Ärzte Zeitung, 10.05.2011

Geringe Attraktivität des Arztberufes wird zunehmend ein Problem

Geringe Attraktivität des Arztberufes wird zunehmend ein Problem

Es ist nicht so sehr die individuelle wirtschaftliche Schieflage, die Arztpraxen schwer verkäuflich macht. Vielmehr geht es um das Image des Arztberufes.

Von Hauke Gerlof

Geringe Attraktivität des Arztberufes wird zunehmend ein Problem

Woran liegt es, wenn eine Arztpraxis am Ende eines langen Berufslebens nur schwer an den Mann zu bringen ist? Auch diese Frage war Thema der gemeinsamen Umfrage "Wie halten Sie es mit der Praxisabgabe?" von "Ärzte Zeitung", "WirtschaftsTipp" und Deutscher Apotheker- und Ärztebank (apoBank).

Die Antworten der 1041 Umfrageteilnehmer haben es in sich: Fast 48 Prozent antworteten, sie sähen die größten Herausforderungen für die Abgabe ihrer Praxis in der "geringen Attraktivität des Arztberufes allgemein". Dagegen spielten die Konkurrenzsituation vor Ort (fast 12 Prozent), ein geringes Interesse potenzieller Käufer aufgrund der wirtschaftlichen Situation der Praxis (14 Prozent) oder aufgrund der örtlichen Lage (14,6 Prozent) als mögliche Herausforderungen eine eher geringe Rolle. Es geht also weniger um die eigene wirtschaftliche Situation als um die allgemeine Stimmungslage.

"Es gibt zu denken, dass die abgebenden Ärzte diese eher geringe Attraktivität des Arztberufs bereits als so große Herausforderung empfinden", kommentiert Carsten Burchartz, Abteilungsdirektor Gesundheitsmärkte und -politik der apobank, dieses Ergebnis. Bei den Hausärzten haben sogar mehr als 50 Prozent diese Antwort angekreuzt, bei Fachärzten sind es 40 Prozent.

Geradezu spiegelbildlich sind in diesem Zusammenhang die Antworten der Umfrageteilnehmer auf die Frage zu sehen, welche Faktoren die Praxisabgabe erleichtern könnten. Hier werden als erstes "bessere Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf" genannt (fast 54 Prozent), gefolgt von mehr Anreizen für Studenten in die Praxis zu gehen (36 Prozent). Erst danach kommen Wünsche nach öffentlich zugänglichen Datenbanken mit abzugebenden Praxen (33 Prozent) oder Abgeber-/Übernehmerveranstaltungen (35 Prozent).

"Die Work-Life-Balance steht heute einfach mehr im Vordergrund als früher", meint Carsten Burchartz, "und das wissen auch die Praxisabgeber". Hier habe man durch neue Kooperationsformen und länderspezifische Förderprogramme erste Schritte bereits getan. Weitere seien zudem geplant.

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