Ärzte Zeitung online, 20.09.2017
 

Innovative Versorgung

MSD-Preis ehrt Konzepte an der Basis

Der diesjährige MSD Gesundheitspreis belohnt unter anderem innovative Ansätze zum HPV-Screening, zur Motivation krebskranker Kinder und zum Herbeirufen von Ersthelfern per App.

Von Matthias Wallenfels

MSD-Preis ehrt Konzepte an der Basis

Belohnung für innovative Konzepte: Der MSD-Preis wurde in mehreren Kategorien verliehen.

© burnhead / Fotolia.com

HAAR. Die Frauenklinik im Klinikum Wolfsburg ist mit ihrem Pilotprojekt zum HPV-Screening "Wolphscreen" Sieger des diesjährigen, mit insgesamt 110.000 Euro dotierten MSD Gesundheitspreises. Das Projekt soll laut MSD dazu beitragen, die HPV-negative Majorität ohne Risiko zu erkennen und ihr unnötige Diagnostik und Fehlbehandlungen zu ersparen.

Gleichzeitig könne die HPV-positive Minorität mit erhöhtem Risiko gezielt identifiziert werden. Auf sie könne sich so die ganze professionelle Fürsorge fokussieren. Durch HP-Viren verursachte Krebserkrankungen des Gebärmutterhalses könnten so verhindert werden.

Motivation für krebskranke Kinder

Den zweiten Preis sicherte sich die Abteilung Pädiatrische Onkologie des Universitätsklinikums Leipzig mit einem Projekt, Bewegung und Sport dauerhaft in die Behandlung und den Alltag krebskranker Patienten zu integrieren.

Denn Bewegung und Sport könnten während und nach der Behandlung einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter eine wichtige Ressource für die Betroffenen darstellen, zu der die Patienten jedoch in der Regel längerfristig keinen Zugang hätten, heißt es.

Auf Rang drei des diesjährigen MSD Gesundheitspreises überzeugte die Jury das Walk In Ruhr (WIR)-Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin. Unter dem Motto "Hand in Hand für die Sexuelle Gesundheit" bringe das WIR Beratung, Prävention, Diagnose, medizinische Behandlung, Psychotherapie und Selbsthilfe im Bereich sexueller Gesundheit zusammen.

Dies ermögliche eine bedarfsgerechte, breite und nachhaltige Versorgung unter Berücksichtigung der spezifischen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten sowie der Ratsuchenden.

Ersthelfer per Smartphone

Mit dem Sonderpreis E-Health/Digitalisierung ehrt die Jury das Kölner Projekt Mobile Retter. Bei einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand kann nur eine sofortig eingeleitete Reanimation das Überleben des Patienten ermöglichen.

In der Nachbarschaft zufällig anwesende, freiwillig bei dem Projekt registrierte, qualifizierte Ersthelfer leiten im Notfall – per Smartphone alarmiert – noch vor Eintreffen des Rettungsdienstes eine Herzdruckmassage ein. Laut Vereinswebsite sind bundesweit bereits mehr als 7000 ehrenamtliche Helfer bei den Mobilen Rettern angemeldet.

Der Sonderpreis Community Medicine/Arztnetze ging an das Institut für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald für die regionale telemedizinische Versorgung in der Psychiatrie. Das Institut zeigt laut MSD, wie die Implementierung telemedizinischer Funktionalitäten zu einer Verbesserung der regionalen psychiatrischen Versorgung beitragen kann.

Mit dem Sonderpreis Stärkung der Patientenbeteiligung/Adhärenz zeichnete die Jury das Forschungsinstitut an der Diabetes-Akademie Bad Mergentheim (FIDAM) für sein PRIMAS genanntes Schulungs- und Behandlungskonzept für Menschen mit Typ-1-Diabetes aus.

Hürden für innovative Lösungen

Dem PRIMAS-Ansatz liege die Idee des Patient Empowerment, respektive Selbstmanagements zugrunde, heißt es, der den eigenverantwortlichen Umgang mit der Erkrankung stärken und Therapie in den Alltag integrieren möchte. Die Evaluierung des Konzepts erfolge über randomisierte kontrollierte Studien sowie mittels einer Umsetzungsstudie unter realen Versorgungsbedingungen.

"Nicht immer ist es für die Initiatoren leicht, ihre Ideen auch umzusetzen", verdeutlicht Dr. Susanne Fiedler, Managing Director von MSD Deutschland. Mit seinem Gesundheitspreis fördere MSD daher seit 2012 herausragende Beispiele innovativer und effizienter Versorgungslösungen, die bereits in der Versorgungsrealität umgesetzt und evaluiert wurden.

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