internettechnologie aus. "Die Digitalisierung erfolgt horizontal, flächendeckend, nicht nur an einigen Stellen", so Bart de Witte. "Die Kommunikation in Deutschland ist viel zu klein, globale Aspekte werden nicht betrachtet."

Das Problem mit den Insellösungen

Probleme bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens verursachen nach Ansicht von Mani Rafii, Vorstandsmitglied der Barmer, die vielen Partikularinteressen, die es hierzulande gebe. "Sie verhindern, dass die Digitalisierung vorankommt."

Er sorge sich, dass durch die vielen lokalen Netzlösungen, die derzeit in Deutschland entstehen, zu viele IT-Besonderheiten geschaffen werden. Nötig seien doch aber gemeinsame Standards. "Das ist doch Geldverschwendung, wenn alle Standards wieder zusammengeführt werden müssen", warnte Rafii.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Leitliniengerechte Therapie mit DiGA

© Paolese / stock.adobe.com (Model mit Symbolcharakter)

Neuer Therapieansatz bei erektiler Dysfunktion

Leitliniengerechte Therapie mit DiGA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Kranus Health GmbH, München
Dr. Tino Großmann, Senior Vice President Connectivity bei der CompuGroup Medical

© CGM

„ÄrzteTag extra“-Podcast

„Die eAU wird der entscheidende Meilenstein sein“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: CompuGroup Medical
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Nutzen durch randomisierte Studie belegt

Qigong-Übungen senken erhöhten Blutdruck

Lesetipps
Tablette, auf der GLP-1 steht

© THIBNH / Generated with AI / Stock.adobe.com

Neuer GLP-1-Rezeptoragonist

Orforglipron: Bekommt Semaglutid jetzt Konkurrenz?

Ein Stempel mit der Aufschrift "Regress"

© Gina Sanders / stock.adobe.com |

Interview zum Vertragsarztrecht

Regress-Prävention: Wie Ärzte Formfehlern aus dem Weg gehen