Ärzte Zeitung online, 22.05.2018

Brandenburg

Neues Programm setzt auf flexible Tumornachsorge

DAK-Versicherte, deren Tumortherapie abgeschlossen ist, sollen über einen Zeitraum von fünf Jahren die Möglichkeit haben, an einem speziellen Nachsorgeprogramm teilzunehmen. Die Kasse hat ein Versuchsprojekt initiiert.

Von Matthias Wallenfels

Neues Programm setzt auf flexible Tumornachsorge

Schwere Gedanken: Wie geht es nach dem Kampf gegen den Krebs weiter?

© Fuse / Getty Images / Thinkstock

BRANDENBURG/HAVEL. Nach aktuellen Daten des Statistischen Amtes Berlin-Brandenburg behandelten die Krankenhäuser in der Mark 2016 mehr als 52.000 Patienten aufgrund einer Tumor-Neubildung. Fast jeder zehnte Krankenhausaufenthalt habe seine Ursache darin.

Die DAK-Gesundheit will daher ihren Versicherten in Brandenburg neue Wege zur Krebsnachsorge ebnen. Mit dem Programm "DAK-Tumornachsorge" will die Krankenkasse zusammen mit dem Städtischen Klinikum in Brandenburg an der Havel dabei helfen, die Gesundheit und Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Nebenwirkungen im Visier

Ziel der Initiative ist es laut Kasse, die häufig auftretenden Nebenwirkungen einer Krebsbehandlung mit ihren körperlichen und seelischen Belastungen zu reduzieren und für die Patienten neue Perspektiven zu entwickeln. "Die persönlichen Bedürfnisse des Einzelnen sind sehr unterschiedlich.

Wir versuchen herauszufinden, welche Hilfe und Unterstützung die Patienten ein Jahr nach Ende der Behandlung benötigen", erläutert Susanne Brandis, Chefärztin der Onkologie der Vivantes Rehabilitation. "Wir arbeiten dabei eng mit den behandelnden Kliniken, MVZ und niedergelassenen Ärzten zusammen", ergänzt sie.

Wichtige Fragen lauteten: Sind die körperliche Ausdauer oder die Beweglichkeit eingeschränkt? Leidet der Patient unter seelischen Belastungen oder Ängsten? Gibt es Schwierigkeiten mit der Ernährung oder wirtschaftliche Probleme?

"Häufig fallen die Patienten nach einer intensiven Krebsbehandlung in der Klinik mit ihren vielfältigen Versorgungsmöglichkeiten in eine Lücke, die auch die engagiertesten Hausärzte nicht füllen können. Da ist es gut, wenn sie den Kontakt zur Klinik halten können und wir die weitere ambulante Betreuung nicht übernehmen, aber begleiten", verdeutlicht Professor Markus Deckert vom Städtischen Klinikum Brandenburg.

Individuell auf Patienten abgestimmt

"Wir arbeiten dabei eng mit den behandelnden Kliniken und niedergelassenen Ärzten zusammen", ergänzt er.

Wie die DAK betont, wird das flexible Leistungspaket ihrer Tumornachsorge mit den Patienten individuell zusammengestellt. "Wir lassen unsere Versicherten nicht allein. Mit dem neuen Programm geben wir Betroffenen neue Impulse im Umgang mit ihrer Krankheit. So können sie herausfinden, was ihnen gut tut, und bereits Erlerntes vertiefen", verdeutlicht Anke Grubitz, Leiterin der Brandenburger Landesvertretung der DAK-Gesundheit.

Das neue Programm können Patienten, deren Tumortherapie abgeschlossen ist, fünf Jahre lang nutzen. Pro Jahr stehen neben den üblichen ärztlichen Kontrollen vier individuelle, auf den Bedarf und das Krankheitsbild des einzelnen Patienten abgestimmte Einzel- und Gruppentherapien von jeweils 45 Minuten zur Wahl. Beispielsweise sind Sport- und Bewegungstherapie, Ernährungsberatung, Entspannungstraining, Physiotherapie oder auch psychoonkologische und psychosoziale Beratungen im Angebot.

Belastbarkeit erforderlich

Vermittelt würden bei Bedarf auch Ansprechpartner, etwa von Selbsthilfegruppen. Die regelmäßige fachärztliche Tumornachsorge und die hausärztliche Betreuung blieben erhalten und würden durch das neue Programm mit Blick auf die Folgen und die Bewältigung einer Krebserkrankung nur "sinnvoll ergänzt".

Das Programm nutzen können nach Kassenangaben bisher ausschließlich Patienten des Städtischen Klinikums Brandenburg, die bei der DAK-Gesundheit krankenversichert sind und ihre onkologische Erstbehandlung abgeschlossen haben, sofern sie sich körperlich, emotional und mental belastbar fühlten.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Fehldiagnose lässt "Thrombophilie"-Patientin zittern

Bei einer Frau mit Venenthrombose wurde eine Thrombophilie-Diagnostik vorgenommen. Der Verdacht erhärtete sich und bescherte ihr angstvolle Wochen. mehr »

Schärfe und Säure kurbeln das Immunsystem an

Was wir essen, beeinflusst maßgeblich, wie gut die Immunabwehr im Speichel funktioniert. Das haben Münchener Forscher untersucht. mehr »

Was tun gegen sexuelle Belästigung?

Anzügliche Bemerkungen, obszöne Witze, schlüpfrige Mails bis hin zu Berührungen: Sexuelle Aufdringlichkeit gehört auch in Praxen und Kliniken manchmal zum Alltag. Statt die Belästigungen zu ignorieren, sollten sich Betroffene wehren - dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. mehr »