Melanomdiagnostik

Auf dem Weg zum Multi-Marker-Panel

Die rasante Ausweitung der Therapieoptionen beim malignen Melanom stellt die molekulare Diagnostik vor große Herausforderungen. Eine mögliche Antwort heißt Next Generation Sequencing.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
Melanom: Wo geht die Reise hin bei der Diagnostik?

Melanom: Wo geht die Reise hin bei der Diagnostik?

© Klaus Rose

BERLIN. Mit der Hemmung mutierter BRAF-Kinasen hat die moderne, biomarkerbasierte Onkologie Einzug in die Melanomtherapie gehalten. Dass es dabei nicht bleiben wird, machte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pathologie, Professor Peter Schirmacher von der Universität Heidelberg, am Donnerstag beim 31. Deutschen Krebskongress in Berlin deutlich.

Drei weitere molekulare Tests hielten derzeit Einzug in die Melanom-Therapie, so Schirmacher. Schon teilweise etabliert ist die (c-)KIT-Testung, die vor allem bei Patienten mit akrolentiginösem Melanom und Schleimhautmelanomen zur Therapiestratifizierung eingesetzt werden kann. Sie gibt Auskunft über Sinn oder Unsinn einer Behandlung mit Tyrosinkinaseinhibitoren.

Kurz vor Einführung dürfte beim Melanom außerdem die RAS-Testung stehen. Insbesondere Tests auf aktivierende NRAS-Mutationen gelten als heiße Kandidaten für einen klinischen Routineeinsatz. Für Patienten mit NRAS-Mutationen laufen derzeit mehrere Studien mit Hemmstoffen der MEK-Kinasen. Erste Ergebnisse sind vielversprechend.

Weil die Studiendaten so gut aussehen, hat sich die deutsche Pathologie entschlossen, schon jetzt eine Infrastruktur für Qualitätstestung und Ringversuche aufzubauen. Die Zertifizierung entsprechender Labors könne in Kürze starten, so der Pathologe: "Wenn die NRAS-Studien erfolgreich sind, können wir sofort in den Rollout gehen und die Tests in der Breite zur Verfügung stellen."

Diagnostik mit breit gefächerten molekularen Tumorprofilen bevorzugt

Ebenfalls im Zusammenhang mit MEK-Kinasen interessant sind Untersuchungen der GNAQ/GNA11-Gene. Patienten mit Mutationen in diesen Genen gelten vor allem beim uvealen Melanom als Kandidaten für eine MEK-Hemmung.

Angesichts der enormen Dynamik bei der molekularen Diagnostik stellt sich ganz grundsätzlich die Frage, wie sich solche Untersuchungen in Zukunft sinnvoll sowie kosten- und zeitsparend abwickeln lassen.

Schirmachers Favorit ist dabei das Next Generation Sequencing (NGS), das es erlaubt, breit gefächerte molekulare Tumorprofile zu erstellen, statt eine Einzelanalyse nach der anderen zu bestellen.

In Heidelberg wird dieser Ansatz derzeit vorangetrieben: An der mit einer hervorragenden NGS-Infrastruktur ausgestatteten Universität ist ein breit aufgestelltes "Krebs-Panel" für eine ganze Reihe von relevanten oder in Zukunft möglicherweise relevanten Mutationen bereits im Einsatz.

Kürzlich wurde mit drei pathologischen Instituten auch schon einmal probeweise ein Ringversuch organisiert, um zu sehen, ob sich das NGS für die Qualitätssicherung eignet.

Dieses Pilotprojekt war erfolgreich: "Wir sind jetzt ziemlich optimistisch, dass wir das neue Verfahren in der klinischen Routinediagnostik qualitätsgesichert anbieten können", so Schirmacher.

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