Alte Läufer haben oft viel Koronarkalk

MANNHEIM (wst). Alte Marathonläufer haben oft eine ausgeprägtere Koronarsklerose als ihr Risikofaktorenprofil vermuten läßt. Wie sich dieser Befund auf die Prognose auswirkt und wie Betroffene sowie ihre Ärzte damit umgehen sollen, ist noch offen.

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Alte und junge Läufer nehmen gemeinsam am Boston Marathon in den USA teil.

Alte und junge Läufer nehmen gemeinsam am Boston Marathon in den USA teil.

© Foto: dpa

Marathonläufer erleiden trotz ihres guten Risikofaktorenprofils zwar selten aber doch immer wieder mal während oder nach einem Lauf ein kardiovaskuläres Ereignis. Das hat eine Studiengruppe um Privatdozent Stefan Möhlenkamp aus Essen veranlasst, zu prüfen, wie es um das Herz von älteren Marathonläufern bestellt ist.

Wie Möhlenkamp bei einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim berichtet hat, wurden dazu 108 Männer, im mittleren Alter von 57 Jahren, die in den vergangenen drei Jahren mindestens fünf Marathonwettkämpfe erfolgreich abgeschlossen hatten, eingehend untersucht. Weitere Voraussetzung für die Teilnahme an der Studie war, dass keine Herzkrankheit und kein Diabetes bekannt waren.

Es überraschte wenig, dass sich die 108 Studienteilnehmer mit einem überdurchschnittlich günstigen kardiovaskulären Risikoprofil präsentierten. Ihr mittlerer BMI hatte einen Wert von 24 kg/m2. Er war damit um 15 Prozent niedriger als der eines gleichaltrigen Durchschnittsmannes. Der systolische Blutdruck lag im Mittel bei 121 mmHg und war damit um 12 Prozent niedriger als im allgemeinen Durchschnitt gleichaltriger Personen. Das LDL-Cholesterin der Marathonläufer lag bei 121 mg/dl (18 Prozent weniger als im Vergleich zur Bevölkerung) und das HDL-Cholesterin bei 74 mg/dl (42 Prozent mehr).

Insgesamt wurde bei den Studienteilnehmern ein Framingham-Risiko-Score von 7,0 und damit ein um 51 Prozent günstigerer Wert als im Schnitt der Altersgenossen errechnet.

Angesichts dieser hervorragenden Voraussetzungen lieferte dann aber die Koronarkalkmessung mit CT eine herbe Überraschung: Rund 36 Prozent der Probanden und damit ein eben so großer Anteil wie in der gleichalten männlichen Allgemeinbevölkerung hatten einen kritischen Kalkscore von über 100. Von gleichaltrigen nicht laufenden Kontrollpersonen, die im Schnitt einen ebenso günstigen Framingham-Risikosore wie die Marathonläufer hatten, erreichte nur 22 Prozent und damit signifikant weniger einen bedenklichen Kalkscore von über 100.

Möhlenkamp glaubt nun aber nicht, dass Marathonlaufen und das dazu erforderliche exzessive Training eine Koronarsklerose voran treibt. Vielmehr gehen er und seine Kollegen davon aus, dass der bei den Läufern beobachtete Koronarkalk eine Altlast aus ungesunden Vormarathonzeiten ist. Denn viele seiner Probanden haben erst in fortgeschrittenen Jahren mit dem regelmäßigen Laufen begonnen und immerhin 57 Prozent haben mal geraucht.

Ob nun aber Marathonlaufen bei einer solchen Altlast eher günstig oder eher schädlich für die Prognose ist, konnte Möhlenkamp noch nicht sagen.

Marathonläufer haben meist wenige Risikofaktoren.

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