Ärzte Zeitung online, 07.12.2018

Formulare

Ab 2019 geändertes Muster für Wiedereingliederungsplan

BERLIN. Das Muster 20 (Wiedereingliederungsplan) wird zum neuen Jahr geändert. Zum einen heißt es auf dem Formular, dass die ärztliche Empfehlung „nach aktueller Betrachtung“ erfolgt. Zudem müssen Ärzte keine zusätzliche Einschätzung mehr abgeben, wann der Patient wieder arbeitsfähig ist, erklärt die KBV in ihren Praxisnachrichten.

Die Änderungen erfolgen, weil der Rentenversicherung häufig die Angaben auf dem bisherigen Formular nicht ausreichten. Mit der Anpassung des Formulars würden diese Nachfragen der Rentenversicherung entfallen, so die KBV. Ärzte müssen das geänderte Formular ab 1. Januar verwenden. Die KBV rät dazu, Vordrucke rechtzeitig zu bestellen. Die alten dürfen nicht mehr verwendet werden. (ato)

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[07.12.2018, 15:42:25]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Beim Barte des Propheten" - kein Bürokratie-Abbau mit der KBV!
Medizin-rechtlich können Wiedereingliederungspläne nach Muster 20 schon immer grundsätzlich nur ärztliche Empfehlungen „nach aktueller Betrachtung“ beinhalteten.

Alles andere würde Vertragsärztinnen und Vertragsärzten die vorausschauende Weisheit als Gabe von Propheten zubilligen, die sie aus juristischen und logischen Gründen gar nicht haben können.

Der Wiedereingliederungsplan sieht eine stufen- und stundenweise Wiedereingliederung in das Arbeitsleben nach dem "Hamburger Modell" vor.

Dazu schreibt selbst die Deutsche Rentenversicherung (DRV) unter
https://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Inhalt/3_Infos_fuer_Experten/01_sozialmedizin_forschung/01_sozialmedizin/08_sozmed_glossar/Functions/Glossar.html

"Stufenweise Wiedereingliederung hat zum Ziel, arbeitsunfähige Versicherte, die ihre bisherige Tätigkeit nur teilweise verrichten können, „stufenweise“ an die volle Arbeitsbelastung heranzuführen (§ 28 SGB IX - Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen). Die Wiedereingliederung erfolgt in Absprache zwischen Arbeitnehmer, Arbeitgeber, behandelndem Arzt, Arzt der Rehabilitationseinrichtung, dem Betriebsarzt und dem Leistungsträger.

Die Anregung der Maßnahme kann über jeden der oben genannten Teilnehmer erfolgen. Der Wiedereingliederungsplan, d. h. die Festsetzung der Belastungsstufen, der Zeitablauf sowie der Ausschluss bestimmter Tätigkeiten wird vom behandelnden Arzt nach den individuellen gesundheitlichen Bedürfnissen des Arbeitnehmers und den Gegebenheiten des Arbeitsplatzes erstellt und während der Maßnahme bedarfsgerecht angepasst. Üblicherweise erfolgt der Einstieg mit 50 % der vollen Belastung, die Maßnahme erfolgt meistens über einen Zeitraum von 6 Wochen bis zu 6 Monaten.

Während der stufenweisen Wiedereingliederung besteht weiter Arbeitsunfähigkeit. Leistungsträger ist überwiegend die Krankenkasse [!]. Die Träger der gesetzlichen Rentenversicherung können Leistungen zur stufenweisen Wiedereingliederung von Versicherten in unmittelbarem Anschluss an eine von ihnen erbrachte Leistung zur medizinischen Rehabilitation [als in der Praxis sehr seltener Sonderfall] erbringen. Dabei wird die Notwendigkeit zur stufenweisen Wiedereingliederung in der Rehabilitationseinrichtung festgestellt und das Verfahren dort eingeleitet. Zur wirtschaftlichen Absicherung des Versicherten wird Übergangsgeld gezahlt (§ 51 Abs. 5 SGB IX)."

Die Behauptungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV): "Änderungen erfolgen, weil der Rentenversicherung häufig die Angaben auf dem bisherigen Formular nicht ausreichten. Mit der Anpassung des Formulars würden diese Nachfragen der Rentenversicherung entfallen", ist hanebüchener, Medizin-Bildungs- und Versorgungs-ferner Unsinn.

Denn in weit über 95 Prozent sind nur und ausschließlich die Gesetzlichen Krankenkassen der GKV zuständig. REHA-Einrichtungen machen sich doch nicht die Mühe, komplizierte Wiedereingliederungspläne zu schreiben, wenn sie diese lästige Mehrarbeit problemlos den Haus- und Familien-Medizinern bzw. selten den Vertrags-Fachärzten aufbürden können.

Das war wieder nichts mit Bürokratie-Abbau, liebe KBV!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. St. Moritz/CH) zum Beitrag »

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