Ärzte Zeitung online, 16.04.2018

Umfrage Versicherung

Bürger wollen mehr fürs gleiche Geld

Unterstützungsangebote im Gesundheitsbereich stehen bei Versicherungskunden hoch im Kurs. Insbesondere das Angebot einer ärztlichen Zweitmeinung ist Kunden wichtig. Das hat eine Umfrage zum Thema "Assistance" ergeben.

Von Ilse Schlingensiepen

Bürger wollen mehr fürs gleiche Geld

Gesundheitsarmbänder oder Fitness-Tracker zur Förderung einer gesunden Lebensweise trafen bei den Befragten auf nur wenig Zustimmung.

© ra2studio / stock.adobe.com

KÖLN. Versicherungskunden haben großes Interesse an Unterstützungsangeboten der Unternehmen im Gesundheitsbereich. Ganz oben auf der Wunschliste steht dabei der Zugang zu einer ärztlichen Zweitmeinung sowie die Empfehlung von Ärzten und Kliniken. Das zeigt das "Assistance-Barometer 2018" der zum Versicherer Generali gehörenden Europ Assistance.

Im Auftrag des Unternehmens hatte die Hochschule Rhein-Main im Herbst vergangenen Jahres 502 private Haushalte sowie jeweils mehr als 300 Versicherungsunternehmen und Versicherungsvermittler befragt. Es ist die elfte Befragung zum Thema Assistance in Folge.

2017 hatten 84 Prozent der Privatleute angegeben, dass sie sich die Möglichkeit einer ärztlichen Zweitmeinung wünschen, das waren 5 Prozentpunkte mehr als im Mittel der Vorjahre. "Angesichts eines derart artikulierten, zunehmenden Wunsches nach medizinischen Zweitmeinungen scheint in der Bevölkerung eine diesbezügliche Verunsicherung zu bestehen", heißt es in der Studie.

Wunsch nach fachlicher Begleitung

Fundierte Arzt- und Klinikempfehlungen durch den Versicherer fanden 72 Prozent sehr wichtig oder wichtig. Der Wert lag damit 3 Punkte über dem Mittel. Eine persönliche Beratung und Unterstützung im Umgang mit Krankenhäusern, Krankenkassen und Behörden wünschten sich unverändert zu den Vorjahren ebenfalls 72 Prozent.

"Von hoher Bedeutung erweist sich für die befragten Bundesbürger das Angebot einer fachlichen Begleitung und Beratung chronisch kranker Patienten", schreiben die Autoren. Hier lag die Zustimmung bei 81 Prozent. Deutlich geringer war das Interesse an einer Beratung zu Prävention und gesundem Leben durch den Versicherer. Sie wünschte aber immerhin noch jeder Zweite. Eine medizinische Hotline des Versicherers für telefonische Anfragen stieß bei 57 Prozent auf Zustimmung.

Den Service einer medizinischen Fernbetreuung durch die Übertragung von Gesundheitsdaten an einen Arzt halten 56 Prozent für wichtig oder sehr wichtig.

Akzeptanz für Wearables gering

Viel geringer ist die Zustimmung beim Angebot von Gesundheitsarmbändern oder Fitness-Trackern. Wearables zur Förderung einer gesunden Lebensweise wollen nur 23 Prozent. "Offensichtlich scheint die Versicherungswirtschaft nicht der erwartete Anbieter für diese Technologien zu sein."

Die persönliche Beratung und Unterstützung bei Pflegefällen halten 80 Prozent für wichtig, 60 Prozent die medizinische Fernbetreuung und 68 Prozent die Organisation eines Pflegeheimplatzes für Angehörige.

Die Autoren weisen darauf hin, dass sich die generell hohe Bedeutung der Gesundheits-Assistance nur bedingt in der Zahlungsbereitschaft niederschlägt. Die meisten sehen die zusätzlichen Angebote offenbar als kostenlosen Bestandteil des Versicherungsprodukts. Nur 58 Prozent wären zu einem finanziellen Unkostenbeitrag bereit. Das waren noch einmal 9 Prozentpunkte weniger als im Mittel der Vorjahre. Nur 23 Prozent würden für die Dienstleistungen des Versicherers mehr als 15 Euro im Jahr bezahlen.

Dilemma: Mehr für das gleiche Geld

Das Dilemma aus Sicht der Unternehmen, dass die Kunden zwar zusätzliche Dienstleistungen wünschen, für sie aber nichts bezahlen wollen, kennzeichnet auch die anderen Bereiche der Assistance etwa im Bereich Kfz oder Reise.

Beim Einsatz digitaler Angebote in der Assistance zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Nur 30 Prozent der Befragten wären zur Weitergabe von Daten zu Bewegungs-, Fitness- und Medikamenteneinnahmegewohnheiten bereit.

Assistance-Apps erfreuen sich dagegen zunehmender Beliebtheit. 69 Prozent bewerteten eine Notruf-App positiv, 57 Prozent eine Arztfinder-App, 41 Prozent eine Werkstattfinder-App und 30 Prozent eine Handwerker-App.

Umfrageergebnisse

- 85 Prozent wünschen sich die Möglichkeit zur Einholung einer ärztlichen Zweitmeinung.

- 72 Prozent finden eine fundierte Arzt- und Klinikempfehlung durch den Versicherer wichtig.

- 81 Prozent finden eine fachliche Begleitung und Beratung chronisch kranker Patienten wichtig.

- 56 Prozent würden den Service einer medizinischen Fernbetreuung durch Übertragung von Gesundheitsdaten an einen Arzt begrüßen.

Assistance Barometer 2018,

Europ Assistance Versicherungs AG, München

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