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Studie

Ängstliche sind bei Herzattacke im Vorteil

Frauen mit Angststörung nehmen Symptome eines Herzinfarkts früher ernst und lassen sich schneller behandeln. Das verbessert ihre Überlebenschancen.

Von Marco Hübner Veröffentlicht:

MÜNCHEN. Angst schützt den Menschen vor Gefahren. Dass sogar eine Angststörung bei einem Herzinfarkt helfen kann, fand ein Team um Professor Karl-Heinz Ladwig von der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München heraus.

Für die Untersuchung nutzten sie Daten aus der MEDEA-Studie(Munich Examination of Delay in Patients Experiencing Acute Myocardial Infarction), in der 619 Infarktpatienten noch im Krankenhaus innerhalb von 24 Stunden nach Verlassen der Intensivstation befragt und weitere Daten wie Ankunftszeit in der Klinik und Krankheitsverlauf erhoben wurden (Clin Res Cardiol 2018; online 30. Januar).

Rund 12 Prozent der Erkrankten in der Studie litten unter einer Angststörung. In der akuten Herzinfarkt-Situation reagierten sie schneller und kamen früher in die Notaufnahme, teilt die TUM mit. Besonders deutlich war der Unterschied zwischen weiblichen Infarktpatienten ohne und mit Angststörungen: Letztere erreichten im Durchschnitt 112 Minuten nach Infarktbeginn die Klinik, die Vergleichsgruppe ohne Angststörung brauchte rund zwei Stunden länger. Viele wissenschaftliche Studien haben zeigen können, dass bei einem akuten Herzinfarkt schon jede halbe Stunde für das Überleben entscheidend ist, erklärt Ladwig in der Mitteilung.

Ängstliche Menschen sind sensibler in ihrer eigenen Körperwahrnehmung.

Ängstliche Menschen sind sensibler in ihrer eigenen Körperwahrnehmung.

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Diesen schützenden Effekt einer Angsterkrankung konnte das Team allerdings nur bei Frauen und nicht bei Männern statistisch verlässlich nachweisen. Bei Letzteren war aber ebenfalls ein positiver Trend zu erkennen: sie ließen sich im Durchschnitt 48 Minuten früher behandeln.

"Personen mit Angsterkrankungen haben zwar ein höheres Risiko für einen Infarkt, überleben diesen aber meist eher. Einen wichtigen Faktor hierfür zeigen unsere Daten.", erklärt Ladwig und ergänzt: "Angstgestörte Menschen können häufig sensibler auf ihre gesundheitlichen Bedürfnisse reagieren. Das sollten Ärzte auch immer sehr ernst nehmen. Sie sind auch entscheidungsstärker, wenn es um das Annehmen von Hilfe geht. So kann eine Krankheit auch helfen, vor einer anderen schweren Erkrankung zu schützen."

Jedoch, auch das zeigte die Studie, sind die seelischen Kosten für den Überlebensvorteil hoch: Angstpatienten leiden deutlich mehr als die nichtbelastete Vergleichsgruppe unter Stress, extremer Müdigkeit und eingeschränktem allgemeinen Wohlbefinden. Die Forscher wollen in weiteren Studien auch kulturelle Unterschiede berücksichtigen. Sie planen eine ähnliche Studie in Shanghai.

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