Deutschland

E-Zigaretten und Co halten auf Schulhöfen Einzug

Zahlen aus den USA ließen bereits aufhorchen. Jetzt ist auch in Deutschland erkennbar, dass Schüler vermehrt nach neuen Tabakprodukten greifen. Die Deutsche Krebshilfe warnt.

Von Philipp Grätzel von GrätzPhilipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
Im Trend: Unter Schülern sind Zigaretten out und E-Zigaretten in.

Im Trend: Unter Schülern sind Zigaretten out und E-Zigaretten in.

© Futografie / stock.adobe.com

Berlin. Alles kein Thema bei deutschen Jungs und Mädels: Noch nie wurde so wenig geraucht. Diese Haltung dominiert bisher den Diskurs über E-Zigaretten. Auch in Diskussionen über die Frage, ob Jugendliche davor besser geschützt werden sollten, wird immer wieder auf die Erfolge der Tabakbekämpfung gerade auf den Schulhöfen hingewiesen.

In den USA laufen diese Diskussionen mittlerweile anders: Selbst die Trump-Regierung hält E-Zigaretten auf dem Schulhof für ein gravierendes Problem. Kein Wunder: „In den USA sind E-Zigaretten unter Jugendlichen eine Seuche. Der Anteil der rauchenden Schüler beträgt an manchen Schulen bis zu 50 Prozent“, sagte Dr. Ulrike Helbig von der Deutschen Krebshilfe.

Jugendliche rauchen kaum noch

In Deutschland werden oft Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) rezipiert, wonach der Anteil der Jugendlichen, die rauchen, auf niedrigem Niveau stagniert. BZgA-Zahlen zu E-Tabakprodukten sprächen aber eine andere Sprache, so Helbig in Berlin. Der Anteil der 12- bis 17-Jährigen, die jemals eine Wasserpfeife geraucht haben, lag demnach 2018 bei 26,4 Prozent. Der 30-Tage-Wert beträgt hier 10,2 Prozent.

Der Anteil der Jugendlichen, die jemals eine E-Zigarette geraucht haben, beträgt 14,5 Prozent. Der 30-Tage-Wert liegt hier bei 5,1 Prozent. „In beiden Fällen ist die Tendenz steigend“, so Helbig beim Deutschen Krebskongress in Berlin.

Neue Produkte auf dem Vormarsch

Auch so genannte E-Shishas erfreuen sich steigender Beliebtheit. 16,2 Prozent der 12- bis 17-jährigen haben damit Erfahrung, und 4,2 Prozent haben in den letzten 30 Tagen vor Befragung eine E-Shisha genossen.

Dieser Trend sei deswegen besorgniserregend, weil die neuen Tabakprodukte mitnichten unschädlich seien, so Helbig. Dass sie zudem als Eintrittspforte für einen späteren, intensiveren Tabakkonsum angesehen werden könnten, hält die Deutsche Krebshilfe für nachgewiesen: „Wenn wir nicht aufpassen, züchten wir eine neue Generation von Abhängigen heran“, so Helbig. Andere Wissenschaftler sind bei dieser Einschätzung etwas zurückhaltender. Die Datenlage ist zumindest komplex. Unstrittig ist aber, dass über die langfristigen Folgen von E-Zigaretten bisher nur wenig bekannt ist.

Dieser Beitrag wurde aktualisiert.

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