Bericht der Europäischen Seuchenbehörde

Auch in Deutschland ließen sich viele Antibiotika einsparen

Deutschland gehört weiter zu den Ländern mit den wenigsten Antibiotika-Verordnungen, berichtet die europäische Seuchenbehörde ECDC. Europaweit ist der Verbrauch aber seit Jahren nicht gesunken. Spitzenreiter beim Verbauch ist Griechenland.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
Nach wie vor ein Problem: Der unnötige Einsatz von Antibiotika fördert die Entwicklung und Verbreitung resistenter Krankheitserreger.

Nach wie vor ein Problem: Der unnötige Einsatz von Antibiotika fördert die Entwicklung und Verbreitung resistenter Krankheitserreger.

© greenapple78 / stock.adobe.com

STOCKHOLM. Ungezielter Einsatz von Antibiotika ist einer der Hauptgründe für die Entstehung und Verbreitung resistenter Krankheitserreger. Sowohl die WHO als auch die EU-Kommission haben daher kürzlich Aktionspläne gegen die Entwicklung resistenter Bakterien gestartet. Im Kern zielen diese Pläne auf einen möglichst sparsamen und gezielten Gebrauch der Antiinfektiva ab. Dass es hier noch viel zu tun gibt, zeigen die großen Unterschiede im Verbrauch von Antibiotika in den einzelnen europäischen Ländern, wie in einem aktuellen Bericht des „European Centre for Disease Prevention and Control“ (ECDC) erneut belegt wird.

Das „European Surveillance of Antimicrobial Consumption Network“ (ESAC-Net) hat in dem Bericht den Gebrauch der Antiinfektiva in 30 EU/EEA-Ländern verglichen. Nach der Analyse der Verordnungen von niedergelassen Ärzten (primary care) und in Kliniken liegt Deutschland bei der Nutzung auf Platz sieben. Deutschland gehört damit weiter zu den Ländern in Europa mit den wenigsten Antibiotika-Verordnungen. So wurden im Jahr 2014 bei uns täglich 14,6 definierte Tagesdosen (DDD) pro 1000 Einwohner eingesetzt und damit deutlich weniger als im europäischen Durchschnitt (21,9 DDD/1000).


Aus dem ECDC-Bericht „Surveillance of Antimicrobial Consumption in Europe 2013-14“

Allerdings: Spitzenreiter Niederlande liegt noch gut ein Viertel unter dem Verbrauchsniveau in Deutschland (10,6 DDD/1000). Zum Teil mehr als doppelt so viele Antibiotika wurden hingegen in Italien (27,8), Belgien (28,4) Frankreich (29,0), Rumänien (31,2) und Griechenland (35,1) verbraucht.

Zudem hat sich nach dem Bericht trotz vieler Appelle und Kampagnen der Antibiotikaverbrauch in Deutschland und den meisten europäischen Ländern in den letzten 20 Jahren kaum verändert oder er ist sogar gestiegen: In Deutschland wuchs der Verbrauch von 13,0 DDD/1000 Einwohner im Jahr 1997 auf 14,6 DDD/1000 im Jahr 2014 und damit ähnlich stark wie im EU/EEA-Schnitt (von 20,0 auf 21,9 DDD/1000).

In den Niederlanden war der Anstieg in dieser Zeit deutlich geringer: von 10,1 auf 10,6 DDD/1000. In den fünf Jahren von 2010 bis 2014 ging der Antibiotika-Verbrauch nur in Zypern und Schweden deutlich zurück. Einen signifikanten Anstieg gab es in dieser Zeit allerdings in Großbritannien.

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Bedenklich ist nach dem Bericht auch der geringe Gebrauch von Schmalspektrum-Antibiotika in einigen Ländern. So reicht der Anteil der Beta-Laktamase-sensitiven Penicilline unter den Antibiotika-Verordnungen von unter einem Prozent in Italien bis zu knapp 25 Prozent in Schweden und 27 Prozent in Dänemark. Auf der anderen Seite ist der Verbrauch von Penicillinen mit Beta-Laktamase-Hemmern in 14 Ländern einschließlich Deutschland bis 2014 deutlich gestiegen.

Was ist zu tun?

Um solche Trends in den einzelnen Ländern zu verstehen, sollten Informationen zu nationalen Programmen und Kampagnen über den sparsamen und gezielten Umgang mit Antibiotika analysiert werden, betonen die Autoren. Sie kritisieren, dass in Europa breit akzeptierte Standards zum verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika bisher fehlten.

Der Bericht wurde am 30.5.2018 um 17 Uhr aktualisiert.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Resistenzen sind grenzenlos

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Kommentare
Dr. Martin P. Wedig 31.05.201805:27 Uhr

Drei Ansätze zur Verminderung des Antibiotika-Konsums

1. National können mit Abgaben auf den Antiobiotikaumsatz die exzessiven Verordnungen sanktioniert werden. 2. Lokal ist das Verschreibungsverhalten in der Hausarztpraxis zu verändern. Statt beim Erstkontakt sollte eine Antibiotikaverordnung erst nach einer Verlaufsbeurteilung im Zweitkontakt erfolgen. 3. Mit der Freigabe eines "Bakterientötung" versprechenden Volkspräparates für den Direktvertrieb ließe sich sich Patientenerwartungen erfüllen.

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