Aufwachsen im Grünen

Allergieschutz oder Risiko?

Eine Studie zu Allergien und Natur in zwei Regionen Deutschlands brachte widersprüchliche Ergebnisse.

Veröffentlicht: 24.07.2014, 12:26 Uhr

NEUHERBERG. Wie beeinflusst die Umwelt die Entwicklung von Allergien? Das haben Elaine Fuertes vom Helmholtz Zentrum München und Kollegen untersucht (JECH 2014, online 26. Mai).

Sie haben dazu Daten zur Allergiehäufigkeit von zwei prospektiven Geburtskohorten mit 5803 Kindern (GINIplus und LISAplus) analysiert: in der Region München und in ländlichen Regionen des Ruhrgebiets. Die Kinder waren jährlich vom dritten bis zum zehnten Lebensjahr auf Symptome einer allergischen Rhinitis hin untersucht worden.

Allergie-bedingte Rhinitis-Symptome waren bei den Kindern im Alter von vier, sechs und zehn Jahren erhoben worden; auch wurde die Sensibilisierung mit Aeroallergenen im Alter von sechs und zehn Jahren überprüft.

Als Maßzahl für die Vegetation im Lebensraum der Kinder wurde die Dichte an Wiesen und Wäldern mit dem Normalized Difference Vegetation Index (NDVI) auf der Basis von Satellitenbildern ermittelt.

Die Analyse der Allergiehäufigkeit in Gegenden mit ähnlicher Begrünungsdichte ergab dabei für Nord und Süd ein gegensätzliches Bild: So hatten Kinder in der Region München überdurchschnittlich häufig allergische Rhinitis (Odds Ratio 1,16).

Bei Kindern aus ländlichen Ruhrgebietsregionen war das Gegenteil der Fall. Hier schien es, als biete die grüne Umgebung in den ersten zehn Lebensjahren einen gewissen Schutz vor allergischer Rhinitis und der Sensibilisierung mit Aeroallergenen (OR 0,75 und 0,78).

Auch wenn Faktoren wie Bevölkerungsdichte, sozialökonomischer Status und Luftverschmutzung mitberücksichtigt wurden, ließ sich dieser Widerspruch nicht auflösen.

Die Autoren spekulieren, dass die Art der Bepflanzung eine Rolle spielen könnte. Möglicherweise seien die vielen künstlich angelegten Grünflächen in der südlichen Region stärker allergen. Zudem zeigten sich die höchsten Allergieraten in Regionen mit hoher Luftverschmutzung, was die These stützt, dass diese das allergene Potenzial der Pollen steigert.

Die eher ländlichen Gegenden im Norden dagegen, so die Autoren, schützen möglicherweise durch frühen und umfangreichen Allergenkontakt, was sich wiederum am stärksten in Arealen mit der geringsten Luftverschmutzung zeigt.

Der Frage, welchen Einfluss das Leben im Grünen bei Kindern auf die Allergieentwicklung hat, sind die Autoren keinen Schritt näher gekommen. Aber sie haben eine andere Erkenntnis gewonnen: Studien zu Begrünungsdichte und Allergien sollten mit Vorsicht interpretiert werden, wenn nur eine einzige Region untersucht wurde. (St)

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