IQWiG-Vorbericht

Autologe Chondrozytenimplantation unter der Lupe

Bei Knorpelschäden am Knie hat die matrixassoziierte autologe Chondrozytenimplantation einen mit Therapiealternativen mindestens vergleichbaren Nutzen. Zu diesem Fazit kommt das IQWiG nach Durchsicht kontrollierter Studien.

Veröffentlicht: 30.06.2020, 15:30 Uhr
Autologe Chondrozytenimplantation unter der Lupe

Welches Verfahren der autologen Chondrozytenimplantation bewährt sich bei Knorpelschäden am Knie? Das IQWiG hat recherchiert.

© psdesign1 / stock.adobe.com

Köln. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersucht im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) derzeit, inwieweit Erwachsene mit symptomatischem Knorpeldefekt des Knies, aber ohne fortgeschrittene Arthrose von einer autologen Chondrozytenimplantation (ACI) profitieren – periostgedeckt (ACI-P), kollagengedeckt (ACI-C) oder matrixassoziiert (M-ACI).

Für die matrixassoziierte ACI zeigten sich vorteilhafte Effekte, die auf einen mit den Therapiealternativen mindestens vergleichbaren Nutzen hindeuten, teilt das Kölner Institut jetzt in einem Vorbericht mit. Für die beiden anderen Verfahren, ACI-C und ACI-P, lasse sich dies nicht erkennen.

Knorpelschäden mit körpereigenen Zellen behandeln

Bei Erwachsenen mit Knorpeldefekten, die mehr als 50 Prozent der Knorpeltiefe betreffen oder die bis in den darunterliegenden Knochen reichen, kommt seit über 30 Jahren eine autologe Chondrozytenimplantation (ACI) zum Einsatz, die im Laufe der Zeit weiterentwickelt und modifiziert wurde, erinnert das IQWiG in einer Mitteilung zur Veröffentlichung des Vorberichts. Im Vergleich zu den beiden älteren Verfahren, der kollagengedeckten ACI (ACI-C) und der periostgedeckten ACI (ACI-P), sei heute die matrixassoziierte ACI (M-ACI) die meist verwendete Technik:

  • Bei der M-ACI werden kultivierte Knorpelzellen direkt in einer Trägermatrix fixiert und in die Knorpeldefektzone eingebracht.
  • Bei den beiden älteren Verfahren werden die angezüchteten Knorpelzellen in Form einer Zellsuspension in den Knorpeldefekt eingebracht und mittels Periost (ACI-P) oder einer Kollagenmembran (ACI-C) abgedeckt. Bei beiden Verfahren muss im Gegensatz zur M-ACI die Abdeckung mit Nähten fixiert und wasserdicht verschlossen werden.

In den zehn randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), deren Ergebnisse das IQWiG für seine Nutzenbewertung herangezogen hat, wurden die ACI-Verfahren verglichen mit operativen Therapiealternativen wie Mikrofrakturierung, Mosaikplastik, Abrasionsarthroplastik und autologer matrixinduzierter Chondrogenese.

„Eine Metaanalyse lieferte bezüglich Kniefunktion und Alltagsaktivitäten statistisch signifikante Effekte zugunsten der M-ACI, wenn auch nicht in eindeutig klinisch relevanter Größenordnung. Alle Ergebnisse zu weiteren Endpunkten der Studien zur M-ACI weisen fast ausnahmslos in Richtung eines Vorteils der M-ACI“, fasst das IQWiG in seinem Vorbericht zusammen. Insgesamt lasse sich auf Basis von sechs RCTs für die M-ACI ein mit den Therapiealternativen mindestens vergleichbarer Nutzen feststellen. Für die beiden älteren ACI-Verfahren sei auf Basis der teils inkonsistenten Ergebnisse von je zwei RCTs weder ein Nutzen der ACI-C und ACI-P erkennbar noch lasse sich ein vergleichbarer Nutzen feststellen.

Stellungnahmen zu dem jetzt veröffentlichten Vorbericht nimmt das IQWiG bis zum 27. Juli entgegen. (eb)

www.iqwig.de; Suche mit [N19-02]

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