Ärzte Zeitung, 08.07.2013

Kommentar zum Urteil über Patientenaufklärung

Kleine Hoffnung darf bleiben

Von Martin Wortmann

Schwere Krankheiten führen zu schwerer Verzweiflung. Damit umzugehen gehört sicher zu den besonderen Herausforderungen für Ärzte. Was etwa tun, wenn ein schwer kranker Patient die Standardtherapie ablehnt?

So geschehen in einem Fall, über den jetzt der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden hat. Nach langjährigem Alkoholmissbrauch hätte der Patient eine Spenderleber gebraucht. Darauf wollte er aber nicht warten, und er konnte sich auch nicht vorstellen, mit einem fremden Organ zu leben.

Eine Leberzelltransplantation erschien ihm als "letzter Rettungsanker", auch wenn er wusste, dass es damit 2006 noch kaum Erfahrungen gab.

Die Ärzte informierten umfassend über die Risiken, sprachen aber nur wenig über den unsicheren Erfolg. Der Patient starb bei den Eingriffen. Die Staatsanwaltschaft klagte wegen unzureichender Aufklärung auf "Körperverletzung mit Todesfolge".

Wie schon das Landgericht nahm dagegen nun auch der BGH eine "hypothetische Einwilligung" an und sprach die Ärzte frei. Sie müssen, so die Konsequenz des Urteils, eine kleine letzte Hoffnung nicht so klein reden, dass der Patient diese Hoffnung aufgibt. In den Grenzfällen des Lebens können offenbar auch Richter Fünfe mal gerade sein lassen.

Lesen Sie dazu auch:
Patientenaufklärung: Hypothetische Einwilligung zählt

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Diabetikern wird der HbA1c-Wert nicht oft genug kontrolliert

Eigentlich sollten Ärzte mindestens zweimal im Jahr den HbA1c-Wert bei Typ-2-Diabetikern bestimmen. Bei jedem vierten Patienten messen sie ihn aber nur einmal oder gar nicht. mehr »

SPD will "Ende der Zwei-Klassen-Medizin"

Nach dem knappen Abstimmungsergebnis pro GroKo-Verhandlung geht es nun darum, die auf dem SPD-Sonderparteitag angesprochenen "Nachbesserungen" in den Koalitionsvertrag reinzuverhandeln. Die KBV reagiert skeptisch. mehr »

Beunruhigend hohe Zahlen in der Altenpflege

Altenpflegekräfte fehlen fast doppelt so oft wegen psychischer Erkrankungen wie andere Beschäftigte, heißt es im länderübergreifenden Gesundheitsbericht für Berlin und Brandenburg. mehr »