Neue S3-Leitlinie

ADHS-Therapie je nach Schweregrad

Die neue S3-Leitlinie zu ADHS teilt die Krankheit erstmals in Schweregrade ein, an denen sich dann die Therapie ausrichtet.

Veröffentlicht: 20.07.2018, 12:35 Uhr

Ostfildern. Die Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine Erkrankung, die sich in der Kindheit manifestiert und bei bis zu 80 Prozent der Betroffenen im Erwachsenenalter persistiert. Bei Erwachsenen tritt die ADHS jedoch selten isoliert auf. Bei 80 Prozent der Betroffenen wird sie von Komorbiditäten begleitet, zum Beispiel von Depressionen, Angststörungen, Persönlichkeitsstörungen oder Abhängigkeitserkrankungen.

In die Therapieentscheidung sollten Patientenwunsch und –perspektive einbezogen werden. Erstmals empfiehlt die neue S3-Leitlinie "ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen" eine Therapie nach Schweregrad. Demnach sollen Patienten bei ADHS von leichtem Schweregrad primär psychosozial behandelt werden. In Einzelfällen kann bei behandlungsbedürftiger residualer ADHS ergänzend eine Pharmakotherapie angeboten werden.

Bei mittelgradiger ADHS soll in Abhängigkeit von den konkreten Bedingungen des Patienten und seines Umfelds nach umfassender Psychoedukation eine intensivierte psychosoziale oder/und pharmakologische Intervention angeboten werden.

Bei schwerer ADHS steht die Pharmakotherapie im Vordergrund. Im Erwachsenenalter ist eine Pharmakotherapie schon bei leichter und mittelschwerer ADHS eine primäre Option.

Ist eine medikamentöse Behandlung indiziert, sollen Stimulanzien wie Methylphenidat (z. B. Medikinet® adult), Amfetamin oder Lisdexamfetamin, Atomoxetin oder Guanfacin (nur bei Kindern zugelassen) in Betracht gezogen werden. Weil Konsumstörungen bei diesen Patienten sehr häufig sind, empfiehlt die Leitlinie in solchen Fällen, dass die Behandlung durch einen Spezialisten mit Kenntnissen in der Behandlung von ADHS und von Sucht erfolgen sollte.

Wichtig ist der multimodale Therapieansatz, hieß es bei einer von dem Unternehmen Medice unterstützten Veranstaltung. Patienten wünschen häufig alternative Verfahren, auch als Ergänzung zur Medikation. Hier gibt es eine Vielzahl von Angeboten, zu denen auch die tiergestützte Therapie gehört.

Sie kann die Motivation zur Behandlung fördern und über gezielte Verhaltensübungen Ressourcen aktivieren. Der Effekt durch den Einsatz eines Tieres kann beispielsweise durch den nonverbalen und nichtbewertenden Umgang mit dem Tier erklärt werden. (sh)

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