Direkt zum Inhaltsbereich

Forschung am Mausmodell

Adipositas-bedingte Hypertonie: Neue Mechanismen entdeckt

Forscher haben die Funktion von Astrozyten im Hypothalamus bei Adipositas-bedingter Hypertonie identifiziert. Zudem wiesen sie nach, dass das Hormon Leptin an der Hypervaskularisierung im Hypothalamus adipöser Mäuse beteiligt ist, was zur Hypertonie beiträgt.

Veröffentlicht:
Blutgefäße im transparent erscheinenden Gehirn eines adipösen Mausmodells.

Blutgefäße im transparent erscheinenden Gehirn eines adipösen Mausmodells.

© Helmholtz Zentrum München / Tim Gruber

München. Hypertonie ist ja eine weitverbreitete Begleiterkrankung von Adipositas. Forscher haben zudem in den vergangenen Jahren herausgefunden, dass es bei einer hochkalorischen Ernährung zu einer Hypervaskularisierung im Hypothalamus kommt. Sie vermuteten schon damals, dass ein erhöhter Leptin-Spiegel mit einem höheren Risiko für Hypertonie in Verbindung steht. Die genauen Mechanismen, die zur Verdichtung der Blutgefäße im Hypothalamus beitragen, waren jedoch nicht bekannt.

Jetzt hat ein Team um Professor Cristina García Cáceres vom Helmholtz Zentrum München entdeckt, dass Leptin für die Verdichtung der Gefäße im Hypothalamus hauptverantwortlich ist und dass dieser Prozess über Astrozyten vermittelt wird (Nature Metabolism 2021; 33(6):1155-1170).

Den Wissenschaftlern fiel in ihren Untersuchungen auf, dass adipöse Mäuse keine Hypervaskularisierung im Hypothalamus ausbildeten, wenn ihnen das Hormon Leptin fehlte. Leptin wird vom Fettgewebe produziert, ist an der Steuerung von Hunger- und Sättigungsgefühl beteiligt und spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Fettstoffwechsels von Menschen und Säugetieren, erinnert das Helmholtz Zentrum in einer Mitteilung aus Anlass der Publikation.

Forschungsergebnisse sind „Paradigmenwechsel“

Erhöhten die Forscher den Leptin-Spiegel, so kurbelten Astrozyten die Produktion eines bestimmten Wachstumsfaktors (HIF1α-VEGF, hypothalamic astroglial hypoxia-inducible factor 1α-vascular endothelial growth factor) an. Dieser wiederum förderte das Wachstum der Gefäße. Das Ergebnis war eine Hypervaskularisierung im Hypothalamus (und keiner anderen Gehirnregion). Damit wiesen García Cáceres und ihr Team nach, dass Leptin für die Verdichtung der Gefäße im Hypothalamus hauptverantwortlich ist und dieser Prozess über die Astrozyten vermittelt wird.

„Wir liefern einen Paradigmenwechsel im Verständnis, wie der Hypothalamus den Blutdruck bei Adipositas kontrolliert“, wird Erstautor Dr. Tim Gruber in der Mitteilung zitiert. „Während sich die bisherige Forschung hauptsächlich auf Neuronen konzentrierte und Astrozyten in der Vergangenheit als weniger relevant galten, unterstreicht unsere Forschung die zusätzliche Rolle der Astrozyten bei der Kontrolle des Blutdrucks.“

Eine wichtige Frage wird laut Studienleiterin García Cáceres künftig sein, wie genau die Astrozyten mit den Neuronen kommunizieren. „Wir haben begonnen, diese Frage mithilfe von Echtzeitdarstellung der Aktivität in Astrozyten-Neuronen-Schaltkreisen im Hypothalamus über in-vivo-Mikroskopie zu beantworten“, so die Forscherin mit Blick in die Zukunft. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Viele Betroffene sind übergewichtig

Osteoarthrose: GLP1-Rezeptoragonisten als neue Option?

Neue Terminologie

Warum PCOS zu PMOS wurde und was das mit Diabetes zu tun hat

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG
Abb. 1-- Zeit bis zum ersten Ereignis (Tod durch jegliche Ursache oder kardiovaskuläres Ereignisb) in der Gesamtpopulation (a) bzw. in der Monotherapie-Population (b).

© Springer Medizin Verlag

Mit Vutrisiran früh kausal behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vor weiterführender Diagnostik

Muss ein erhöhter PSA-Wert immer bestätigt werden?

Einschätzung von Kollegen

Wenn die Telefon-AU wegfällt: Was das für den Praxisalltag bedeutet

Mehrere Milliarden Dosen verimpft

Review bestätigt: mRNA-Impfungen sind sicher und wirksam

Lesetipps
Tablets to maintain the correct functioning of the human cardiovascular system on a blue background close-up

© bisonov / stock.adobe.com

Kombi schlägt Monotherapie

Diese Blutdrucksenker werden am besten vertragen