Antiepileptika können Wirkung der "Pille" mindern

JENA (hem). Bei jungen Frauen mit Epilepsie sollten Interaktionen zwischen Antiepileptika und hormonellen Kontrazeptiva mehr beachtet werden: Denn jede vierte Schwangerschaft bei Frauen mit Antikonvulsiva-Therapie lässt sich auf Pillenversagen zurückführen.

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Auf einen solch hohen Anteil kam zumindest eine britische Untersuchung aus dem Jahre 1998. Junge Epilepsie-Patienten sollten daher gezielt nach ihrer Komedikation befragt werden. Daran hat Professor Stefan Stodiek aus Hamburg beim Neuropädiatrie-Kongress in Jena erinnert.

Grundsätzlich sollte man bei allen Enzym-induzierenden Antiepileptika davon ausgehen, dass sie die Wirksamkeit einer hormonellen Kontrazeption beeinträchtigen, so der Neurologe auf einem vom Unternehmen UCB unterstützten Symposium. Dabei sei es wichtig, sich vor Augen zu halten, dass etwa drei Viertel aller Mädchen mit der Pille verhüten, dass sie in immer jüngerem Lebensalter sexuell reif werden und dass jedes vierte Mädchen schon mit 15 Jahren Geschlechtsverkehr hat. Da vor allem junge Mädchen die Einnahme der Pille häufig verheimlichen, setzen sie sich unnötigen Risiken aus.

Stodiek empfahl deshalb sowohl Frauenärzten als auch Neurologen und Pädiatern, dieses Problem ernst zu nehmen. So sollten Ärzte, die Antiepileptika verordnen, gezielt nach der Pille und Gynäkologen gezielt nach einer möglichen antiepileptischen Behandlung fragen. Ratsam sei auch, die jungen Frauen über alternative Verhütungsmethoden mit geringem Interaktionsrisiko, wie zum Beispiel die Hormonspirale, aufzuklären.

Umgekehrt kann die Pille auch die Wirksamkeit der antikonvulsiven Therapie gefährden. So sei es zwar sinnvoll, Lamotrigin wegen seiner nicht-teratogenen Eigenschaften bei jungen Frauen zu bevorzugen. Man sollte jedoch berücksichtigen, dass eine gleichzeitige Einnahme der Pille die Lamotrigin-Serumspiegel auf etwa die Hälfte senkt.

Stodiek empfahl daher, grundsätzlich Antiepileptika mit wenig Interaktionspotenzial wie Gabapentin und Levetiracetam (Keppra®) bei der Einleitung einer oft lebenslang nötigen Therapie zu bevorzugen.

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