Thermogenese

Auch Essen aktiviert Braunes Fett

Braunes Fett verbraucht Energie, daher könnte es wichtig sein zur Prävention von Übergewicht und Diabetes.

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MÜNCHEN. In Zusammenarbeit mit einem internationalen Team konnten Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) nachweisen, dass durchs Essen die Thermogenese von Braunem Fett zunimmt, und nicht nur durch Kälte, wie bisher angenommen.

Braunes Fettgewebe beim Menschen ist Gegenstand zahlreicher Studien, denn es verfügt über die genau gegenteilige Funktion des weißen Fettgewebes, das Energie in Form von Speicherfetten, den sogenannten Triacylglyceriden, vorhält. Braunes Fett verbrennt nämlich die Energie der Triacylglyceride (Thermogenese), heißt es in einer Mitteilung der TUM.

Allerdings ändert sich die Aktivität dieses physiologisch besonders günstigen Fettgewebes: Sie nimmt mit dem Alter ab, genauso wie bei Adipösen und Diabetikern.

Es wird deshalb nach Möglichkeiten gesucht, die Thermogenese durch Braunes Fett anzufeuern und zur Prävention von Adipositas und Diabetes zu nutzen.

Bekannt war in diesem Zusammenhang bisher nur eine Option: Kälteinduzierte Thermogenese. "In Studien zeigte sich, dass bei den Probanden, die täglich Stunden in der Kältekammer verbrachten, im Laufe der Kälteanpassung nicht nur die Heizleistung des Braunen Fetts in Kälte gesteigert wurde, sondern sich auch die Kontrolle des Blutzuckers durch Insulin verbesserte", wird Professor Martin Klingenspor, Molekulare Ernährungsmedizin des Else Kröner-Fresenius Zentrums an der TUM in der Mitteilung zitiert.

Thermogene Wirkung der Nahrung

Für die aktuelle Studie wurde untersucht, wie sich eine kohlenhydratreiche Mahlzeit auf die Aktivität des Braunen Fettgewebes auswirkt (Cell Metab. 2018; 28(2): 207-216).

"Dabei konnte zum ersten Mal gezeigt werden, dass die Wärmebildung im Braunen Fettgewebe durch eine Testmahlzeit genauso aktiviert wird wie durch die Kälteexposition", fasst der Wissenschaftler das Ergebnis zusammen.

Hierfür wurden die gleichen Probanden zweimal untersucht: Einmal nach einer Kälteexposition, und ein zweites Mal nach dem Verzehr einer kohlenhydratreichen Mahlzeit. Zusätzlich gab es eine Kontrollgruppe.

Vorher und danach wurden wichtige Marker für die Thermogenese gemessen, darunter nicht nur Glukose- und Fettsäureaufnahme, sondern auch der Sauerstoffverbrauch im Braunen Fett. Hierfür wurde die indirekte Kalorimetrie in Kombination mit der Positronen-Emissions-Tomographie und Computertomographie (PET/CT) angewendet.

"Zehn Prozent der pro Tag aufgenommenen Energie verpuffen durch die thermogene Wirkung der Nahrung", so Klingenspor in der Mitteilung.

Mit Sättigungsgefühl verbunden

Diese postprandiale Thermogenese nach dem Essen beruht nicht nur auf obligater Wärmebildung durch im Darm einsetzende Muskeltätigkeit, Sekretion und Verdauungsprozesse.

Es gibt offenbar auch einen fakultativen Anteil, zu dem das Braune Fett einen Beitrag leistet. Weiterer Gegenstand der Untersuchungen wird nun sein, herauszufinden, ob es sich dabei einfach um Energie handelt, die "verpufft" oder ob dieses Phänomen eine andere Funktion hat.

"Wir wissen mittlerweile, dass die Aktivierung des Braunen Fettgewebes mit einem Sättigungsgefühl verbunden sein könnte", berichtet Klingenspor. Das werden nun weitere Studien zeigen. (eb)

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