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Kranke Muskelberge

Anabolika schaden dem Herzen langfristig

Die Langzeiteinnahme von anabolen Steroiden hat beträchtliche Folgen für das Herz. Bei Freizeitsportlern fanden Forscher in einer Studie gravierende, nicht-umkehrbare Schäden – und dass Anabolika noch andere Erkrankungen auslösen.

Von Veronika Schlimpert Veröffentlicht:
Dicke Muskeln, schwaches Herz: Wer Anabolika langfristig einnimmt, schadet dem Herz mehrfach – so eine Langzeitstudie

Dicke Muskeln, schwaches Herz: Wer Anabolika langfristig einnimmt, schadet dem Herz mehrfach – so eine Langzeitstudie

© MAXFX / Stock.Adobe.com

BOSTON. Freizeitsportler, die Anabolika zum Muskelaufbau einnehmen, müssen wohl mit erheblichen kardialen Langzeitschäden rechnen. Einer aktuellen Beobachtungsstudie zufolge wird sowohl die systolische als auch die diastolische Ventrikelfunktion durch den regelmäßigen Konsum stark beeinträchtigt (Circulation 2017; 135:1991–2002).

Zudem wiesen die untersuchten Anabolika-Konsumenten bereits erste Anzeichen einer koronaren Herzerkrankung auf.

"Ärzte, die bei Männern im jüngeren bis mittleren Alter eine unerklärbare linksventrikuläre Dysfunktion oder Anzeichen einer koronaren Herzerkrankung feststellen, sollten deshalb eine durch anabole Steroide induzierte Kardiotoxizität als Differenzialdiagnose in Betracht ziehen", raten die Studienautoren um Dr. Aaron Baggish vom Massachusetts General Hospital in Boston.

Seit den Achtzigerjahren ist die Einnahme anaboler Steroiden – der bekannteste Vertreter der sogenannten Anabolika – bei Sportlern weitverbreitet. Die Personen, die damals mit der Einnahme begonnen hätten, würden jetzt ein Alter erreichen, in dem die Spätfolgen des dauerhaften Konsums sichtbar werden, machen Baggish und Kollegen deutlich.

Mehrheit der Konsumenten ist Freizeitsportler

Der unerlaubte Konsum der synthetisch hergestellten Testosteron-Präparate ist dabei keinesfalls auf den Leistungssport beschränkt: circa 80 Prozent der Anwender sind Freizeitsportler. In Deutschland nehmen schätzungsweise 200.000 Menschen anabole Steroide ein.

Wie die Studienautoren betonen, haben sie auch in ihrer Untersuchung keine Leistungssportler untersucht. Vielmehr handelte es sich um 140 Männer in einem Alter zwischen 34 und 54 Jahren, die in ihrer Freizeit Gewichte stemmten.

Zur Leistungssteigerung haben 86 Teilnehmer über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren anabol-androgene Steroide eingenommen, 58 von ihnen taten dies zum Untersuchungszeitraum immer noch. 54 der Gewichtheber verwendeten keine Anabolika und dienten als Kontrolle.

41 der Anabolika konsumierenden Teilnehmer (71 Prozent) wiesen bereits eine eingeschränkte Pumpfunktion des linken Ventrikels auf (linksventrikuläre Ejektionsfraktion (EF) <52 Prozent); bei den Kontrollen waren dagegen nur zwei Personen betroffen.

Generell war die EF bei den Anabolika-Nutzern signifikant geringer als bei den Kontrollen (52 ± 11 Prozent vs. 63 ± 8 Prozent; p<0,001). Die Ejektionsfraktion der Gewichtheber, die die Einnahme eingestellt hatten, war wiederum normal. Die Autoren vermuten, dass sich die Pumpfunktion des linken Ventrikels erholen kann, sobald die Einnahme gestoppt wird.

Teilweise irreversible Schäden

Die diastolische Funktion dagegen blieb selbst bei den Teilnehmern, die ihren Anabolika-Konsum bereits eingestellt hatten, weiterhin reduziert (frühe linksventrikuläre Relaxationsgeschwindigkeit 10,1 vs. 11,1 cm/s bei den Kontrollen). Die Steroid-Einnahme verursachte hier wahrscheinlich dauerhafte, nicht-reversible Schäden, folgern die Forscher aus diesem Befund.

Nicht überraschend hat die anabole Wirkung der Testosteron-Präparate bei den Konsumenten auch zu einer Vergrößerung der linken Herzkammer geführt. Das Ausmaß der Hypertrophie korrelierte mit der systolischen und diastolischen Ventrikelfunktion.

Neben diesen offensichtlichen Einwirkungen auf die Herzmuskel-Funktion scheinen Anabolika auch die Entstehung einer Atherosklerose und einer koronaren Herzerkrankung zu beschleunigen. So fanden sich bei den Anabolika-Konsumenten in der CT-Angiografie häufiger Koronarplaques und die lebenslang eingenommene Anabolika-Dosis korrelierte stark mit dem Ausmaß des atherosklerotischen Befundes.

71% der Anabolika konsumierenden Freizeitsportler wiesen eine eingeschränkte Pumpfunktion des linken Ventrikels auf.

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