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Unfallchirurgie

Ärzte fordern mehr Nachsorge bei Unfallopfern

Die langfristige Lebensqualität von Unfallopfern muss verbessert werden, forderten Ärzte auf dem Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie.

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BERLIN. Gut 60 Prozent der Unfallopfer haben zwei Jahre nach dem Ereignis noch dauerhafte Schmerzen, 30 Prozent klagen über psychische Probleme und knapp ein Drittel kann den Beruf nicht mehr ausüben.

Das hat eine Studie zur Langzeitprognose von Unfallopfern ergeben (Injury 2014; 45 (S3): 100). Die Ergebnisse wurden jetzt beim Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) vorgestellt.

129 Opfer von meist schweren Verkehrsunfällen waren zwei Jahre nach dem Ereignis befragt worden. Das Überleben stand zunächst im Mittelpunkt der Therapie, berichtet die DKOU in einer Mitteilung.

"Das reicht nicht aus, wir müssen auch alles tun, um die Lebensqualität zu erhalten", sagte Professor Bertil Bouillon aus Köln dazu. Er ist Mitautor der Studie und einer der Kongresspräsidenten.

Bouillon nennt als Beispiel einen jungen Tontechniker, der nach einem Motorradunfall schwere Verletzungen an Kopf, Bauch, Wirbelsäule und Oberarm erlitten hatte. Der 27-Jährige leidet seit dem Unfall an einer Hörstörung und kann deshalb nicht mehr in seinem Beruf arbeiten.

Die Hörstörung ist vermutlich auf eine Antibiotikatherapie gegen eine nosokomiale Pneumonie zurückzuführen. "Bei einer Therapie müssen wir immer auch Nutzen und mögliche Folgen für den Patienten abwägen und diese auf seine individuelle Lebenssituation und Erfordernisse abstimmen", erklärte Bouillon.

Nach der Studie fühlten sich zwei Drittel der Unfallopfer schwerer Unfälle noch zwei Jahre nach dem Ereignis in unterschiedlichen Lebensbereichen stark beeinträchtigt - von chronischen Schmerzen bis hin zu eingeschränkter Mobilität.

 Immerhin 70 Prozent konnten in ihren früheren Beruf zurückkehren; 30 Prozent klagten jedoch über sozioökonomische Probleme. Ebenfalls knapp ein Drittel litt unter einer psychischen Störung. Eine große Mehrheit der Unfallopfer musste nach dem ersten Krankenhausaufenthalt weitere Male stationär behandelt werden; 35 Prozent erhielten nach zwei Jahren immer noch Medikamente, die im Zusammenhang mit den Unfallverletzungen standen.

Zwar hat sich die Sterberate von Schwerverletzten durch Initiativen wie zum Beispiel Traumazentren in den vergangenen Jahren halbiert. "Darauf dürfen wir uns nicht ausruhen", erklärt Bouillon.

Weitere Fortschritte seien nun durch eine langfristige Betrachtung und individualisierte Behandlung zu erzielen. "Auch psychische und sozioökonomische Folgen eines Unfalls sollten künftig ein noch stärkerer Bestandteil der Rehabilitation sein", fordert Bouillon.

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