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Atopisches Ekzem

Allergierisiko am Erkrankungsalter ablesen

Die atopische Dermatitis kann bei Kindern offenbar in Abhängigkeit des Erkrankungsalters und des Symptomverlaufs in vier Untergruppen unterteilt werden. Dabei zeigen sich vor allem hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit eines Etagenwechsels große gruppenspezifische Unterschiede.

Von Dr. Dagmar Kraus Veröffentlicht:
Atopischer Dermatitis: Entwickeln sich Symptome früh, sind Kinder besonders allergiegefährdet.

Atopischer Dermatitis: Entwickeln sich Symptome früh, sind Kinder besonders allergiegefährdet.

© Oliver Berg/picture-alliance/dpa

ZÜRICH. In den Industriestaaten leiden mehr als 20 Prozent der Kinder an einer atopischen Dermatitis. Bei über 60 Prozent treten die ersten Symptome bereits vor dem zweiten Lebensjahr auf. Zwar "wächst" sich bei einem Teil der kleinen Patienten die Problematik aus, doch gilt die atopische Dermatitis als erstes Indiz für eine atopische Veranlagung. Gefürchtet ist in diesem Zusammenhang vor allem ein späterer Etagenwechsel hin zum allergischen Asthma oder einer Nahrungsmittelallergie.

Doch auch wenn der Zusammenhang zwischen atopischer Dermatitis, Asthma und Heuschnupfen eindeutig nachgewiesen ist, ist man von der Vorstellung einer einheitlichen Allergiker-Karriere abgerückt. Mittlerweile geht man vielmehr davon aus, dass das Risiko für weitere Allergien in Abhängigkeit von Manifestationszeitpunkt und Verlauf der atopischen Dermatitis deutlich variiert. Entsprechend hat man sich daran gemacht, Untergruppen zu identifizieren.

Daten aus europaweiter Studie

Die Kinderärztin Carolin Roduit vom Universitätsspital in Zürich und ihre Kollegen haben dazu auf die Daten der PASTURE (Protection against Allergy Study in Rural Enviroments)-Studie zurückgegriffen. Eine große europaweite Studie in der nach Faktoren gefahndet wurde, die eine atopische Dermatitis bei Kindern begünstigen oder verhindern helfen.

Tatsächlich konnten die Forscher anhand der Daten von insgesamt 1038 Kindern im Rahmen einer Latent-Class-Analyse vier phänotypische Subgruppen definieren (JAMA Pediatr 2017; online 22. Mai). Kinder mit einem frühen transienten Phänotyp (n = 96; 9,2 Prozent) entwickeln bereits innerhalb der ersten zwei Lebensjahre AD-Symptome, sind jedoch nach dem vierten Geburtstag wieder völlig beschwerdefrei. Kinder mit einem frühen persistierenden Phänotyp (n = 67; 6,5 Prozent) erkranken zwar ebenfalls sehr früh, die atopische Dermatitis bleibt allerdings bis zum Alter von sechs Jahren bestehen. Kinder, deren atopische Dermatitis dem späten Phänotyp zuzuordnen ist (n = 50; 4,8 Prozent), entwickeln erst nach dem zweiten Lebensjahr die ersten Hautsymptome. Beim sporadischen Phänotyp (n = 825; 79,5 Prozent) wiederum treten nur vereinzelt oder gar keine Symptome auf.

Risiko bei Allergiker-Eltern erhöht

Auffällig war, dass das Risiko der Kinder, an einer atopischen Dermatitis vom frühen persitierenden Phänotyp zu erkranken, fünffach erhöht war, wenn beide Eltern Allergiker waren.

Die verschiedenen Phänotypen waren mit unterschiedlichen Risiken für weitere Allergien assoziiert. Bei Kindern, die bereits sehr früh in ihrem Leben erste Hautsymptome zeigten, wurden in den nächsten Jahren deutlich häufiger Nahrungsmittelallergien diagnostiziert als bei Kindern anderer Phänotypen. Beim frühen transienten Phänotyp war das Risiko mehr als dreimal so hoch (OR 3,71; 95%-KI 1,66-8,26), beim frühen persistierenden Phänotyp stieg es sogar um mehr als das Siebenfache (OR 7,79; 95%-KI 3,42-17,73). Auch das Asthmarisiko variierte je nach Phänotyp und war bei Kinder mit früh einsetzenden und persistierenden Symptomen deutlich erhöht (OR 2,87; 95%-KI 1,31-6,31). Im Vergleich zum späten Phänotyp lag der Anteil der an Asthma erkrankten Kinder in der Subgruppe des frühen persistierenden Phänotyps mehr als doppelt so hoch (7,5 vs. 17,5 Prozent). Der frühe persistierende (OR 4,04; 95%-KI 1,82-8,95) sowie der späte Phänotyp (OR 3,23; 95%-KI 1,37-7,61) waren wiederum mit einem erhöhten Risiko für eine allergische Rhinitis assoziiert.

Abhängig vom Erkrankungsalter und -verlauf lassen sich bei Kindern vier verschiedene Phänotypen der atopischen Dermatitis unterscheiden, so das Resümee der Schweizer Kinderärzte. Die verschiedenen Phänotypen seien wiederum mit einem unterschiedlichen Allergierisiko assoziiert, wobei Kinder mit frühem persistierendem Phänotyp besonders allergiegefährdet seien, wie Roduit und ihre Kollegen betonen. Sie hoffen, mit der Identifizierung von Subgruppen wichtige Anhaltspunkte für die Entwicklung wirksamer Präventionsstrategien geliefert zu haben.

Phänotypen

» Früher transienter Typ: Kinder entwickeln Symptome der atopischen Dermatitis innerhalb der ersten zwei Lebensjahre und sind nach dem vierten Geburtstag wieder beschwerdefrei.

» Früher persistierender Typ: Kinder erkranken sehr früh, die atopische Dermatitis bleibt bis zum Alter von sechs Jahren bestehen.

» Später Typ: Erster Hautsymptome entwickeln sich nach dem zweiten Lebensjahr.

» Sporadischer Typ: Es treten nur vereinzelt oder gar keine Symptome auf.

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