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Akupunktur lindert tatsächlich Kopfschmerz

Akupunktur kann kurz- und mittelfristig MigräneAttacken und Spannungskopfschmerzen vorbeugen. Doch offenbar ist es fast egal, wo die Nadeln sitzen.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:

Auch wenn sich weiterhin darüber streiten lässt, ob Akupunkturpunkte von Bedeutung sind oder ob es nur darauf ankommt, überhaupt irgendwohin zu stechen: Die Ergebnisse von zwei großen Meta-Analysen lassen kaum noch Zweifel an einer kurz- und mittelfristigen Wirksamkeit der Akupunktur bei Kopfschmerzpatienten. Zur Schmerzprophylaxe ist das Verfahren mitunter sogar besser als eine Behandlung mit Medikamenten, berichtet Privatdozent Klaus Linde vom Zentrum für Naturheilkundliche Forschung der TU München in der Cochrane Library.

Studien mit über 6700 Patienten analysiert

Linde und seine Mitarbeiter haben für die Cochrane Collaboration 22 Studien mit über 4400 Patienten zu Akupunktur bei Migräne ausgewertet, in einer weiteren Analyse elf Studien mit etwa 2300 Patienten mit Spannungskopfschmerzen. Die Studien mussten mindestens acht Wochen dauern und über eine Kontrollgruppe verfügen, in der entweder eine medikamentöse Therapie, keine Behandlung, Scheinakupunktur oder andere nicht-medikamentöse Verfahren wie Massage oder Entspannungstechniken verglichen wurden.

Von den elf Studien zu Spannungskopfschmerzen prüften Ärzte in zwei großen Studien, ob Akupunktur bei Patienten, die bei schweren Schmerzen medikamentös behandelt werden, einen Zusatznutzen hat. Hierbei war die Kombination Akupunktur plus Medikamente einer rein medikamentösen Therapie deutlich überlegen: Zu einer Reduktion der Kopfschmerztage um mindestens die Hälfte kam es bei 47 Prozent der Patienten mit Akupunktur, aber nur bei 16 Prozent mit alleiniger Schmerzmitteltherapie.

In sechs Studien zu Spannungskopfschmerzen wurde die Akupunktur mit einer Scheinbehandlung verglichen. Dabei setzten die Therapeuten die Nadeln entweder nicht an die korrekten Akupunkturpunkte oder sie penetrierten die Haut nicht. In diesen Studien gab es zwar einen signifikanten Unterschied zwischen korrekter Akupunktur und der Scheinbehandlung, die Differenz war jedoch nicht sehr groß: Bei 50 versus 41 Prozent der Patienten sank die Zahl der Kopfschmerztage um mindestens die Hälfte.

In vier Studien wurde die Akupunktur bei Spannungskopfschmerzen mit Physiotherapie, Massage oder Entspannungsübungen verglichen. Hierbei war die Akupunktur den anderen Verfahren leicht unterlegen. Da diese Studien Mängel hatten, lassen sich die Ergebnisse jedoch nur schwer interpretieren, so Linde.

Ein ähnliches Bild ergab sich in den 22 Studien mit Migränepatienten. In sechs zum Teil sehr großen Untersuchungen wurde Akupunktur zu Anfallsprophylaxe geprüft, wobei die Kontrollgruppe keinerlei Prophylaxe bekam. Hierbei lag die Erfolgsquote - definiert als Halbierung der Anfallsfrequenz - mit Akupunktur etwa bei 50 Prozent, ohne bei 25 Prozent. Auch die Zahl der Kopfschmerztage sowie die Schmerzintensität war sowohl nach zwei als auch nach drei bis vier Monaten mit Akupunktur deutlich niedriger als ohne. In der einzigen Langzeitstudie blieb der Erfolg auch noch nach neun Monaten bestehen.

Wurde - wie in 14 der Studien - jedoch Akupunktur mit verschiedenen Schein-Akupunkturverfahren bei Migräne verglichen, ergaben sich keine signifikanten Unterschiede: Die Zahl der Kopfschmerztage sank in beiden Gruppen ähnlich stark, die Anfallsfrequenz war ähnlich hoch und auch der Gebrauch von Analgetika unterschied sich nicht signifikant in den beiden Gruppen.

Mit Akupunktur weniger unerwünschte Wirkungen

Etwas besser schnitt Akupunktur im Vergleich zur medikamentösen Prophylaxe, etwa mit Betablockern, ab. Die Ansprechrate war in vier Studien mit Akupunktur um etwa 20 bis 35 Prozent höher, die Rate unerwünschter Wirkungen zugleich um die Hälfte niedriger als mit Arzneien.

Auf den ersten Blick, so Linde, erscheinen diese Ergebnisse etwas widersprüchlich. So eignet sich Akupunktur zur Prophylaxe mindestens so gut wie Arzneien, allerdings ist es offenbar wenig relevant, wo Ärzte die Nadeln setzen. Linde bietet mehrere Erklärungen zur Diskussion an.

So ist der Placebo-Effekt bei Akupunktur möglicherweise besonders hoch: Der intensive Kontakt zum Therapeuten, eine leicht schmerzhafte Prozedur und eine entspannende Situation während der Sitzungen - das alles verstärkt wohl die Placebowirkung. Diskutiert wird auch, dass die Nadeln Nervenfasern stimulieren, besonders die nicht-myelinisierten C-Fasern, und so die Schmerzwahrnehmung beeinflussen. Ein weiterer wichtiger Punkt: Außer in Studien mit Scheinakupunktur war keine Verblindung möglich. Viele Patienten brachen die Studien ab, als sie der Kontrollgruppe zugeteilt wurden, weil sie auf die Akupunktur gehofft hatten. Dies, sowie die offensichtlich positive Erwartungshaltung der Patienten mit Akupunktur, könne ebenfalls die Ergebnisse verzerrt haben. Vermutlich, so Linde, treten diese Effekte alle zusammen auf und ergeben eine gute Gesamtwirksamkeit der Akupunktur.

Lesen Sie dazu auch: Akupunktur hilft - egal, wo die Nadeln sitzen

Lesen Sie dazu auch das Interview: "Akupunktur wirkt nicht nur, wenn man daran glaubt"

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