Direkt zum Inhaltsbereich

HIV-Prävention

Antiretrovirale Therapie für Gesunde?

Durch tägliche Einnahme antiretroviraler Arzneien können nicht infizierte, besonders gefährdete Personen ihr HIV-Risiko senken.

Veröffentlicht:

NEU-ISENBURG. Die WHO empfiehlt, zur Präexpositionsprophylaxe (PrEP) für nicht infizierte Personen in Partnerschaften mit unterschiedlichem HIV-Status Tenofovir (TDF) oder eine Kombination aus TDF und Emtricitabin (TDF/FTC) zusätzlich zu üblichen Präventionsmaßnahmen in Erwägung zu ziehen.

Für den HIV-negativen Partner in homosexuellen und transsexuellen Verbindungen sehen die Empfehlungen TDF/FTC vor.

Gleichzeitig trägt die antiretrovirale Therapie (ART) HIV-Infizierter in serodiskordanten Beziehungen zu einem verringerten Ansteckungsrisiko nicht infizierte Partner bei. In einer aktuellen Studie konnte damit in Kombination mit Kondomen und Beratung eine Reduktion der HIV-Übertragung um 96,4 Prozent erreicht werden.

So rät die WHO in ihren Leitlinien vom Juni 2013, HIV-positiven Partnern von Nichtinfizierten mit CD4-Zellzahlen = 350 Zellen/mm3 früh eine ART vorzuschlagen.

Zur täglichen oralen PrEP nicht HIV-infizierter Partner ist seit Juli 2012 in den USA Truvada® (TDF/ FTC) zusammen mit anderen Schutzmaßnahmen zugelassen. In Deutschland ist diese Kombination zur Behandlung HIV-1-infizierter Erwachsener, nicht aber zur Prävention auf dem Markt.

In zwei großen Studien mit gefährdeten HIV-negativen Männern reduzierte sich im Vergleich zu Placebo das Risiko für eine Infektion um 42 bzw. 75 Prozent. Doch die Studienergebnisse sind uneinheitlich.

So war die Wirksamkeit von TDF/FTC in der Prophylaxe etwa bei unverheirateten afrikanischen Frauen so gering, dass eine Studie vorzeitig abgebrochen wurde. Untersuchungen haben ergeben, dass hierzulande insbesondere die tägliche Einnahme, die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen und nicht zuletzt die hohen Kosten (in Deutschland würden diese bei rund 10.000 Euro pro Jahr liegen) einer PrEP derzeit entgegenstehen, so Ulrich Marcus vom RKI.

Befürchtet wird neben der Entstehung eines Schwarzmarktes und von Medikamentenfälschungen auch die zunehmende Resistenzentwicklung und ein Rückgang beim Kondomgebrauch. Auch wer für eine solche Prophylaxe überhaupt infrage käme, scheint bislang unklar. (St)

Mehr zum Thema

S1-Leitlinie zu neurologischen HIV-Manifestationen

Noch keine Lösung für HIV-assoziierte kognitive Defizite

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

© Iuliia Petrovskaia | iStock

Dermatophyten-Infektionen

Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Podiumsdiskussion von Gilead Sciences beim DÖAK 2025 von links: Dr. Nazifa Qurishi, Fachärztin für Innere Medizin und Infektiologie, Gemeinschaftspraxis Gotenring Köln; Kelly Cavalcanti, HIV-Aktivistin und Referentin für Gesundheit und Empowerment, Köln, und Martin Flörkemeier, Senior Director Public Affairs, Gilead Sciences, München

© Gilead

Unternehmen im Fokus

HIV-Versorgung: Vertrauen in unruhigen Zeiten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Update 2026

S3-Leitlinie Lungenkrebs: Das sind die wichtigsten Änderungen

Lesetipps
Ein Dermatologe mit blauen Handschuhen untersucht im Rahmen einer Hautkrebsvorsorgeuntersuchung die durch einen Kreis als auffällig markierten Muttermale auf dem Rücken eines Mannes.

© kinomaster / stock.adobe.com

Frage an die Ethiker

Darf der Intimbereich beim Hautkrebs-Screening ausgelassen werden?

Ein junger Mann liegt im Herz-CT und bekommt gleichzeitig ein EGK geschrieben.

© Svitlana / stock.adobe.com

Plaques bewerten

Screening mittels Koronar-CT: Was das bringen könnte