Krebs

Auch alte Menschen mit Krebs profitieren von einer Chemotherapie

BERLIN (grue). Ob man Krebspatienten noch eine Chemotherapie zumuten kann, hängt weniger vom Alter als von der körperlichen Verfassung ab. Bei Patienten über 65 Jahren ohne schwerwiegende Begleiterkrankungen wirken die Arzneien fast ebenso gut wie bei jüngeren Krebskranken, haben Datenbank-Analysen ergeben.

Veröffentlicht: 29.03.2007, 08:00 Uhr

Zur Wirksamkeit und zu unerwünschten Wirkungen von Krebsmedikamenten bei älteren Patienten gibt es zu wenige kontrollierte Studien. Oft werden ältere Menschen auch aus klinischen Studien mit Chemotherapien ausgeschlossen. Darauf hat Professor Kurt Possinger von der Charité in Berlin hingewiesen. Jedoch betrage das mittlere Erkrankungsalter beim Mammakarzinom etwas 62 Jahre, und beim Lungenkarzinom liegt es zwischen 64 und 68 Jahren. Gerade für solche Patienten fehlten aber valide Daten aus klinischen Studien.

Einem aktuellen Krebsregister zufolge beträgt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei Brustkrebs im Mittel 79 Prozent. Dies sei im Wesentlichen einer verbesserten adjuvanten Krebstherapie zu verdanken. Und die sei bei Frauen über 70 genauso wirksam wie bei jüngeren Patienten. Beim Onko Update in Berlin verwies Possinger dabei auf die SEER-Datenbank, die Angaben zur Brustkrebstherapie bei fast 42 000 Frauen enthält.

Auch bei alten Patienten mit Lungenkrebs sollte nicht von vornherein auf eine Chemotherapie verzichtet werden, sagte Professor Michael Thomas von der Thoraxklinik Heidelberg. So war in einer kanadischen Studie die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei einer platinbasierten adjuvanten Chemotherapie signifikant höher. Sie lag bei jüngeren Patienten bei 70 statt bei 58 Prozent und bei den Patienten über 65 Jahren bei 66 statt bei 46 Prozent. "Auch ältere Patienten haben also von der Therapie profitiert, obwohl bei ihnen die Medikamente niedriger dosiert worden waren", sagte Thomas.

Der Nutzen der Therapie scheine mehr von der Komorbidität als vom Alter abzuhängen, so der Onkologe. In einer französischen Studie war eine schlechte körperliche Verfassung - nicht jedoch das Lebensalter - ein Prädiktor für eine verkürzte Überlebenszeit bei nicht-kleinzelligem Lungen-Ca. Alten Patienten mit gutem körperlichen Zustand und ohne relevante Begleiterkrankungen könne man also durchaus eine Chemotherapie anbieten.

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