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Körperlich aktive Menschen leben länger

Wer Sport treibt, lebt gesünder und wird älter. Moderate, aber regelmäßige körperliche Bewegung reicht dabei aus, zeigen aktuelle Studiendaten.

Von Helga Brettschneider Veröffentlicht:

In einer aktuellen Analyse der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) wurden 38 Studien mit 271 000 Menschen ausgewertet, berichtet Professor Herbert Löllgen aus Remscheid. Danach war das Risiko, in einem etwa zwölfjährigen Beobachtungszeitraum zu sterben, schon für moderat Trainierende um ein Drittel niedriger als bei den Bewegungsmuffeln. Ein stärkeres Training brachte nur wenig mehr Nutzen. Und: Über 65-Jährige profitierten stärker als jüngere Studienteilnehmer und Frauen mehr als Männer.

Kleine Änderungen im Alltag sind wichtig

Bei der Medica, der weltgrößten Medizinmesse mit angeschlossenem Kongress, wird der Sportmediziner und DGSP-Präsident Belege für die Effekte von Sport auf die Gesundheit vorstellen. Körperliche Aktivität ist demnach eigentlich jedem zu empfehlen, am besten drei- bis viermal pro Woche für 30 bis 40 Minuten. Es dürfen aber auch dreimal 60 oder mehrmals 20 Minuten sein. Senioren mit mehr Zeit empfiehlt Löllgen, täglich mindestens eine Stunde spazieren zu gehen. Auch die kleinen Änderungen im Alltag sind wichtig: Wer seine Einkäufe wieder zu Fuß erledigt und statt Rolltreppen normale Treppen benutzt, hat schon den ersten Schritt zu mehr Gesundheit getan.

Empfohlen wird moderates Training, bei dem man sich während des Sports noch unterhalten kann. Eine Pulsuhr erleichtert die Einschätzung: Im Alter von 65 Jahren entspricht ein Puls von 100 bis 120 pro Minute moderater und einer von 120 bis 140 intensiver Aktivität, so Löllgen. Für den Anfang eignen sich Gehen, Schwimmen, Radfahren und langsames Laufen in einer Gruppe mit Übungsleiter. Denn viele müssen die richtigen Bewegungsabläufe neu lernen. Das Training kann zunächst über die Dauer und später über die Intensität gesteigert werden, so die DGSP. Wichtig: Vor dem Trainingsbeginn steht ein Tauglichkeits-Check beim Arzt. Das gilt besonders für alle ab 35 Jahren, nach längerer Sportpause und bei Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes oder Bluthochdruck.

Tatsächlich fördert körperliche Aktivität die Gesundheit in vielen Bereichen. Sie kann Osteoporose vorbeugen, unterstützt die Gewichtsabnahme und senkt bei Diabetikern die Blutzuckerwerte. Auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten, etwa für Herzinfarkte, ist für bewegte Menschen niedriger. Bei Herzinsuffizienz-Patienten, für die früher das Prinzip von Ruhe und Schonung galt, kann regelmäßiges, dosiertes Training die Herzfunktion verbessern.

Sogar Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) profitieren von körperlicher Aktivität, so Professor Klaus Völker vom Institut für Sportmedizin der Universität Münster. COPD wird meist durch Rauchen verursacht. An der unheilbaren Krankheit leiden in Deutschland etwa Fünf Millionen Menschen. Weil Betroffene oft schon bei leichter Belastung an starker Atemnot leiden, meiden sie jede Anstrengung. Dadurch sinkt ihre Belastbarkeit aber immer weiter.

Bewegung ist jedoch auch möglich, ohne Patienten in Atemnot zu bringen, so Völker, der die Veranstaltung auf der Medica leiten wird. Etwa durch kurze Trainingsphasen. Das trainiert die Atemmuskulatur, fördert die Belastbarkeit und erleichtert das Atmen. Ein COPD-Patient kann dann vielleicht eine Treppe wieder in einer statt in zwei Etappen bewältigen, seine Wohnung wieder öfter verlassen und soziale Kontakte pflegen. Außerdem stimuliert regelmäßige Bewegung das Immunsystem, sodass Atemwegsinfekte seltener auftreten.

Mindestbelastbarkeit von 50 Watt erforderlich

Trainiert wird meist zweimal pro Woche für 45 bis 60 Minuten in speziellen Lungen-Sportgruppen. Für die Teilnahme ist eine Mindestbelastbarkeit von 50 Watt erforderlich, betont Völker. Das entspricht etwa den Anforderungen zwischen langsamem und etwas flotterem Gehen. Erste Trainingserfolge machen sich oft schon nach einigen Wochen bemerkbar. Wichtig ist allerdings, dass die Patienten das Training dauerhaft beibehalten. Krankenkassen bezahlen bis zu 60 Übungseinheiten als therapeutischen COPD-Sport.

Veranstaltung 414

Sinn und Nutzen der Sportmedizin in der täglichen Praxis

Samstag, 21. November, 10 bis 13 Uhr, CCD-Pavillon, 1. OG, Raum 16

Leitung: Professor K. Völker, Münster

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