Direkt zum Inhaltsbereich

Urologie

Akutes Skrotum bei Erwachsenen meist infektiös

Forscher haben die Ursachen für das akute Skrotum bei erwachsenen Patienten analysiert.

Veröffentlicht:

VALENCIA. Eine besonders gefährdete Altersgruppe für das akute Skrotum sind bekanntlich Jungen vor der Pubertät, weil hier Hoden- und Hydatidentorsionen häufiger auftreten als in höheren Altersgruppen. Im Erwachsenenalter geht das akute Skrotum häufiger auf entzündliche Ursachen zurück. Das belegen Ergebnisse einer prospektiven Studie, für die Urologen um Laura Lorenzo von der Uniklinik La Fe in Valencia in der Zeit von November 2013 bis September 2014 insgesamt 669 Patienten untersucht haben, die wegen eines akuten Skrotums in die Notfallambulanz der Klinik gekommen waren (Urology 2016; 94: 36-41). Die Patienten waren zwischen 15 und 93 und im Mittel 40,2 Jahre alt.

Entzündliche Ursachen überwogen, 28,7 Prozent der Fälle lag eine Orchiepididymitis, 28,4 Prozent eine Epididymitis und 10,3 Prozent eine Orchitis zugrunde. Hinzu kamen Zysten des Nebenhodens (3,4 Prozent), testikuläre Raumforderungen (2,7 Prozent; fünf Patienten wurden einer radikalen Orchiektomie aufgrund eines Tumors unterzogen) und Abszesse (0,7 Prozent). Noch seltener ging das akute Skrotum auf eine Hydrozele (0,3 Prozent) oder eine Hodentorsion (0,3 Prozent) zurück.

Bei 57,8 Prozent der Patienten wurden eine oder mehrere Laboruntersuchungen veranlasst. Blutanalysen fanden in 45,6 Prozent der Fälle statt, 41,0 Prozent davon fielen pathologisch aus. 47,7 Prozent der Patienten gaben Urinproben ab, die in 27,6 Prozent positive Befunde ergaben. Die Wahrscheinlichkeit, auf abnorme Laborergebnisse zu stoßen, war bei einer entzündlichen Ätiologie höher, sie stieg zudem mit zunehmendem Lebensalter der Patienten.

Urinkulturen wurden von 11,7 Prozent der Patienten angelegt (32 Prozent positiv) - eine Zahl, die die Forscher angesichts des hohen Anteils entzündlicher Ursachen erstaunt. "Auch wenn Urinkulturen in Abwesenheit von Harnwegssymptomen häufig negativ ausfallen, sollte jeder Verdacht einer testikulären oder epididymalen Entzündung durch eine Kultur abgeklärt werden", so die Autoren.Auffällig ist zudem die geringe Zahl von Sonografien des Skrotums. Nur 15,2 Prozent der Patienten wurden per Ultraschall untersucht, obwohl es sich bei der Sonografie um die diagnostische Methode mit dem höchsten Stellenwert in der Differenzialdiagnostik von Hodenerkrankungen handelt. Lorenzo und Mitarbeiter führen dies darauf zurück, dass Patienten bei klinischem, durch die Anamnese und die körperliche Untersuchung begründetem Verdacht auf eine Entzündung gleich empirisch behandelt wurden. Wo kein Verdacht auf eine entzündliche Genese vorgelegen habe, seien die Patienten womöglich umgehend an die urologische Ambulanz verwiesen worden. (rb)

Mehr zum Thema

Aktive Überwachung

Prostatakrebs: Urintest kann Biopsien ersparen

Seltene Erkrankungen

Geht an die Nieren: AA-Amyloidose

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Porträt: xxx

© Porträt: Alexander Sahi

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin
Abb. 1: Diagnostik bei Harnsteinen: Prozedere bei Hochrisiko-Gruppe

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5, 11]

Hoher Medical Need

Urolithiasis: Metaphylaxe kann hohe Rezidivrate deutlich senken

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Aristo Pharma GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Therapie mit Glukokortikoiden

Was beim Absetzen von Steroiden zu beachten ist

Abrechnung nur noch über EBM?

Ambulantes Operieren: Regierung plant Ende der Hybrid-DRG

Lesetipps
Ein Mann muss aufstoßen und hält sich die Hand vor den Mund.

© Andrey Popov / stock.adobe.com

Vier Ursachen im Überblick

Häufiges Aufstoßen: Woher es kommen kann und wie therapiert wird